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Politik

Regierungssoldaten im Osten Kongos vertrieben

Im Osten des Kongo sind Regierungssoldaten auf der Flucht vor den Rebellen. Der Verlauf der Fronten wird immer unübersichtlicher. Bei den Vereinten Nationen wird weiter über eine Truppenverstärkung diskutiert.

Kongolesische Regierungssoldaten tragen Granaten auf dem Kopf (ap)

Vielerorts auf dem Rückzug vor den anstürmenden Rebellen: Die Soldaten von Kongos Präsident Kabila

"Diese Soldaten sind Feiglinge. Sie laufen nur weg, vergewaltigen, brandschatzen und plündern dann in den Städten", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters den Anführer der Mai-Mai-Milizen, Sikuli Lafontaine. Demoralisierte Truppen der Demokratischen Republik Kongo sollen sich am Dienstag (18.11.2008) überstürzt vor den anrückenden Tutsi-Rebellen zurückgezogen haben. Augenzeugen berichteten, sie hätten sich auf der Flucht sogar wieder Kämpfe mit den bisherigen Verbündeten der Mai Mai geliefert. Diese hätten aber offenbar versucht, einen Vorteil aus dem Chaos zu ziehen und Waffen der Regierungseinheiten zu stehlen.

Armeechef abgesetzt

Präsident Joseph Kabila hatte am Montag den Generalstabschef der Streitkräfte, Dieudonne Kayembe, entlassen und zunächst durch den Marinechef Didier Etumba Longomba ersetzt. Als Begründung wurden die wiederholten Niederlagen gegen die Aufständischen unter dem abtrünnigen General Laurent Nkunda genannt.

Dessen Haltung blieb weiterhin widersprüchlich. Einerseits kündigten die Rebellen an, sich an zwei Frontabschnitten im Osten der Nord-Kivu-Provinz zurückzuziehen. In die entstehenden Pufferzonen sollten UN-Friedenstruppen einrücken und in einem "humanitären Korridor" neue Hilfstransporte absichern. Andererseits setzten die Nkunda-Kämpfer ihren Vormarsch fort. Bei Kanyabayongo, rund 130 Kilometer nördlich der Provinzhauptstadt Goma, gingen die Gefechte weiter.

Warten auf mehr UN-Soldaten

Blauhelm-Soldat mit Waffe im Anschlag auf Patrouille in Goma (ap)

Soldaten der Vereinten Nationen zwischen den Fronten

Die 17.000 Mann starke UN-Friedenstruppe MONUC soll um rund 3.100 Soldaten aufgestockt werden. Dies geht aus dem neuen französischen Entwurf einer UN-Resolution hervor, der bei den Vereinten Nationen in New York kursiert. Der Blauhelm-Einsatz im Kongo ist schon jetzt die größte UN-Mission überhaupt. Über die Notwendigkeit ihrer Ausweitung besteht im Sicherheitsrat weitgehendes Einvernehmen. Doch selbst bei einer schnellen Verabschiedung der Resolution könnte ihre Umsetzung Monate dauern.

Bundespräsident Horst Köhler rief die europäischen Staaten auf, sich mit eigenen Soldaten an dem UN-Einsatz zu beteiligen. Der Westen dürfe dem Morden nicht länger tatenlos zusehen, so Köhler bei einer Veranstaltung des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" in Mainz.

Prozess gegen Milizenführer

Milizenführer Thomas Lubanga vor Gericht (ap)

Milizenführer Lubanga soll ab Januar der Prozess gemacht werden

Der Internationale Strafgerichtshof machte jetzt den Weg frei für den Beginn des ersten Prozesses im Januar. Dann soll gegen den kongolesischen Milizenführer Thomas Lubanga verhandelt werden, der von 2002 bis 2003 Kindersoldaten im Osten des Kongos eingesetzt haben soll.

Der Milizenführer ist der erste Verdächtige überhaupt, der wegen der Rekrutierung von Kindersoldaten vor ein internationales Gericht kommt. Er wies alle Vorwürfe zurück. (sc)

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