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Europa

Sackgasse Idomeni

Hier kommt keiner durch - dieses Signal an die Flüchtlinge in Idomeni und Umgebung wird immer deutlicher. Doch dort hoffen immer noch viele auf den EU-Gipfel. Eine Reportage aus Idomeni von Panagiotis Kouparanis.

Schon 20 Kilometer davor wird augenfällig, dass sich in Idomeni etwas verändert hat. Das Gelände der EKO-Tankstelle ist voller Flüchtlinge. Entweder haben sie ihre eigenen Zelte aufgeschlagen oder sie sind in Zelten von UNICEF untergekommen. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen sorgt auch für ihre Verpflegung. Auf etwa 1000 Menschen schätzt Tankstellenpächter Theodoros Saoulidis die Zahl der Menschen auf seinem Gelände, das er unentgeltlich zur Verfügung gestellt hat.

Früher kamen sie hier an, machten ein paar Stunden Rast und zogen dann nach Idomeni weiter. Seit über einer Woche ziehe kaum einer weiter. Es mache auch keinen Sinn, da die Grenze geschlossen wurde. Nichtsdestotrotz höre der Pächter von Flüchtlingen immer wieder, sie wollen weiter reisen "nach Europa".

Tankstellenpächter Theodoros Saoulidis (Foto: DW/P. Kouparanis)

Tankstellenpächter Theodoros Saoulidis: Kaum einer zieht noch nach Idomeni weiter

Unwürdiges Spiel mit den Flüchtlingen

Weiter nach Europa - nichts sehnlicher wünschen sich auch die Syrer, Iraker, Afghanen, die in Idomeni festsitzen. Bis zu 2000 von ihnen wollten am Montag der Warterei ein Ende setzen. In einer dramatischen Aktion gelang es letztlich rund 1500 von ihnen, die Grenze nach Mazedonien zu überqueren. Dort angekommen, wurden sie von den Sicherheitskräften festgesetzt.

Die griechische Regierung gab noch Dienstagabend an, die Flüchtlinge seien noch im Nachbarland. Soweit man wisse, hätte Skopje bislang keinen Antrag auf ihre Rückführung nach Griechenland gestellt. Doch da hatte die mazedonische Regierung schon längst Fakten geschaffen. In einer Aktion, die Montagabend begann und bis Dienstagmorgen andauerte, hatte sie sämtliche Flüchtlinge, die aus Griechenland gekommen waren, wieder über die Grenze bringen lassen.

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Das Leben im Flüchtlingscamp Idomeni

Der Deutschen Welle berichteten mehrere Syrer, die nach Mazedonien gelangt waren, unabhängig voneinander, dass sie jeweils zu 50 Personen Militärlastwagen besteigen mussten. Man sagte ihnen, sie würden zur serbischen Grenze gebracht. Tatsächlich endete die Reise am Grenzzaun zu Griechenland - etwa drei Kilometer westlich von Idomeni. Hier mussten sie von den Lastwagen absteigen. Man habe sie einzeln durch den einen Spalt weit geöffneten Zaun auf griechisches Territorium zurückgezwungen, sagten sie.

Bei dieser Aktion am Zaun sollen mazedonische Sicherheitskräfte Gewalt eingesetzt haben - auch gegen Frauen. Panajota Gianopoulou von der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen", die am Montagabend im Camp von Idomeni Dienst hatte, bestätigt, dass sie am späteren Abend mehrere männliche Flüchtlinge wegen Verletzungen behandelt hatte. Alle hätten angegeben, von mazedonischen Sicherheitskräften geschlagen worden zu sein.

Idomeni soll aufgelöst werden

Nun sind sie wieder ins Camp von Idomeni zurückgekehrt, in eine verregnete, verschlammte, provisorische und vor allem anarchische Ansammlung von 14.000 Menschen. Strukturen organisierten Lebens gewährleisten alleine Nichtregierungsorganisationen und die zahlreichen in- und ausländischen Freiwilligen.

Der Staat ist abwesend - aus Unvermögen oder aus Kalkül. Die Hilfsorganisationen sorgen für die Verpflegung der Flüchtlinge, die medizinische Versorgung und ihre Unterkunft in großen Zelten. Wer nicht in eng zusammengestellten Hochbetten schlafen will, hat sein eigenes Zelt auf dem völlig durchnässten Boden gestellt. Um dem Schlamm zu entgehen, campieren manche sogar auf den Schienen, die durch das Lager führen. Wenn der Zug kommt, räumen sie ihr Zelt beiseite.

Zelte stehen im Schlamm im Flüchtlingscamp Idomeni (DW/P. Kouparanis)

Im Schlamm Idomenis steckengeblieben: Flüchtlinge hoffen auf den EU-Gipfel

Keiner der Flüchtlinge in Idomeni scheint zu wissen, wie es mit ihnen weitergeht. Ihre Hoffnungen sind auf den EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag gerichtet. Man werde die Grenzöffnung beschließen, heißt es immer wieder. Und doch müssten sie es besser wissen. Nicht nur das Verhalten der mazedonischen Behörden war ein deutliches Zeichen, dass der Weg nach Europa nicht über Idomeni führt.

Auch der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras stellte unmissverständlich klar, dass die Grenze zu Mazedonien geschlossen bleibe und die Flüchtlinge nur über das Verteilungsprogramm der EU in andere Mitgliedsländer gelangen könnten. Er forderte sie auf, Idomeni zu verlassen und in die neu errichteten Aufnahmelager zu gehen. Migrationsministers Giannis Mouzalas kündigte bei einem Besuch in Idomeni an, dass in den nächsten 20 Tagen nach und nach der größte Teil der Flüchtlinge das Camp verlassen werde - friedlich.

Der Minister sagt es nicht, aber die griechische Regierung scheint darauf zu setzen, dass spätestens mit dem EU-Gipfel die allermeisten Flüchtlinge realisieren werden, dass die Balkanroute eine Sackgasse ist, die an der griechischen Grenze endet.

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