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Musik

Ruhe vor dem Sturm

Vorhang auf am 25. Juli zur Neuinszenierung von Richard Wagners romantischer Oper "Der fliegende Holländer" - und schon reden alle vom kommenden Jahr.

Bei der Eröffnung der Festspiele werden Politiker, sonstige Promis und Journalisten aus aller Welt auf den harten Holzsitzen im Festspielhaus knapp drei Stunden lang Richard Wagners romantischer Oper "Der fliegende Holländer" in der Neuinszenierung von Regisseur Jan Philipp Gloger und Dirigent Christian Thielemann beiwohnen. Dazu stehen "Tristan und Isolde", "Lohengrin", "Tannhäuser" und "Parsifal" in bereits bekannten Inszenierungen auf dem Programm.  

In seinem eigens konzipierten Festspielhaus suchte Richard Wagner für sein "Gesamtkunstwerk" die vollkommene Mischung von Bewegungsabläufen, Musik, Szene und dramatischem Ausdruck. Wagner schrieb "Der fliegende Holländer" im Alter von 30 Jahren, noch bevor er überhaupt an Gesamtkunstwerk oder Festspielhaus dachte.

Vielbeschworene Atmosphäre

Regisseur Jan Philipp Gloger Foto: Daniel Karmann dpa/lby

Wagner-Neuling Jan Philipp Gloger

Im selben Alter wie einst Wagner ist auch der Regisseur der Neuinszenierung des Werks, Jan Philipp Gloger, der seinen ersten Eindruck vom Ort so schilderte: "Positiv überrascht hat mich hier die viel beschworene Atmosphäre eines geschützten Ortes, weit weg von allen anderen. Das hat den Vorteil, dass die Leute nicht schnell mal schnell nach Hause können. Man ist isoliert, und das ist für eine konzentrierte Arbeit gar nicht schlecht."

Auch das war Wagners Intention: an einem entlegenen Ort die Konzentration auf sein Werk zu ermöglichen. Nach wie vor ist die oberfränkische Stadt Bayreuth mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur umständlich zu erreichen. Dennoch warten viele Besucher jahrelang auf eine begehrte Karte bei diesem stets ausverkauften Festival.

Thielemann dirigiert den "Holländer"

Christian Thielemann, musikalischer Berater der Festspiele, dirigiert bei der Neuinszenierung Wagners Frühwerk. "Der fliegende Holländer ist das schwierigste Stück, das ich hier je gemacht habe, weil es eigentlich nicht für diesen Orchestergraben geschrieben ist", erklärt er. "Es ist massiv instrumentiert, der Dirigent muss unglaublich viel steuern. Den ganzen Abend ist man nur am Drehen und Schrauben, und dabei soll man auch noch spontan musizieren!"

Jetzt schon großes Interesse am Jubiläumsjahr 2013

Schwerpunkt des öffentlichen Interesses liegt jedoch weniger bei der Neuproduktion als beim Jubiläumsprogramm 2013. 200 Jahre nach Wagners Geburt und 130 Jahre nach seinem Tod wird der vierteilige Opernzyklus "Der Ring des Nibelungen" neu inszeniert; bereits in diesem August beginnen die Proben dazu. Zum Rahmenprogramm gehören ein Geburtstagskonzert am 22. Mai 2013, ein Filmwettbewerb und ein Novum für Bayreuth: die Aufführung von drei Frühwerken Wagners außerhalb der Festspielzeit: "Die Feen", "Das Liebesverbot" und "Rienzi".

Wagner-Büste Foto: Daniel Karmann dpa/lby +++(c) dpa - Bildfunk+++

2013 wird Wagner 200 Jahre alt - Anlass für ein großes Jubliäumsfestival

Dazu kommt die Inszenierung einer verkürzten Fassung der "Ring"-Tetralogie – immerhin sieben Stunden Musikdrama – durch die Festspielleiterin Katharina Wagner. Diese wird im November 2012 im Teatro Colón in Buenos Aires über die Bühne gehen. Die DW wird die Produktion in einem Internet-Livestream präsentieren.

Wagner multimedial

Die multimediale Öffnung der Bayreuther Festspiele war in den letzten Jahren sehr ausgeprägt: Public Viewing ausgewählter Produktionen, Kinderoper auf dem Festspielgelände, Livestream im Internet, Öffnung der Proben für Journalisten. Jetzt kommt "Wagner im Kino" hinzu: Am 11. August wird "Parsifal" in zahlreiche Kinos in Deutschland, Österreich und in der Schweiz live übertragen. Es handelt sich um die aktuelle Inszenierung von Stefan Herheim - mit starken, abwechslungsreichen Bühnenbildern und Effekten sehr gut fürs Kino geeignet.

"Wagner für alle" und die klare Hinwendung zu modernen Auslegungen von Wagners Musikdramen: Ob diese Faktoren die Festspiele mit ihrer starken Traditionsbezogenheit stärken oder verwässern, darüber gehen die Meinungen auseinander. Diskussionsstoff bieten die Bayreuther Festspiele nach wie vor.

Und so blieb es dann auch im Vorfeld der Festspiele nicht ganz so ruhig. Der Eklat um den russischen Sänger Evgeny Nikitin, der wegen seiner Nazi-Tätowierungen die Titelpartie des "Fliegenden Holländers" abgeben musste, sorgte für reichlich Aufregung auf dem Grünen Hügel. Doch ein Ersatz wurde schnell gefunden: Neuer Solist ist der Südkoreaner Samuel Youn, der schon bei der Generalprobe am Samstag einsprang. Bisher hatte der Bass-Bariton in Bayreuth nur kleinere Rollen gesungen, nun bekommt er seine große Chance.

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