Ridley Scotts neuer Film ″Alles Geld der Welt″ | Filme | DW | 29.11.2017
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Filme

Ridley Scotts neuer Film "Alles Geld der Welt"

Mit "Alien" und "Blade Runner" schuf er Kultfilme. Der Brite Ridley Scott ist einer der erfolgreichsten Regisseure der letzten Jahrzehnte. Sein jüngstes Projekt "All the Money in the World" startet jetzt in den USA.

"Ich habe Dinge gesehen, die ihr Menschen niemals glauben würdet." Vielleicht ist das der berühmteste Satz aus all den berühmten Filmen des Regisseurs Ridley Scott. Ein Satz aus dem Munde eines künstlichen Menschen im Angesicht des Todes. Gesagt hat ihn der charismatische Replikant Roy Batty gegenüber einem Roboter-Jäger, der vielleicht selbst ein künstlicher Mensch ist: Rutger Hauer versus Harrison Ford. Das Finale von Ridley Scotts drittem Spielfilm "Blade Runner" ist heute noch, 35 Jahre nach seiner Uraufführung, sehr präsent in den Augen und Ohren eines jeden Kinogängers.

In 40 Jahren drehte Ridley Scott eine Handvoll Meisterwerke

"Blade Runner" zählt zweifellos zu den Meisterwerken dieses Regisseurs, der beim Fernsehen und in der Werbung sein Handwerk lernte und sich erstmals mit 40 Jahren auf den Regiestuhl setzte. 40 Jahre Kindheit, Jugend, erste Arbeitserfahrungen und viele Erfolge in der Werbung. Plus 40 Jahre Spielfilm-Regie in Großbritannien und Hollywood - macht zusammen 80. So alt wurde der Brite am 30. November, und man mag es eigentlich nicht glauben, so präsent ist er mit seinen Filmen immer noch, mehrere neue Regie-Projekte sind in der Pipeline.

Ridley Scott beim Dreh zu seinem vorletzten Film Alien: Covenant (picture-alliance/Everett Collection/Twentieth Century Fox)

Ridley Scott beim Dreh zu seinem vorletzten Film "Alien: Covenant"

Dass ein Mann in diesem Alter noch Heerscharen von Statisten, Technikern, Schauspielern und Filmhandwerkern jeglicher Couleur zu dirigieren vermag, ist schon eine Leistung an sich. Seine jüngsten Filme, "Alien: Covenant", "Der Marsianer" und "Exodus: Götter und Könige" waren ja alles andere als ruhige Alterswerke. Sie boten all das, wofür dieser Regisseur berühmt ist: große Ausstattung und exquisite Tricktechnik, Stars in Hülle und Fülle, Filme eben, die zu überwältigen wissen, allein durch ihre optische Brillanz und Fülle.

Sir Ridley Scott ist in Hollywood einer der ganz Großen

Scott ist Brite, geboren in South Shields, einer kleinen Hafenstadt im Nordosten Englands. Inzwischen darf er sich Sir nennen, 2003 wurde er von der Queen zum Ritter geschlagen. Da gehörte er in Hollywood längst zum Regieadel, an der Kasse waren manche seiner Filme Kassen-Hits. Ein paar kommerzielle Tiefschläge hatte er auch zu verkraften, doch langfristig geschadet hat das seiner Regiekarriere nicht. Eingeprägt in das Gedächtnis der Cineasten hatte er sich aber vor allem mit einer Handvoll Arbeiten, die inzwischen und verdientermaßen das Attribut "Kult" innehaben.

