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Aktuell Welt

Russland will aus Weltraumstation aussteigen

Wird der Außenposten der Menschheit ein Opfer des Ukraine-Konflikts? Russland wies Vorschläge der USA zurück, die Internationale Weltraumstation ISS länger zu nutzen.

Moskau sehe für die Weltraumstation nur einen Bedarf bis zum Jahr 2020, erklärte der russische Vizeregierungschef Dmitri Rogosin nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax in Moskau. "Nach 2020 wollen wir unsere finanziellen Ressourcen für in die Zukunft gerichtete Weltraumprojekte nutzen", sagte Rogosin weiter. Damit wies die russische Regierung den Vorstoß der US-Weltraumbehörde NASA zurück, die ISS bis 2024 zu betreiben, vier Jahre länger als geplant.

Außer den USA und Russland sind Deutschland und zehn weitere europäische Länder sowie Kanada, Japan und Brasilien an der Station beteiligt. Technisch gesehen wäre die ISS, die etwa 350 Kilometer oberhalb der Erde kreist, laut NASA sogar bis 2028 einsatzfähig.

USA hoffen trotzdem auf Zusammenarbeit

Trotz der Pläne Moskaus hoffen die USA auf eine Fortsetzung der Zusammenarbeit über 2020 hinaus. "Wir haben in unserem Weltraumprogramm eine lange Kooperation mit den Russen gehabt und hoffen, dass wir gemeinsam weitermachen können", sagte die Sprecherin des US-Außenministeriums, Jen Psaki. Sogar in Zeiten des Kalten Krieges sei die Kooperation im Kosmos ein Aushängeschild gewesen.

"Wir haben keine offizielle Mitteilung der russischen Regierung erhalten über irgendwelche Änderungen in der Zusammenarbeit", teilte die Nasa mit.

Russisches Transportmonopol

Nach der Stilllegung ihrer Shuttle-Flotte 2012 sind die USA auf russische Raketen zum Transport von Astronauten zur ISS angewiesen. Die neue US-Raumkapsel "Orion" wird erst in einiger Zeit vollständig einsatzbereit sein. Rogosin merkte dazu an, die russische Raumfahrt könne "unabhängig" von der NASA funktionieren. Umgekehrt sei dies nicht der Fall.

Bislang haben es die USA und Russland vermieden, ihre politischen Differenzen in die Raumfahrt zu tragen. Die ISS und andere Weltraumprojekte galten im Gegenteil als Paradebeispiele russisch-amerikanischer Zusammenarbeit. Beobachter schließen nicht aus, dass die jetzige russische Ankündigung auch eine Reaktion auf den Streit um die Ukraine und die von den USA verhängten Sanktionen sein könnte.

Moskau nimmt GPS ins Visier

Zumal Rogosin weitere "Retourkutschen" ankündigte: So werde Russland Raketentriebwerke nur noch unter der Bedingung an die USA liefern, dass sie nicht für Militärsatelliten genutzt würden, teilte der Vizeregierungschef mit. Außerdem werde der Betrieb von für das US-Satelliten-Navigationssystem GPS notwendigen Einrichtungen in Russland von Juni an ausgesetzt, erklärte Rogosin weiter. Wenn Washington nicht bereit sei, über die Installation entsprechender Anlagen für das russische Navigationssystem Glonass in den USA zu verhandeln, könnten die GPS-Anlagen in Russland völlig stillgelegt werden. Zu den von den USA verhängten Sanktionen gehören auch Exportverbote für Hochtechnologie-Produkte, die vom russischen Militär genutzt werden könnten.

Die Astro- und Kosmonauten Koichi Wakata, Michail Tjurin und Rick Mastracchio (Foto: Reuters)

Erschöpft von Flug und Landung: die Astro- und Kosmonauten Koichi Wakata, Michail Tjurin und Rick Mastracchio (v.l.)

Rückkehr nach mehr als sechs Monaten

Unterdessen kehrten drei Astronauten nach mehr als sechs Monaten auf der ISS wohlbehalten zur Erde zurück. Eine Sojus-Kapsel mit dem Japaner Koichi Wakata, dem US-Astronauten Rick Mastracchio und dem russischen Kosmonauten Michail Tjurin landete um 03.59 Uhr (MESZ) in der kasachischen Steppe. Die drei waren am 7. November zur ISS gestartet.

Auf der Raumstation sind zur Zeit noch die beiden russischen Kosmonauten Alexander Skwortsow und Oleg Artemiew sowie der US-Astronaut Steven Swanson. Am 28. Mai wird die Crew dann wieder komplettiert, wenn der deutsche Astronaut Alexander Gerst mit einem US- und einem russischen Kollegen zum Vorposten der Menschheit im All aufbricht.

sti/cr/wl/SC (dpa, afp,rtr)