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Saudi-Arabien

Reformer und Hardliner: Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman

"MBS" wird er genannt oder "Mr. Everything". Er ist der Lieblingssohn des Königs und hat alle Aussichten, bald vollständig die Macht zu übernehmen. Doch die Rolle, die Mohammed bin Salman in Riad spielt, ist zwiespältig.

Für die jungen, smarten Unternehmensberater von McKinsey etwa oder der Boston Consulting Group (BCG) ist Riad, die Hauptstadt Saudi-Arabiens, längst eine erste Adresse. Reich, schön, dynamisch - na gut, auch etwas konservativ und eher nicht so demokratisch. Aber das hat im Business ja noch nie groß gestört.

"Vision 2030" heißt ein Konzept, dass jene Anzugträger für die Führung Saudi-Arabiens zusammengestellt haben. Wie schafft es das Königreich, den Schritt in die neue Welt zu vollziehen und unabhängiger vom Öl zu werden? Wie kann der staatliche Ölkonzern Aramco privatisiert werden? Und vor allem: Wie kann man neue Einnahmequellen und Arbeitsplätze für die saudische Bevölkerung finden?

Mohammed bin Salman, gerade 32 Jahre alt geworden, ist die treibende Kraft des Projekts. Ihm haben die McKinsey- und BCG-Consultants ihre Powerpoint-, Excel- und anderen Charts präsentiert. Manchmal nach 20 Uhr am Abend oder gelegentlich mitten in der Nacht, wie das in diesen Dingen gut unterrichtete "Manager Magazin" zu berichten wusste. Das Projekt hilft  dem Prinzen, sich als Reformer zu profilieren.

Die Machtfülle von "MBS"

Seit dem 20. Juni 2017 vereint "MBS", wie man ihn in Riad nach seinen Initialen nennt, eine bislang nicht gekannte Machtfülle. An diesem Tag gab der 81-jährige, gesundheitlich angeschlagene König Salman bekannt, dass er die Thronfolge zu ändern gedachte. Anstelle seines Neffen Mohammed bin Naif (58) ernannte der Monarch seinen Sohn zum Thronfolger. Der Neffe und damit der ganze Familienzweig hatten sich mit diesem Schicksal abzufinden. Widerspruch? In Saudi-Arabien eher keine Handlungsoption.

Saudi Arabien moderne Menschen (picture alliance/JOKER/K. Eglau)

Eine Shopping Mall in Riad: Der Kronprinz will das Königreich weiter modernisieren

Den Einfluss, den der Lieblingssohn seitdem besitzt, ist - je nach Blickwinkel - beängstigend oder beeindruckend. Die Karriere wirkt gut geplant: Zunächst wurde er als Gouverneur von Riad zum Sonderberater des damaligen Kronprinzen und heutigen Königs ernannt, dann wurde er Chef des Hofes und erlangte damit Ministerrang. Als sein Vater König wurde, rückte der Sohn auf den Posten des Verteidigungsministers. Eine zentrale Rolle, die Mohammed bin Salman weiterhin ausfüllt.

Gleich mehrere Fronten beschäftigen seitdem den Mann, über den "Die Zeit" einmal schrieb, dass er als "extrem korrupt, raffgierig und arrogant" gelte. Da ist die Dauerfehde mit dem Iran. Den Modernisierungen in Teheran traut bin Salman nicht über den Weg. "Das Regime wird seine Einstellung nicht über Nacht ändern", sagte er über die Ideologie des Nachbarstaates. Dass auch Saudi-Arabien wegen seiner extrem konservativen Staatsreligion, des Wahhabismus, international in der Kritik steht, ficht den Kronprinzen nicht an. Der Iran unterstützt zudem den syrischen Machthaber Baschar al-Assad, den Saudi-Arabien gerne beseitigen möchte.

"Niemand will, dass dieser Krieg weitergeht"

Und die vielleicht noch wichtigere Front für den Machthaber des saudischen Militärs ist der Jemen. Vor zwei Jahren hat sich das Königreich entschlossen, militärisch in den Konflikt im Nachbarland einzugreifen - doch hat es damit bislang weder für sich selbst noch für die sunnitisch geprägte jemenitische Führung unter Präsident Abed Rabbo Mansur viel erreicht. Die schiitischen Huthi-Rebellen erweisen sich für die Militärkoalition, die Saudi-Arabien anführt, als hartnäckiger Gegner.

Saudi Arabien - Kronprinz Mohammed bin Salman (picture-alliance/abaca/Balkis Press)

Unter Generälen: der Befehlshaber bei einer Lagebesprechung zum Jemen-Konflikt

"Niemand will, dass dieser Krieg weitergeht", sagte Mohammed bin Salman Anfang Mai in einem Interview mit dem Nachrichtensender Al-Arabija. Allein: Eine Möglichkeit, den Konflikt zu befrieden oder gar ohne Waffengewalt zu beenden, haben die Saudis nicht. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch sprach jüngst von Kriegsverbrechen, willkürlichen und rücksichtslosen Angriffen auch durch die Kampfjets, die aus Riad geschickt wurden. Guido Steinberg, Nahost-Experte von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), schrieb imBerliner "Tagesspiegel" über den Kronprinzen, zu befürchten sei, das "seine aggressive Außenpolitik Konflikte in der Region verschärft". 

Saudi Arabien Trump und König Salman bin Abdulaziz Al Saud (picture alliance/AA/B. Algaloud)

Der Vater: König Salman, hier beim Treffen mit US-Präsident Donald Trump im Mai, ist inzwischen 81 Jahre alt

Bei alldem hat der Befehlshaber an sich wenig internationale Erfahrung; er studierte islamische Rechtswissenschaften in Riad. Was man über Mohammed bin Salman persönlich weiß: Er hat eine Frau und vier Kinder. Dass nun unter seiner Ägide die historische Entscheidung möglich wurde, Frauen das Autofahren im Königreich zu erlauben, sollte nicht über die insgesamt restriktive Politik in dem streng islamisch-konservativen Land hinwegtäuschen.

Freiheit ist nur ein Traum: Raif Badawi

So muss zum Beispiel noch immer ein männlicher Vormund - meistens der Vater, Ehemann oder Bruder - erlauben, dass eine Frau studieren oder reisen darf. Und noch immer haben Menschenrechte in Saudi-Arabien wenig Bedeutung. Der seit 2012 inhaftierte Blogger Raif Badawi kann - ungeachtet aller internationaler Bemühungen - von Freiheit nur träumen. So weit geht die Reformfreude beim Kronprinzen dann doch nicht.

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