1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Aktuell Amerika

Romneys versehentliches Outing

Mitt Romney passiert auf den letzten Metern vor der US-Wahl ein Fehler nach dem anderen: Erst die Obama-Schelte nach den antiamerikanischen Protesten gegen das Mohammed-Video - und jetzt nennt er Obamas Wähler "Opfer".

Mitt Romney (Foto: Getty Images)

Mitt Romney 2008

Eigentlich hatte Romney nur zu einem erlesenen Kreis reicher Spender gesprochen. Doch weil jemand heimlich ein Video gedreht hat, weiß ganz Amerika nun, was der Präsidentschaftskandidat der Republikaner von fast der Hälfte der US-Bürger denkt: "Es gibt 47 Prozent, die für ihn (Obama, Anm. d. Red.) sind, die abhängig sind von der Regierung, die glauben, dass sie Opfer sind, die glauben, dass die Regierung die Verantwortung hat, für sie zu sorgen, die glauben, dass sie ein Recht auf Gesundheitsfürsorge, Lebensmittel und Unterkunft, auf überhaupt alles haben."

Diese Menschen scheiden nach Ansicht Romneys als Wählergruppe für ihn aus, weil er sich nicht für sie verantwortlich fühle: "Es ist nicht meine Aufgabe, mir Sorgen um diese Menschen zu machen. Ich werde sie niemals überzeugen, dass sie persönliche Verantwortung übernehmen und für ihr Leben sorgen", sagte Romney weiter auf dem privaten Empfang.

Keine Entschuldigung von Romney

Der heimlich gefilmte Mitschnitt der Rede gelangte durch das linksgerichtete Magazin "Mother Jones" an die Öffentlichkeit. Der Anwärter auf das Präsidentenamt entschuldigte sich daraufhin nicht für seine Bemerkungen. Er räumte lediglich ein, er habe sich nicht "elegant" ausgedrückt.

Video ansehen 01:31

Romney patzt wieder

Seine Sprecherin versuchte sich in Schadensbegrenzung. Gail Gitcho sagte laut "Washington Post", der frühere Gouverneur von Massachusetts wolle allen Amerikanern helfen, die unter der Wirtschaftspolitik Obamas zu leiden hätten. Romney sorge sich über die wachsende Zahl von Menschen, die finanziell von der Regierung abhängig seien.

Aus Sicht der Demokraten hat Romney mit den Äußerungen sein wahres Gesicht gezeigt: das eines abgehobenen Multimilliardärs, der sich nicht für die Mittelschicht interessiere. Obamas Wahlkampfmanager, Jim Messina, erklärte: "Es ist schockierend, dass ein Präsidentenkandidat einer Gruppe von reichen Spendern hinter verschlossenen Türen erklärt, dass die Hälfte der Amerikaner sich als Opfer sieht. Es ist schwierig, ein Präsident aller Amerikaner zu sein, wenn du verächtlich die Hälfte der Nation abschreibst."

Zweites Video aufgetaucht

Unterdessen tauchte ein zweites Video auf, das ebenfalls bei der Veranstaltung im Mai heimlich gedreht worden war. Darin äußert Romney die Einschätzung, dass die Palästinenser keinen Frieden wollten und eine Lösung des Konflikts mit Israel nicht möglich sei: "Ich sehe es so, dass die Palästinenser aus politischen Erwägungen keinen wie auch immer gearteten Frieden haben wollen, dass sie sich der Zerstörung und Auslöschung Israels verschrieben haben (...), und ich sage, es gibt da keinen Weg" (zu einer Lösung).

Mitt Romney, der am 6. November zum Präsidenten der USA gewählt werden möchte, fällt in den Umfragen immer weiter hinter dem amtierenden Präsidenten Obama zurück. Bis vor einigen Wochen noch deuteten die Umfrageergebnisse noch auf ein Kopf an Kopf-Rennen hin. Doch Romney hat sich in jüngster Zeit einige Fehler geleistet, die ihn zurückgeworfen haben: Ende Juli stolperte er bei einer Reise nach Großbritannien, Israel und Polen über das internationale Parkett. Auch beim Republikaner-Parteitag Ende August konnte er mit seiner Rede nicht überzeugen. Jüngst reagierte er auf die Attacken auf die US-Vertretungen in Kairo und Bengasi, indem er Obama Führungsschwäche vorwarf. Selbst Parteifreunde tadelten ihn dafür: Romney hätte besser mitfühlende Worte wählen sollen.

nem/wl/hp (afp, dpa, dapd, rtr)

Audio und Video zum Thema