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Wirtschaft

Samsung setzt auf das S6

Hinter Samsung liegt eine Durststrecke: die Absatzzahlen sind rückläufig, viele Kunden sind zu Apple gewechselt. Mit seinem neuen Modell will der Konzern seinem Erzrivalen nun wieder Paroli bieten.

In der südkoreanischen Haupttadt Seoul standen Technikfans am Morgen bereits Schlange, um sich eines der neuen Samsung-Modelle zu sichern. Der Konzern will seine rückläufige Absatzzahlen stoppen und setzt dabei auf sein neues Gerät. In 20 Ländern ist das Samsung Galaxy S6 und die Variante S6 Edge nun erhältlich.

Samsung will mit einer Runderneuerung punkten. Das Design des neuen Galaxy S6 wurde komplett überarbeitet: Die Geräte stecken, anders als der Vorgänger Galaxy S5, den noch Plastik umgab, in einem Gehäuse aus Metall und Glas - wie auch das iPhone. Beim S6 Edge verläuft das Display um die abgerundeten Seiten des Geräts.

Marktkennern zufolge hat Samsung auch kräftig an der Qualität der Kamera gearbeitet. Die Bilder sollen detailreicher und klarer sein als früher und im Gegensatz zum iPhone sind auch im Abendlicht gute Fotos möglich. Auch die interne Software soll aufpoliert worden sein und aufgeräumter erscheinen.

Die neuen Modelle sind Samsungs erstes Prestigeprodukt seit dem enttäuschenden Smartphone-Geschäft des vergangenen Jahres. Das Unternehmen konnte 2014 zwar weltweit noch immer mehr Geräte verkaufen als jeder andere Hersteller - Analysten sahen Apple und Samsung zum Jahresende aber bereits gleichauf. Im vierten Quartal sahen die

Marktexperten von Gartner

Apple beim Marktanteil sogar vor Samsung.

Zeit für Neustart

"Project Zero" ist Samsungs interner Name für das Galaxy S6. Nach monatelangen Vorbereitungen versucht der südkoreanische Elektronikriese damit nun, seine Lage zu verbessern. Während der Designphase ersetzte der Konzern mehrere Führungskräfte in seiner Mobilsparte und optimierte die Verwaltung.

Bildergalerie Mobile World Congress Barcelona Spain

Großer Andrang beim Samsung S6 auf dem Mobile World Congress in Barcelona Anfang März 2015

Beobachter glauben, dass sich der Wechsel auszahlen wird. Das Unternehmen gehe von neuen Verkaufsrekorden beim Samsung Galaxy S6 aus, so Lee Chang Chul, Vizechef der Mobilsparte des Konzerns. Samsung rechne mit Rekordbestellungen und mit Engpässen bei den Lieferungen, denn das abgerundete Glas des Displays sei aufwendiger in der Herstellung.

Analysten gehen auch davon aus, dass das S6 und das S6 Edge dem Konzern verhelfen, in China wieder etwas Boden gutzumachen. Marktbeobachter rechnen aber nicht damit, dass Samsung auf dem größten Markt für Smartphones wieder die Nummer Eins werden kann und Apple im Premium- Segment überholt.

Apple habe in China ein unglaublich gutes Image, so ein Marktbeobachter. Das Prestige liege in China deutlich über dem von Samsung. "Chinesische Konsumenten sehen Apple als Luxusmarke und dafür sind sie auch gewillt, Premium-Preise zu bezahlen", sagt Xiaohan Tay, Chefanalyst beim Marktforschungsunternehmen IDC, der Nachrichtenagentur AP. "Menschen mit geringem Einkommen sparen Monate lang, um sich ein iPhone zu kaufen."

Die schlechten Zeiten zurücklassen

Viele Jahre lang hatte Samsung die größten Marktanteile in China. Damals war die Konkurrenz durch lokale Produzenten noch gering. Das änderte sich im

vergangenen Jahr

, als chinesische Elektronikfirmen wie Lenovo, Huawei und Xiaomi günstigere Varianten moderner Telefone auf den Markt brachten und Apple im Premium-Sektor aufholen konnte.

Laut den

Marktanalysten von Canalys

ist Apple im vierten Quartal 2014 in China zum Marktführer aufgestiegen - gefolgt von Xiaomi, Samsung und Huawei.

Dennoch ist Samsung optimistisch, dass das neue Modell nicht enttäuschen wird. Das Unternehmen schätzt, dass das Betriebsergebnis für Januar bis März das höchste seit drei Quartalen sein wird. Vor allem, weil Samsung seine eigenen Chips in die neuen Modelle einbaut, so Analysten. Sie gehen davon aus, dass der südkoreanische Konzern mehr als 50 Millionen Modelle des neuen S6 ausliefern wird.

"Einige Spediteure wollen ihre Bestellungen des S6 Edge bereits nach oben anpassen. Es sieht so aus, dass die Nachfrage in diesem Jahr das Angebot übertrifft", so HCM-Analyst Greg Roth gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. "Das bedeutet, dass die durchschnittlichen Verkaufspreise nicht so schnell sinken und das wird positiven Einfluss auf das Samsung-Ergebnis haben."

In Südkorea betragen die Preise für das Galaxy S6 und das S6 Edge aktuell umgerechnet 742 Euro und 843 Euro - damit liegen sie über denen des Vorgängermodells S5. Kommende Woche wird das Unternehmen auch die Preise für China bekanntgeben - diese werden im gleichen Spektrum erwartet.

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