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Kultur

Russlands Auftritt in Frankfurt

100 Schriftsteller, 130 Verlage und ein bombastisches Rahmenprogramm. Der Auftritt Russlands auf der Frankfurter Buchmesse 2003 soll vor allem eines: Beeindrucken. Doch schon jetzt gibt es Kritik.

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In der Zeit vom 8. bis zum 13. Oktober 2003 wird in Frankfurt ungewöhnlich oft russische Sprache zu hören sein: Dieses Jahr ist Russlandjahr auf der Frankfurter Buchmesse. Bereits vor mehr als einem Jahrzehnt - noch zu Gorbatschow's Zeiten - hatte man vor, Russland zum Gastland zu nominieren, erzählt Margarita Stepanova, Vertreterin des russischen Informationsministeriums in Frankfurt, zuständig für die Buchmesse 2003: "Doch die wirtschaftliche Situation in Russland war leider so, dass das Land solchen Aufwand und Kosten nicht tragen konnte."

Autoren ohne deutsche Bücher

Nun ist es aber so weit: Über fünf Millionen US-Dollar haben Kultur- und Informationsministerium Russlands in den Auftritt des Landes auf der Frankfurter Buchmesse investiert, denn dieser Auftritt soll ein Höhepunkt des zwischen den Staatschefs beider Ländern vereinbarten "Russlandjahres in Deutschland" werden. Dafür soll auch ein bombastisches Rahmenprogramm mit Galakonzerten, Vorführungen des Bolschoi-Baletts und diversen Kunstausstellungen in den Frankfurter Museen sorgen, betont Margarita Stepanova. Vor diesem Hintergrund soll auch russische Literatur auf der Buchmesse präsentiert werden – mehr als hundert russische Schriftsteller werden in Frankfurt erwartet.

Schaut man sich das Programm der Lesungen in der offiziellen "russischen Halle" an, wundert man sich allerdings: Auf der Messe sollen dutzende Autoren vorgestellt werden, die keine deutschen Veröffentlichungen vorweisen können. Sie stellen sich lediglich mit wenigen Seiten Text vor, die in Eile ins Deutsche übersetzt wurden. Für einen Profi, wie die Kölner Literaturagentin Galina Dursthoff, ist das ein recht zweifelhaftes Verfahren: "Was bringt das? Wie kann man sich von einem Schriftsteller einen Eindruck anhand von 4-5 Seiten in Eile gemachter Übersetzung verschaffen? Eine viel bessere Lösung wäre, Übersetzungen von einigen Büchern in Kooperation mit deutschen Verlagen - die übrigens dazu bereit waren - herauszubringen. Doch das ist versäumt worden."

Kooperationen – nein danke!

So bekam beispielsweise der renommierte deutsche Aufbau-Verlag in Berlin nach eigenen Angaben entweder gar keine Antwort auf seine Angebote oder erhielt eine klare Abfuhr. "Russland sponsort generell keine Übersetzungen", hieß es aus den Moskauer Amtsstuben. Doch genau das ist die gängige Praxis: Ungarn oder Polen kamen von alleine mit ihren Kooperationsprojekten auf den Aufbau-Verlag zu. Auch das kleine Litauen hat als Gastland der Buchmesse 2002 Mittel für die Übersetzung von Werken litauischer Autoren ins Deutsche zur Verfügung gestellt. 2003 allerdings kommt kein einziges Buch heraus, dessen Übersetzung aus dem Russischen vom Gastland Russland finanziert worden wäre.

Und das ist nicht der einzige Kritikpunkt. Russische Autoren, deren Werke von Deutschen Verlagen pünktlich zur Buchmesse herausgebracht wurden, sucht man zum Teil vergeblich auf der Liste der offiziellen russischen "Schriftsteller-Delegation". Autoren wie Ilja Stogoff ("Machos weinen nicht") oder Oleg Postnow ("Angst") kommen nicht nach Frankfurt. Andere wiederum sind zwar im offiziellen Verzeichnis zu finden, wie zum Beispiel Michail Elizarow "Die Nägel"), doch sie reisen auf Einladung und Kosten der deutschen Verlage zur Messe an.

Wer Autoren sucht, der findet ...

Auch der geplante Auftritt der russischen Verlage auf der Messe verspricht nach Auffassung von Galina Dursthoff vor allem eines: ein heilloses Durcheinander. "Viele Verleger wunderten sich bereits in den vergangenen Jahren über den gemeinschaftlichen russischen Stand: lauter Putin-Porträts und Matrjoschkas! Die Bücher waren kaum zu sehen. Niemand war da, um irgendeine Fachfrage zu beantworten." Die deutschen Verlage haben sich daher entschieden, "ihre" russischen Autoren - nicht in der offiziellen Halle sondern auf ihren eigenen Verlags-Ständen mit Lesungen und Autogrammstunden präsentieren.

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