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Europa

Rubel, Hrywnja oder Tscherwonez?

In der selbsternannten "Donezker Volksrepublik" herrscht finanzielles Chaos. Seit Monaten erhalten die Menschen keine Sozialleistungen und Gehälter. Die Separatisten wollen nun eine eigene Währung einführen.

Eine geschlossene Bankfiliale in Donezk (Foto: DW)

Eine geschlossene Bankfiliale in Donezk

Muster einer künftigen "Währung für Neurussland" kursieren bereits im Internet. "Tscherwonez" soll sie heißen in Anlehnung an eine Bezeichnung auf sowjetischen Banknoten nach der Oktoberrevolution. Anhänger der selbsternannten "Donezker Volksrepublik" diskutieren in Foren, wer auf den Geldscheinen verewigt werden sollte.

Doch nach wie vor ist in dem von

prorussischen Separatisten

kontrollierten Gebiet die ukrainische Hrywnja im Umlauf. Aber den Menschen geht das Geld aus. Kiew könne keine Gehälter mehr an Staatsbedienstete überweisen, sagt Olena Petrjajewa, stellvertretende Gouverneurin im Gebiet Donezk, weil der Geldtransfer unterbrochen worden ist. "Zahlungen können deshalb nur in Gebieten entgegengenommen werden, die von Kiew kontrolliert werden", betont die Vertreterin der ukrainischen Staatsmacht.

Ein großer Teil der arbeitenden Bevölkerung hat die umkämpfte Region inzwischen verlassen. Zurückgeblieben sind vor allem alte und arme Menschen. Sozialleistungen aus Kiew bekommen sie keine mehr. Im Juli hätten 150.000 und im August schon 500.000 Menschen keine Rente mehr erhalten, teilte die Donezker Gebietsverwaltung mit.

Menschen in der Sackgasse

Menschen in Donezk warten auf die Zuteilung humanitärer Hilfe (Foto: DW)

Viele bedürftige Menschen in Donezk müssen stundenlang auf die Zuteilung humanitärer Hilfe warten

Auch Lehrer sind von den Zahlungsausfällen betroffen. "Ständig habe ich eine Kollegin mit ihrem Kind vor Augen. Sie hat überhaupt kein Geld mehr", sagt eine Schuldirektorin aus Donezk. Auch sie selbst benötige, wie viele andere auch, inzwischen Hilfe zum Überleben. Um sie zu bekommen, müsse man in langen Schlangen ausharren. "Wenn Menschen bereit sind, stundenlang für ein Kilogramm Buchweizen anzustehen, dann haben wir es wirklich mit einer humanitären Katastrophe zu tun", so die Pädagogin.

Eine andere Lehrerin fühlt sich in der Sackgasse. "Was die Gehälter betrifft, ist das ukrainische Bildungsministerium machtlos. Gleichzeitig droht man uns hier vor Ort mit der Entlassung, wenn wir uns nicht schriftlich bereit erklären, Gehälter von der 'Donezker Volksrepublik' zu beziehen", sagt sie. Doch damit würden die neuen Machthaber anerkannt. Viele Menschen in der Region lehnen das ab.

Einige ihrer Kollegen würden deswegen

in anderen Städten der Ukraine

nach Arbeit suchen. Ab Oktober wolle die "Regierung der Donezker Volksrepublik" den Lehrern Gehälter zahlen. "Unklar ist, ob wir Rubel oder Hrywnja bekommen sollen und woher überhaupt das Geld fließen soll, wenn alle Betriebe in Donezk stillstehen", so die Lehrerin.

Fließt Geld von der Krim nach Donezk?

Die "Donezker Volksrepublik" hat unterdessen angekündigt, einen Fonds für Sozialleistungen einrichten zu wollen. Ab Oktober sollen sie regelmäßig über Büros der Post in der ukrainischen Währung Hrywnja ausgezahlt werden. "Finanziert werden sollen die Zahlungen mit Abgaben und verschiedenen Einnahmen, aber auch mit Spenden von Unternehmen", erklärte der "Vizepremier für Soziales der Donezker Volksrepublik", Alexander Karaman. Medienberichten zufolge war er früher in der selbsternannten "Republik Transnistrien" aktiv. Das Gebiet gehört völkerrechtlich zur Republik Moldau.

Das Geld, mit dem die Separatisten in Donezk Sozialleistungen und Gehälter zahlen wollen, könnte von der Krim stammen. Diese Vermutung äußerte die Leiterin der ukrainischen Nationalbank, Walerija Hontarjewa. So könnte die bei der Einführung des russischen Rubels auf der Krim eingezogene Geldmasse in Hrywnja nach Donezk gebracht worden sein. Zum Zeitpunkt der Annexion der Krim durch Russland habe die ukrainische Nationalbank auf der Halbinsel 3,9 Milliarden Hrywnja Bargeld vorrätig gehalten. Dieses Geld sei in die Hände Russlands gefallen.

Zunehmende Enttäuschung

Wahlurne beim Referendum der Separatisten in Donezk (Foto: DW)

Den Separatisten zufolge unterstützen 90 Prozent der Menschen eine Loslösung ihrer Region von der Ukraine

Im Osten der Ukraine fühlen sich unterdessen immer mehr Menschen betrogen, die im Mai am "Referendum über die staatliche Selbständigkeit der Donezker und Luhansker Volksrepubliken" teilgenommen hatten. "Unsere Politiker haben uns mit Nationalisten Angst gemacht und uns so die Idee einer Föderalisierung untergeschoben und die Selbständigkeit in Budgetfragen versprochen", sagt eine Frau aus Donezk. "Jetzt haben wir das Ergebnis: Es herrscht Angst vor den neuen bewaffneten Machthabern. Die Städte sind tot. Man braucht ein Stück Land, um nicht zu verhungern."

Sie ist überzeugt, dass die humanitäre Hilfe jetzt nur verteilt werde, weil die Separatisten Anfang November "Wahlen" in den nicht anerkannten Republiken veranstalten wollen. "Aber ich falle auf diese billige Bestechung nicht mehr herein", betont die Frau.

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