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Wirtschaft

Rezessionsangst: FED senkt Zinsen auf 3,5 Prozent

Mit der größten Zinssenkung in der jüngeren Geschichte hat die US-Notenbank ein dramatisches Signal an die weltweit verunsicherten Finanzmärkte gesendet. An der Wall Street bewirkte der Schritt zunächst keine Trendwende.

Schilder an der New Yorker Börse, Quelle: AP

Lichtblick an der New Yorker Börse?

Mit einem deutlichen Zinsschnitt von gleich 0,75 Prozentpunkten reagiert die US-Notenbank auf die wachsenden Konjunkturrisiken in der weltweit größten Volkswirtschaft. Der Offenmarktausschuss der Federal Reserve beschloss am Dienstag (22.1.2008), den Leitzins von 4,25 auf 3,5 Prozent zu senken. Die Notenbank machte in ihrer Pressemitteilung zudem deutlich, dass sie die Auswirkungen auf den Finanzmärkten auf die wirtschaftlichen Aussichten "weiter genau beobachten und rechtzeitig in der notwendigen Weise handeln" werde.

Notenbankchef Ben Bernanke

Der US-amerikanische Notenbankchef Ben Bernanke

Eine derart massive Zinssenkung gab es in den USA noch nie an einem einzigen Tag. Mit einem Zinsschritt von mindestens 0,50 Punkten war allgemein für den 30. Januar gerechnet worden. Notenbankchef Ben Bernanke und seine Kollegen hatten die Märkte bereits zuvor mit deutlichen Warnungen vor konjunkturellen Risiken auf eine Zinssenkung eingestimmt.

Die Wall Street ist am Dienstag nach Handelsstart trotz der Zinssenkung sofort deutlich ins Minus gedreht. Der Leitindex Dow Jones verlor 2,8 Prozent, der technologieorientierte Nasdaq büßte mit einem Minus von 4,9 Prozent deutlich stärker ein.

Mitten in der Krise

US-Finanzminister Henry Paulson, Quelle: AP

US-Finanzminister Henry Paulson sieht alles auf Kurs

Die US-Währungshüter begründeten den Schritt mit schwächeren Aussichten für die Wirtschaft und zunehmenden Wachstumsrisiken. Außerdem wiesen sie auf die hartnäckige Finanzmarktkrise hin. Die Marktkonditionen hätten sich weiter verschlechtert und die Kreditbedingungen für einige Haushalte und Unternehmen seien ungünstiger geworden. Neueste Daten wiesen zudem darauf hin, dass der Abschwung am Immobilienmarkt noch nicht ausgestanden sei. Außerdem schwäche sich die Lage am Arbeitsmarkt ab.

Damit senkte die FED ihren Leitzins seit dem Sommer angesichts der zuspitzenden Krise auf dem Kredit- und Häusermarkt um insgesamt 1,75 Prozentpunkte.

US-Finanzminister ist zuversichtlich

Eingang Wall Street, Quelle: AP

Wie reagiert die Wall Street?

US-Finanzminister Henry Paulson begrüßte die Entscheidung der FED als "konstruktiv". Der Schritt zeige, dass die Fed "flink ist und schnell reagieren kann". Der Finanzminister äußerte sich trotz der Immobilien- und Kreditkrise zuversichtlich über den Zustand der US-Wirtschaft. "Die Struktur der Wirtschaft ist gut fundiert, die Langzeit-Aussichten sind gesund", sagte Paulson.

Die FED steht im Einklang mit dem Kurs von US-Präsident George W. Bush, der in der vorigen Woche ein riesiges Konjunkturpaket angekündigt hat, das bis zu 145 Milliarden Dollar ausmachen soll.

Merkel: Europa gut gewappnet

Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht Europa trotz des Ausverkaufs an den Börsen gut gegen einen Konjunktureinbruch in den USA gewappnet. Es gebe in Deutschland und Europa keine Anzeichen für eine Rezession, sagte sie am Dienstag in Berlin: "Europa gilt als ein Stabilitätsanker in der Weltwirtschaft."

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird nach den Worten von Merkel ihre Geldpolitik unabhängig von der Zinsentscheidung der US-Notenbank festsetzen. "Das ist eine Entscheidung, die für den amerikanischen Bereich getroffen wurde." Ziel sei es, die Konjunktur dort zu stabilisieren. Die EZB treffe ihre Entscheidungen unabhängig davon.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy kündigte an, kommende Woche bei einem Treffen mit Merkel sowie den Regierungschefs von Großbritannien und Italien Vorschläge für mehr Transparenz an den Finanzmärkten machen. Der Vorsitzende der Euro-Finanzminister, Jean-Claude Juncker, erklärte, trotz der Turbulenzen erwarte er keinen globalen Börsencrash. (kas)

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