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Europa

Roma rappen gegen eigene Diskriminierung

Menschenrechtsorganisationen beschuldigen tschechische Behörden, unverhältnismäßig viele Roma-Kinder auf Sonderschulen zu schicken. Eine Gruppe junger Roma-Rapper setzt sich gegen die Missstände ein - mit einem Lied.

Marek Jano sitzt in einem Auto in Prag. Der 15-jähriger stammt aus einer Roma-Familie, aber er weigert sich, zu einer Sonderschule zu gehen. Er hat darüber zusammen mit anderen einen Rap gesungen (Foto: Markéta Nešlehová)

Roma Rap

"Nebud Dilino", ein Song der jungen Roma-Band "United Gipsy Crew", sorgt für Aufsehen bei YouTube und Facebook. Das Lied hat eine Melodie, die ins Ohr geht, ein cooles, professionelles Video und eine ernste inhaltliche Botschaft.

"Dilino" heißt Narr oder Idiot auf Romani, der Sprache der Roma. In dem Video fordern Kinder ihre Eltern auf, sie nicht mehr auf eine Sonderschule zu schicken, wo sie eine schlechte Bildung erhalten, und damit um ihre Chance auf einen Studienplatz oder einen guten Job in der Zukunft gebracht werden.

"Ich verstehe, dass Kinder, die wirklich geistig behindert sind, auf diese Schulen gehen müssen", sagt Michal Miko von Slovo 21, der Nichtregierungsorganisation, die den Videoclip produziert hat, der DW. Er erzählt aber auch, dass der Auswahlprozess für die Schulen alles andere als perfekt ist. "Es gibt einen Bericht vom tschechischen Schulinspektor von 2011, in dem es heißt, dass 3600 Schüler ohne jegliche Tests in diese Schulen gekommen sind. Wie kann es angehen, dass jemand diese Kinder ohne Aufnahmeprüfung in diese Schulen schickt? Das ist ja wohl nicht normal."

Der Name ist nur Verpackung

Internationale Organisationen haben die Tschechische Republik schon mehrfach kritisiert, weil in dem Land eine unverhältnismäßig hohe Anzahl an Roma-Kindern auf Sonderschulen geht. Vor Kurzem benannte die tschechische Regierung die Sonderschulen in "praktische Schulen" um, aber alles blieb beim Alten. Die Schüler werden weiterhin weniger gefordert als auf normalen Schulen, der Lehrplan ist eingeschränkt.

Der Eingang des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, eine Glaskonstruktion, ist im Sonnenlicht zu sehen. (Foto: picture alliance/ JOKER)

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat die Diskriminierung von Roma-Kindern in Tschechien verurteilt

Schon 2007 stellte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in einem Urteil fest, dass Roma-Kinder in Tschechien diskriminiert werden. Die Richter wiesen die tschechische Regierung an, die Missstände zu korrigieren. Seitdem hat sich zwar einiges geändert, aber viele Maßnahmen waren nur kosmetischer Natur, wie zum Beispiel die Umbenennung der Schulen. Dabei ist man sich in der Tschechischen Republik des Problems durchaus bewusst. Will man den Kreislauf von Diskriminierung der Roma durchbrechen, muss man schon früh damit anfangen - in der Schule.

Nur auf der normalen Schule klappt der Aufstieg

Weder Richard Karol noch Marek Jano, zwei der United Gypsy Crew-Mitglieder, sind auf Sonderschulen gegangen. Nach einer regulären Schule geht Richard, 15, jetzt auf eine Schule mit musischem Schwerpunkt, genau wie sein gleichaltriger Band-Kollege Marek. Wäre er auf eine Sonderschule gegangen, meint Richard, hätte er diese Möglichkeit sicher nie bekommen.

"Die Kinder in den Sonderschulen sind nicht schuld daran, dass sie da sitzen. Ihre Eltern sind schuld", sagt Richard. "Deswegen sagen wir ja nicht nur den Kindern, sie sollen sich mehr in der Schule anstrengen. Unsere Botschaft geht vor allem an die Eltern, die ihr Gehirn benutzen, und ihre Kinder auf normale Schulen schicken sollen, und nicht auf Sonderschulen."

Von Roma für Roma

Eine Lehrerin zeigt einem Jungen etwas auf einem Computer Bildschirm. (Foto: DANIEL MIHAILESCU/AFP/Getty Images)

Eine gute Ausbildung bleibt Roma-Kindern häufiger verwehrt als anderen

In dem Musikvideo, das an verschiedenen Orten in Prag gedreht wurde, sind erfolgreiche Roma, wie eine Krankenschwester, ein Fernsehjournalist und ein Lehrer zu sehen, die normale Schulen besuchten, und heute erfolgreich im Berufsleben stehen.

"Ich mag das Video", sagt Lyubov Grunkovskaya, der für Slovo 21 arbeitet, und ursprünglich aus Weißrussland kommt. "Ich bin zwar kein Roma, aber ich finde die Botschaft wirklich wichtig, und es ist gut, dass sie von den Roma selbst kommt. Ich finde, dass eine eigene Roma-Stimme für Roma viel effektiver ist."

Die Zeiten ändern sich, sagen Richard und Marek. Sie hoffen, dass der Gedanke, dass Roma-Kinder keine minderwertige Bildung haben müssen, sich durchsetzt. "Die Reaktionen waren echt gut," sagt Marek. "Das Video wurde schon richtig oft weitergeleitet - ein Haufen Leute haben es auf YouTube gesehen. Wir sind froh, dass das Video so viele Menschen erreicht hat, und wir hoffen, es geht noch weiter."

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