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Politik

Russische Immigranten in Israel

In den vergangenen 15 Jahren sind mehr als eine Million Russisch sprechende Juden aus Staaten der Ex-Sowjetunion nach Israel eingewandert. Wie leben sie dort? Ein Besuch in der russischen Gemeinde von Ashdod.

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Ankunft in Israel

Die südisraelische Hafenstadt Ashdod ist so etwas wie eine Russenmetropole. Ein Drittel der rund 200.000 Einwohner sind Einwanderer aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion. Zwei Stadtviertel werden fast ausschließlich von russischen Juden bewohnt. Die meisten von ihnen sind in den vergangenen fünfzehn Jahren gekommen. Sie haben ihre eigenen Geschäfte aufgemacht, sie haben eigene Zeitungen und ein russisches Fernsehprogramm und sie pflegen ihre Kultur.

Vielfältige Kulturangebote

Israelischer Leuchter, Russische Einwanderer in Israel

Der siebenarmige Leuchter, religiöses Symbol für Juden

Zum Beispiel im Theaterzentrum von Grischa Zlatkin: "Wir haben ein Kindertheater, das zwei Mal im Jahr eine Aufführung hat und schon überall in Israel aufgetreten ist. Wir haben zwei Gruppen für Erwachsene. Wir haben eine Gruppe für Hörgeschädigte, eine für Rollstuhlfahrer und eine für seelisch Kranke. Ich glaube, es gibt nirgendwo in Israel eine solche Vielfalt wie hier bei uns."

Grischa Zlatkin erzählt

Zlatkin lebt gern in Ashdod. Seine zwei Töchter sind in der Hafenstadt aufgewachsen, zwei Enkel wurden hier geboren. Am Anfang jedoch, als er aus Tiflis in Georgien im Jahr 1990 nach Israel einwanderte, da war es nicht leicht für ihn und seine Familie: "Als ich hierher kam, wusste ich, dass ich mit meinem Beruf als Russisch-Lehrer hier nichts anfangen kann. Ich wusste, dass ich jeden Job annehmen musste. Ich war auch bereit dazu. Ich habe also auf dem Bau gearbeitet und das war ganz schön schwer. Der Staat hier hätte darüber nachdenken müssen, wie man die Neueinwanderer aufnimmt. Es ist nicht so leicht, wenn so viele Menschen einwandern. Ich habe mal gelesen, dass die Israelis, die sich auf die Einwanderung vorbereitet haben, mit der Ankunft von armen Schluckern rechneten. Aber wir waren keine armen Schlucker."

Schwierige Situation für Jugendliche

Seit den frühen 1990er-Jahren sind mehr als eine Million Juden aus der ehemaligen Sowjetunion nach Israel gekommen. Die meisten von ihnen waren nicht arm, sonder gut ausgebildet, sie waren Ingenieure, Ärzte und Musiker. Die Integration in Israel war für sie oft nicht leicht. Vor allem für die Jugendlichen konnte der Umzug traumatische Auswirkungen haben, weiß Irit Wiener, die in Ashdod das Ministerium für Einwanderung vertritt.

Russische Einwanderer in Israel

Ein junger Mann schaut sich Zeitschriften in einem Bücherladen in Tel Aviv für russische Einwanderer an. Neben der Sprache bringen die russischen Immigranten ihre Kultur, ihre Einstellungen und ihre Vorlieben nach Israel mit.

"Jedes Kind, das in die Pubertät kommt, durchlebt eine schwere Zeit. Jugendliche Einwanderer sind daher immer besonders gefährdet. Sie haben ihre Heimat verlassen und niemand hat sie gefragt, ob sie das überhaupt wollen. Ihre Eltern haben das entschieden. Und nun müssen sie sich in dieser neuen Gesellschaft zurechtfinden. Besonders schwer ist es für Kinder allein erziehender Mütter, sie haben nicht wie die israelischen Kinder viele Verwandte und Freunde. Und daher sind sie ziemlich gefährdet", sagt Wiener. Die acht Frauen der Einwandererbehörde von Ashdod haben speziell für diese Jugendlichen ein breit gefächertes Angebot an Kursen und Veranstaltungen entwickelt.

Schutz vor Antisemitismus

Eleonora Mitnitzky waren die jüdischen Traditionen wohl vertraut. Sie war Schauspielerin am jiddischen Theater von Kiew, bevor sie 1989 nach Israel einwanderte. Sie hatte den Antisemitismus satt, der ihr in der alten Heimat überall entgegenschlug. Und sie wollte ihren Sohn davor schützen: "Ich hatte keinerlei Vorstellungen, was Israel überhaupt ist. Ich wusste gar nichts. Als ich hierher kam, fand ich alles reichlich merkwürdig, aber ich sagte mir, das ist mein Zuhause."

In Ashdod gründete Mitnitzky eine kleine Reformgemeinde, die sich speziell an russische Juden wendet. Sie will die Neueinwanderer, die oft gar nichts über ihre jüdische Herkunft wissen, mit ihrer eigenen Religion vertraut machen und ihnen die Berührungsängste nehmen. Denn viele von ihnen habe noch nie eine Synagoge betreten. Eleonora Mitnitzky selbst hat ihren Entschluss, nach Israel auszuwandern, nie bereut. Hier fühlt sie sich zuhause, sagt sie und von hier will sie nie wieder weg.

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