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Asien

"Resistenter Malaria-Stamm stellt erhebliche Bedrohung dar"

Ein mit herkömmlichen Medikamenten nicht mehr behandelbarer Malaria-Erreger verbreitet sich in Südostasien, wie eine aktuelle Studie belegt. Die Autorin der Studie, Elisabeth Ashley, erklärt, was man dennoch tun kann.

Die neue Studie der Universität Oxford belegt, dass der Malaria-Erreger Plasmodium falciparum gegen das effektivste Malariamedikament, Artemisinin, resistent ist. Das gilt allerdings nur für Südostasien. Plasmodium falciparum in Afrika ist mit Artemisinin nach wie vor gut behandelbar. Es besteht nun aber die Gefahr, dass sich der resistente Erreger von Südostasien über Myanmar, Bangladesch und Indien bis nach Afrika ausbreitet, sagt Elizabeth Ashley, die die Studie geleitet hat, im DW-Interview.

Deutsche Welle: Wie groß ist die Bedrohung durch den resistenten Malaria-Erreger?

Elizabeth Ashley: Der resistente Erreger hat sich in Südostasien so weit verbreitet, dass die weltweite Malaria-Kontrolle bzw. Malaria-Bekämpfung gefährdet ist. Die Bedrohung ist gewaltig. Beim letzten Mal als Resistenzen gegen das Mittel Chloroquin aufgetreten sind, ist die Kindersterblichkeit in Afrika sprunghaft angestiegen. Sollte der Artemisinin-resistente Erreger Afrika erreichen, müssen wir davon ausgehen, dass die Mortalitätsrate durch Malaria erneut steigen würde.

Was macht die Krankheit so gefährlich?

Obwohl es erhebliche Fortschritte im Kampf gegen Malaria gegeben hat - seit 2000 konnten wir etwa 3,3 Millionen Menschen vor dem Tod durch Malaria bewahren - sterben immer noch mehr als 627.000 Menschen jährlich an der Krankheit. Am schwersten betroffen sind Kinder unter fünf Jahren aus Afrika. Nur eine kleine Zahl der Opfer ist auf resistente Erreger zurückzuführen. Normalerweise sterben die Menschen an Plasmodium Falciparum, weil die Krankheit zu spät diagnostiziert wird.

Forscher haben außerdem herausgefunden, dass eine Verbreitung der Krankheit wahrscheinlicher ist, je länger die Bekämpfung der Infektion dauert - denn die Patienten kommen erst nach einiger Zeit in das Stadium, in dem sie Moskitos erneut mit dem Erreger infizieren. Die neue Variante aus Südostasien ist aufgrund seiner Langlebigkeit besonders gefährlich. Sie verbreitet sich stärker.

Was kann man tun, um sich gegen den neuen Erreger zu schützen?

Es gelten die gleichen Regeln wie bei allen anderen Malaria-Erregern: Entscheidend ist eine frühe Diagnose und eine Behandlung, die mit den ersten Symptomen beginnt, wenn die Menschen in Regionen leben, wo Malaria weit verbreitet ist. Außerdem sollten die Menschen erneut medizinische Hilfe aufsuchen, wenn die Symptome nach einer Behandlung wiederkehren. Moskitonetze helfen, schützen aber nicht immer. Moskitos in Südostasien etwa stechen vor allem am frühen Abend.

Wie kann eine Medikamentenresistenz entstehen?

Die führenden Theorien gehen davon aus, dass resistente Malaria-Parasiten durch falsche oder unsachgemäße Behandlung entstehen. Nicht regulierter Medikamenteneinsatz, die Verabreichung von Artemisinin ohne Kombination mit anderen passenden Anti-Malaria-Medikamenten und die besonderen genetischen Voraussetzungen des Malaria-Erregers aus Westkambodscha haben wahrscheinlich zu seinem Entstehen beigetragen.

Ein Malaria-Patient in Thailand (Foto: PORNCHAI KITTIWONGSAKUL/AFP/Getty Images)

Mehr als 600.000 Menschen sterben pro Jahr an Malaria.

Wie schätzen Sie das Risiko einer Verbreitung über Südostasien hinaus ein?

Artemisinin-resistente Erreger breiten sich inzwischen innerhalb Myanmars aus. Sollten Sie Indien und Bangladesch erreichen, dann ist es fast unmöglich, eine Verbreitung nach Afrika zu verhindern. Dass es uns nicht gelungen ist, die Ausbreitung in Westkambodscha einzudämmen, lässt mich zu dem Schluss kommen, dass uns die Zeit davonläuft. Es besteht dringender Handlungsbedarf, um die Verbreitung von Myanmar in die Nachbarländer Bangladesch und Indien aufzuhalten.

Was ist dafür notwendig?

Eine Eindämmung ist nur möglich, wenn es ein politisches Engagement auf hoher Ebene gibt. Die Resistenz gegen Artemisinin stellt eine Bedrohung für alle Länder dar, in denen Malaria weit verbreitet ist - und nicht nur für die Länder, die bereits gegen den resistenten Parasiten kämpfen müssen.

Idealerweise sollten alle Länder zusammenarbeiten und eine Eliminierung des resistenten Erregers bzw. ultimativ der Krankheit selbst anstreben - ein Ansatz, wie er bei Polio verfolgt wurde. Natürlich ist die Aussicht Malaria ganz zu besiegen noch sehr weit entfernt. Es werden ganz neue Ansätze versucht werden müssen, um die resistente Malaria eindämmen zu können. Dazu könnten Maßnahmen gehören wie die Untersuchung ganzer Völker und deren Behandlung. Unser wachsendes Verständnis über molekulare Marker sollte eine derartige Überwachung einfacher machen und es sollte möglich sein, die resistenten Erreger schneller und einfacher aufzuspüren. Dadurch würden dann auch Interventionen gezielter und effektiver.

Elizabeth Ashley ist leitende Wissenschaftlerin der Mahidol Oxford Tropical Medicine Research Unit in Bangkok und hat die Studie geleitet.

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