Scott beim Dreh von Exodus: Götter und Könige (picture alliance/AP Photo/K. Brown)

Erklärt den Kinozuschauer immer visuell opulent die Welt: Scott beim Dreh von "Exodus: Götter und Könige"

"Blade Runner" gehört dazu, "Alien" natürlich auch, aber auch Werke wie "Thelma & Louise" und "Gladiator" haben dem Regisseur Einträge in die Geschichtsbücher des Kinos eingebracht. Man hat Scott vorgeworfen, er setze in seinen Filmen zu sehr auf Überwältigung durch Ausstattung und Filmbauten, ausgedehnte Kamerafahrten und Statistenheere. Dadurch hätten seine Werke eine allzu perfekte Hülle, in denen sich nichts Menschliches mehr regen könne.

Pauline Kael: "Scott ist ein visueller Hypnotiseur"

"Als kalt und post-human gelten Scotts Filme wohl auch, weil sie oft Figuren in den Mittelpunkt rücken, die menschliche Gefühle kaum verstehen", schrieb ein deutscher Kritiker anlässlich von Ridley Scotts 80. Geburtstag. Der Begriff des "Post-Humanen" stammt von der bekanntesten US-amerikanischen Filmkritikerin Pauline Kael, die den Regisseur einmal auch als "visuellen Hypnotiseur" bezeichnete.

Ridley Scotts Film Ein gutes Jahr mit Marion Cotillard und Russel Crowe (picture alliance/kpa)

Seltener Ausflug in die leichte Unterhaltung: Scotts Film "Ein gutes Jahr" mit Marion Cotillard und Russel Crowe

Da ist natürlich etwas dran. Bei manchen von Scotts Werken hat der Zuschauer nach Ende des Films das Gefühl, zwei Stunden hypnotisiert gewesen zu sein - ohne sich recht erinnern zu können, um was es denn nun alles gegangen ist. Das betrifft aber nur die weniger geglückten Arbeiten des Briten. In seinen besten Filmen hat Scott sein handwerkliches Können traumwandlerisch zu verbinden gewusst mit einer erzählerischen Dichte und visionären Kraft.

Scott schnitt Kevin Spacey aus seinem neuen Film raus

Ob das nun auch in seinem aktuellen Werk "Alles Geld der Welt", der Entführungsgeschichte von John Paul Getty III, der Fall sein wird, bleibt abzuwarten. In Deutschland startet der Film erst Mitte Februar. Premiere feierte Scotts neues Epos am 21.12. zunächst in Griechenland, Israel und in Italien. Am 25.12. kommt er dann in die US-Kinos. Für mächtig Wirbel hat "Alles Geld der Welt" trotzdem schon im Vorfeld der Premiere gesorgt, wurde die Rolle des J. Paul Getty doch nach Ende der Dreharbeiten noch einmal ganz neu erfunden.

 Kevin Spacey, Christopher Plummer: (picture-alliance/AP Photo)

Vorher Kevin Spacey, jetzt Christopher Plummer: der Besetzungstausch für "Alles Geld der Welt"

Weil der Darsteller Gettys, Kevin Spacey, wegen Anschuldigungen sexueller Belästigung offenbar nicht mehr tragbar war für die große Hollywood-Produktion, wurden die Szenen mit Spacey herausgeschnitten und mit einem neuen Darsteller (Christopher Plummer) komplett nachgedreht. Ob sich Ridley Scott damit einen Gefallen getan hat, ist fraglich. Nun bringt er einen Spielfilm ins Kino, seinen inzwischen 41., der wieder einmal zeigt, dass das Kino zu erstaunlichen Volten fähig ist.

"Alles Geld der Welt" mit Christopher Plummer muss sich an den Kassen beweisen

Eine Kunstfigur ist durch eine andere Kunstfigur ersetzt worden. Der Zuschauer, der "Alles Geld der Welt" jetzt in den Kinos sieht, wird Kevin Spacey sicherlich vor Augen haben. Wie hätte er die Rolle interpretiert? Da wird der verdiente Regisseur Ridley Scott nichts dran ändern können. Die Phantasie der Zuschauer wird ihm ein Schnippchen schlagen. Das Publikum wird Dinge sehen, die so eigentlich nicht vorgesehen waren.

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