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Kultur

Russische Matrosen gerettet

Der Albtraum ist vorbei: Die Besatzung des russischen U-Bootes "Pris" konnte gerettet werden. Britische Helfer hatten das Boot nach drei Tagen befreit und gehoben. Die Bergungsaktion war ein Wettlauf gegen die Zeit.

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Endlich an Land: Die Crew-Mitglieder der 'Pris'

Das U-Boot vom Typ AS-28 hatte sich vor drei Tagen bei einem Tauchgang in einer Lauschanlage mit einem 60 Tonnen schweren Anker verfangen. Die Rettung der Matrosen sei vor allem dem Einsatz der britischen Spezialisten zu verdanken, betonte der Vize-Kommandeur des Marinestabs in Moskau, Konteradmiral Wladimir Pepelajew. Ein britischer Tauchroboter hatte auf dem Meeresgrund die Seile durchtrennt, in denen sich das Mini-U-Boot verhakt hatte.

Schnelle Hilfsaktion

Der britische Tauchroboter "Scorpio 45" benötigte nur fünf Stunden zur Rettung des festsitzenden U-Boots. Russische Rettungskräfte hatten sich schon tagsüber vergeblich bemüht, das Boot in flachere Gewässer zu schleppen. Am Sonntag um 0.25 Uhr MESZ wurde dann der von Großbritannien auf die Halbinsel Kamtschatka geflogene Roboter das erste Mal am Unfallort im Pazifik ins Wasser gesetzt. Die sieben Mann Besatzung im U-Boot erhielten die Aufforderung, sich auf das Auftauchen vorzubereiten.

Gegen 0.43 Uhr am Sonntag (7.6.2005) entdeckte das mit drei Kameras ausgestattete Vehikel das auf dem Meeresgrund steckende U-Boot. Zwanzig Minuten später begannen die britischen Experten an der Wasseroberfläche, per Fernsteuerung die ersten Seile am U-Boot zu kappen. Zwischenzeitlich musste der Tauchroboter an die Wasseroberfläche geholt werden, um einen technischen Fehler zu beheben.

Russisches U-Boot geborgen

AS-29-Mini-U-Boot

Das letzte hindernde Seil der Unterwasser-Lauschanlage durchtrennten die Schneidewerkzeuge des "Scorpio 45" gegen 3.30 Uhr. Danach musste das U-Boot noch von den Resten eines Fischernetzes befreit werden, wie die Marineführung mitteilte. Zwei Stunden später, um 5.26 Uhr, tauchte das 13,5 Meter lange U-Boot nach mehr als dreiTagen wieder an der Wasseroberfläche auf.

Der Tauchroboter der britischen Streitkräfte sieht auf den ersten Blick weniger wie ein Skorpion als wie ein Rasenmäher mit zwei Kneifzangen aus. Das Gerät kann in einer Tiefe von bis zu 925 Metern eingesetzt werden, weiter reichen die Verbindungskabel zur Oberfläche nicht. Die Schneidewerkzeuge sind stark genug, um Stahlkabel von einer Stärke bis zu 70 Millimeter zu durchtrennen.

Chefsache

Russische Marine

Das russische Marine-Schiff Razliv bereitet sich darauf vor, den Hafen von Petropawlowsk-Kamtschatski zu verlassen

Die Besatzung des U-Boots wurde nach der Rettung von einem Raketenschiff der Marine aufgenommen. Gemeinsam mit Verteidigungsminister Sergej Iwanow, der sich an den Unfallort begeben hatte, wurden die Überlebenden zum Hafen der Stadt Petropawlowsk-Kamtschatski auf der fernöstlichen Halbinsel Kamtschatka gebracht. Zurück auf dem Festland meldete der 25-jährige Kapitänleutnant Wjatscheslaw Milaschewski erschöpft und sichtbar erleichtert die
glückliche Heimkehr der Besatzung. "Kalt war es. Sehr kalt",
berichtete ein Matrose über die Zeit im havarierten U-Boot. Mehr als 76 Stunden mussten die Männer bei Temperaturen um fünf Grad in einer Tiefe zwischen 170 und 200 Meter ausharren. Trotzdem war einer von ihnen sogar zu Scherzen aufgelegt. "Einen schönen Gruß an meine Mama", sagte er grinsend in die Kameras, als er von Bord ging.

Präsident Wladimir Putin hatte sich am Samstag mit Vertretern des Geheimdienstes getroffen, um die Lage zu erörtern. Beim Drama des Atom-U-Boots "Kursk" vor fünf Jahren war Putin in die Kritik geraten, weil er den Vorfall nicht zur Chefsache gemacht hatte. Damals waren in der Barentssee die 118 Besatzungsmitglieder ums Leben gekommen, nachdem es eine Explosion an Bord gegeben hatte. (chr)

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