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Myanmar

Rohingya-Flüchtlinge wollen gegen Armee kämpfen

Viele Männer in den Flüchtlingslagern in Bangladesch sind nicht bereit, sich mit ihrem Schicksal abzufinden. Sie wollen zurück nach Myanmar - um dort gegen die Armee zu kämpfen.

Vor rund zwei Wochen war Mohammad Ayub vor der Gewalt in einer Heimat im Unions-Staat Rakhine in Myanmar über die Grenze nach Bangladesch geflohen. Wie viele andere seiner Leidensgenossen ist er bereit, in seine Heimat zurückzukehren – und sich dort den bewaffneten Aufständischen der sogenannten Arakan Rohingya Salvation Army (ARSA) anzuschließen. Er wolle gegen die Soldaten kämpfen, die ihn und seine Familie aus ihrer Heimat vertrieben hätten, sagt der Angehörige der muslimischen Rohingya-Volksgruppe der DW. 

"Wenn die ARSA mir militärische Ausbildung anbietet und mir Waffen gibt, dann mache ich bei denen mit", sagt der 20-Jährige im Flüchtlingslager in Leda südlich von Cox's Bazar. Er sei glücklich, dass die "Salvation Army" auf den Plan getreten ist und für sein Volk und dessen Rechte kämpfe. "Wir sind vom Militär Myanmars lange genug unterdrückt worden. Sie haben uns alle unsere Rechte und Freiheiten genommen", sagt Mohammad Ayub.

Bangladesch - Rohingya Flüchtlinge am Cox Bazar (DW/A. Hoekstra )

Flüchtlingslager könnten Keimzelle einer neuen Aufstandsbewegung werden

Flucht vor Greueltaten der Armee

Seine Einstellung wird von vielen der über 400.00 Flüchtlinge geteilt, die laut UN-Angaben in den vergangenen vier Wochen  aus Myanmar geflohen sind. Laut UN-Generalsekretär Antonio Guterres  spielt sich dort eine "lehrbuchmäßige ethnische Säuberung" ab. Auslöser für das jüngste systematische Vorgehen des Sicherheitskräfte gegen die Rohingya war ein konzertierter Überfall der Kämpfer von ARSA auf rund 30 Armee- und Polizeiposten im Rakhine-Staat von Myanmar, bei dem zwölf Sicherheitskräfte getötet wurden. Im Zuge der Vergeltungsmaßnahmen der Armee wurden ganze Dörfer niedergebrannt und mindestens 1000 Angehörige der Rohingya getötet.

Flüchtlinge, die es nach Bangladesch geschafft haben, berichten von wahllosen Erschießungen und von Vergewaltigungen. "Die Soldaten kamen in unser Dorf und trieben alle jungen Männer, die sie finden konnten, zusammen. Dann führten sie die Männer in den Dschungel, wo sie erschossen wurden", berichtet etwa Sodu Mia, der hinter der Grenze an einem kleinen Marktplatz in einem improvisierten Lager lebt. Der 45-jährige Bauer erzählt, er habe sich im Dschungel versteckt und nach Einbruch der Dunkelheit nach Überlebenden gesucht. Mit den wenigen, die er finden konnte, habe er sich zu Fuß auf den Weg nach Bangladesch gemacht, so Mia. Auch er sagt, er sei bereit, zurückzugehen, um gegen die Armee zu kämpfen.

Bangladesch Rohingyas im Flüchtlingslager Cox's Bazar (Reuters/D. Siddiqui)

Überleben im Flüchtlingslager um zurückzukehren zu kämpfen

"Bereit zum Kampf für unsere Rechte"

Die anderen Männer, die sich hier eine notdürftige Behausung zurechtgezimmert haben, stimmen Mia zu: "Wir sind ein Volk von Bauern und Fischern, aber wir haben auch Rechte. Und wir sind bereit zu kämpfen, um unsere Rechte zu verteidigen", sagt einer. Die Kämpfer von ARSA hatten erstmals im Oktober 2016 einen Angriff auf mehrere Grenzposten durchgeführt, wobei neun Polizisten getötet wurden. Für die Regierung war schnell klar, dass hier "Terroristen" am Werk waren, die gnadenlos verfolgt werden mussten.

Die International Crisis Group (ICG) warnte in einem Bericht vom vergangenen Dezember vor dem Entstehen einer "neuen muslimischen Aufstandsbewegung" in Myanmar. Die Führer von ARSA - die Gruppe nannte sich zuvor Harakah al-Yaqin, Bewegung des Glaubens, seien zum Teil in Saudi-Arabien aufgewachsen und hätten Kampferfahrung in Afghanistan und Pakistan gesammelt. Sie haben aber laut ICG ihre Wurzeln im Rohingya-Volk und seien nicht mit internationalen Terror-Netzwerken wie Al-Kaida oder dem "Islamischen Staat" (IS) verbunden. Dass sie keine Terroristen, sondern Kämpfer für die Rechte des Rohingya-Volkes seien, verkünden die ARSA-Führer auch in ihren Video-Botschaften.

Und es scheint, dass der Aufruf zum Kampf in den Flüchtlingslagern auf zunehmende Resonanz stößt: "Die Soldaten der Regierung haben unsere Kinder getötet und unsere Frauen geschändet. Deshalb wollen wir uns wehren", sagt Mia. Und ein weiterer Rohingya-Flüchtling, Amam Ullah, betont: "Wenn wir Ausbildung und eine Waffe bekommen, werden wir für unsere Rechte kämpfen."

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