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Fokus Osteuropa

Republika Srpska entschuldigt sich

Über neun Jahre nach dem Massaker von Srebrenica hat die Regierung in Banja Luka erstmals eingeräumt, dass dort eine Tragödie stattgefunden hat. Rund 8000 bosnische Muslime kamen zu Tode.

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Die Regierung der Republika Srpska hat am Mittwoch (10.11.) an die Hinterbliebenen der Opfer des Massakers von Srebrenica vom Juli 1995 eine Entschuldigung gerichtet. Dort habe sich "ein Verbrechen großen Ausmaßes" abgespielt, heißt es in der Erklärung. Sie signalisierte ihre Bereitschaft, die Täter, die für dieses Verbrechen verantwortlich sind, vor Gericht zu bringen und fügte hinzu, dass "kein Verbrechen, unabhängig davon, wer es begangen hat, ungesühnt bleiben darf."

In der Erklärung, die auf der Internetseite der Regierung der Republika Srpska (RS) veröffentlicht wurde, betont sie, dass sie "im Schmerz der bosnisch-muslimischen Opfer gedenkt, die bei der Offensive der serbischen Streitkräfte auf Srebrenica umgekommen sind," und drückt "ihre Trauer aus über die Tragödie, die sich in diesem Gebiet abgespielt hat".

Späte Entschuldigung

Das Srebrenica-Massaker werde in der Republika Srpska offiziell bis heute nicht als "Völkermord" bezeichnet. Wenn aber nicht jeder vor seiner eigenen Türe kehre und die Sache durch einen echten rechtstaatlichen Prozess aufkläre, „wird und kann es nicht zur Versöhnung der Menschen kommen, die in der RS und in Bosnien-Herzegowina leben", sagte gegenüber DW-RADIO der Pressesprecher der Regierung, Goran Radivojac.

Auf die Frage, warum diese Entschuldigung gerade jetzt, fast zehn Jahre nach der Tragödie erfolgt, sagte Radivojac: "Offensichtlich gab es von Anfang an nicht genug Mut und Entschlossenheit von einzelnen Mitgliedern der Kommission zur Untersuchung der Ereignisse von Srebrenica, die Arbeit ernst zu nehmen.“ Es habe der Intervention des Hohen Repräsentanten bedurft und erst danach habe die Kommission gute Resultate geliefert und ihren Bericht vollendet.

Keine offizielle Erklärung von Premier Dragen Mikerevic

Die Art und Weise, in der der Bericht über die Webseite der Regierung veröffentlicht wurde, lässt jedoch genug Raum für Spekulationen. Warum erfolgte keine öffentliche Erklärung des Premierministers, Dragan Mikerevic, wie es der Präsident Dragan Cavic getan hatte? Die Beobachterin Tanja Topic von der Friedrich-Ebert-Stiftung hegt Zweifel an der Ehrlichkeit der Entschuldigung. Ihr zufolge hätte sich Premier Mikerevic an die Öffentlichkeit wenden und sich entschuldigen müssen - wie es Cavic getan hat. „Ich stehe auf dem Standpunkt, dass die Anerkennung der Verbrechen sehr spät gekommen ist", meint Tanja Topic. "Aber es ist die Voraussetzung für normale Beziehungen, dass sich die serbische Öffentlichkeit mit den Verbrechen auseinandersetzt, die in ihrem Namen begangen wurden."

Bislang kaum Reaktionen in der Republika Srpska

Die Öffentlichkeit in Banja Luka hat die Entschuldigung bislang fast gar nicht kommentiert und ihr wurde in den Medien auch nur sehr wenig Platz eingeräumt. Die Entschuldigung selbst wurde in der führenden Zeitung "Glas Srpske" nur in einer knappen Nachricht erwähnt. Den Reaktionen darauf wurde eine knappe halbe Seite eingeräumt. Die einzigen, die die Entschuldigung kommentieren wollten, waren Vertreter des Verbandes der ehemaligen Lagerinsassen. Sie betonen, dass die Entschuldigung der Regierung abgenötigt worden sei. "Srebrenica wird erst jetzt wirklich für Ermittlungen geöffnet, und es wird sich zeigen, wer wirklich umgekommen ist und wer Verbrechen an unschuldigen Zivilisten begangen hat", sagte Slavko Jovicic, Sprecher des Verbandes, gegenüber DW-RADIO.

Stanko Smoljanovic, Banja Luka

DW-RADIO/Bosnisch, 11.11.2004

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