1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Rohstoff-Krimi im Eismeer um Spitzbergen

Nicht weit von Europa vollzieht sich ein diplomatisches Tauziehen um Ansprüche auf arktischen Meeresboden. Es geht um mögliche Rohstoffvorkommen und um viel Geld. Dahinter steht ein über 90 Jahre alter Vertrag.

Spitzbergen (norwegisch: Spitsbergen) ist eine zu Norwegen gehörende Insel des gleichnamigen Archipels im Arktischen Ozean, die eine Gesamtfläche von 39.044 km² hat. Ihre Ausdehnung ist rund 380 km in nord-südlicher und etwa 220 km in west-östlicher Richtung. Im deutschen Sprachgebrauch hat es sich eingebürgert, ganz Svalbard als Spitzbergen zu bezeichnen. Zur Unterscheidung vom Archipel war für die Insel Spitzbergen auch die Bezeichnung Westspitzbergen im Gebrauch. Copyright: CC-BY-SA-2.5/Hannes Grobe 31 August 2007

Insel Spitzbergen

Es hatte etwas von Goldgräberstimmung: Als Russland im Sommer 2007 am Nordpol eine Flagge in den arktischen Meeresboden rammte, um seinen Anspruch auf das Gebiet klar zu machen, erklärten weltweit die Medien den Wettlauf auf die Rohstoffe der Arktis für eröffnet. Vom "Eldorado am Polarkreis" war zu lesen, von einer "politischen Eiszeit", gar einem "Neuen Kalten Krieg".

Die Wogen geglättet

Seitdem haben sich die Wogen geglättet. Verhandlungen um die Arktis sind weitestgehend zurückgekehrt in die diplomatischen Hinterzimmer, auf Konferenzen und in Fachmagazine. Nicht zu Unrecht: Mit staatsmännischer Zurückhaltung kommunizieren die Arktis-Anreinerstaaten weitgehend friedlich und erfolgreich über die Grenzverläufe im Meer.

Und doch sorgt eine Region der Arktis weiter für leise Diskussion: Die von Norwegen verwaltete Inselgruppe Spitzbergen, oder Svalbard. Denn im Gegensatz zum Rest der Arktis, in dem die UN-Seerechtskonvention die Rahmenbedingungen für internationale Regelungen sicherstellt, gilt in Spitzbergen eine Sonderregelung. Das ist keine neue Situation, doch sie erlangt durch den Klimawandel neue Brisanz. Wie viele andere Regionen der Arktis wird Spitzbergen durch die Erderwärmung und das Schmelzen des Eises leichter zugänglich – und damit wird der Archipel auch für die Erschließung von Rohstoffen interessant.

Rohstoffe im Schelfmeer

Welche Rohstoffe gibt es auf Spitzbergen? Auf dem Festland selbst ist für die Energiewirtschaft nicht viel zu holen. Schon in den 1970er Jahren hatten Firmen dort Bohrungen durchgeführt; nennenswerte Funde gab es nicht. Und doch interessieren sich Forschung und Industrie für die Gesteine auf dem Festland: Denn die Inselgruppe Spitzbergen besteht aus Sedimenten, die einst tief in der Erde lagen und nun an der Erdoberfläche sind. Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass in diesen Sedimenten einst Energierohstoffe vorhanden waren, die mittlerweile entwichen sind. Man muss sich die Inselgruppe Spitzbergen jedoch vorstellen wie die Spitze eines Eisbergs. Im Süden der Inseln, in der Barentssee, setzen sich die Gesteinsmassen unter der Meeresoberfläche fort.

Interessant für die Energiewirtschaft ist vor allem das flache Schelfmeer im Süden der Inselgruppe Spitzbergen. --- DW-Grafik: Per Sander

Interessant für die Energiewirtschaft ist vor allem das flache Schelfmeer im Süden der Inselgruppe Spitzbergen.

"Es handelt sich um ein sehr flaches sogenanntes 'Schelfmeer', bevor es in die Tiefsee geht. Und diese Schelfmeere sind immer interessante Gebiete für Erdöl", sagt der Geologe Karsten Piepjohn von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe. Ein flaches Meer erleichtert es bei Bohrungen, den Meeresgrund zu erreichen. In dem Schelfmeer südlich von Spitzbergen vermuten die Forscher ähnliche Sedimente wie an Land. Da diese Sedimente jedoch hier in großer Tiefe verschlossen sind, vermuten sie, dass dort große Mengen an Energierohstoffen zu finden sein könnten. Und über dieses Seegebiet mit seinem potentiellen Rohstoffvorkommen wird diskutiert. Grund dafür: Ein über neunzig Jahre alter Vertrag zwischen 40 Nationen.

Karsten Piepjohn. Quelle: privat

Geologe Karsten Piepjohn: "Schelfmeere sind interessante Gebiete für Erdöl."

Diskussionsgrundlage: Ein Vertrag aus einer anderen Zeit

Nach Ende des Ersten Weltkriegs unterzeichneten Norwegen und andere Länder den sogenannten "Spitzbergenvertrag". Darin erhielt Norwegen die uneingeschränkte und ungeteilte Souveränität über den Archipel. Das heißt, Norwegen verwaltet Spitzbergen. Allerdings beinhaltet der Vertrag eine Einschränkung, die sogenannte "Nichtdiskriminierungsklausel". Sie legt, vereinfacht gesprochen, fest, dass alle Unterzeichner auf der Insel das machen dürfen, was Norwegen macht. Da Norwegen seit langer Zeit auf Spitzbergen Kohle abbaut, dürften das, rein theoretisch, auch alle anderen Mitgliedsländer – auch wenn nur Russland von diesem Recht Gebrauch macht.

Warum ein über 90 Jahre alter Vertrag über viel Geld entscheidet und wer im Meer vor Spitzbergen Steuern auf Rohstoffe erheben könnte, lesen Sie im zweiten Teil.

Die Redaktion empfiehlt