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Amerika

"Redundanzen" bei US-Geheimdiensten

Zu dem am Montag (19.07.2010) erschienenen Bericht der "Washington Post" über die US-Geheimdienste äußerte sich nun das US-Verteidigungsministerium. Es räumte "Redundanzen" bei der Organisation der Geheimdienste ein.

Stempel mit der Aufschrift Top Secret

Kommt häufig zum Einsatz - der "Top-Secret"-Stempel

Portrait von US-Verteidigungsminister Robert Gates (Foto: AP/Manuel Balce Ceneta)

Hat viel zu tun - Robert M. Gates

Verteidigungsminister Robert M. Gates sagte in einem Interview mit der "Washington Post", dass der Geheimdienstapparat seit den Terroranschlägen so angeschwollen sei, dass sogar der CIA-Chef und er selbst nur schwer den Überblick behalten könnten. Man müsse sich fragen, ob man nicht mehr als nötig habe, so der Verteidigungsminister. Nach einer Überprüfung der Geheimdienste im letzten Jahr erklärte der pensionierte Generalleutnant John R. Vines, die Vielschichtigkeit des Systems spotte jeder Beschreibung. Allerdings wies das Verteidigungsministerium darauf hin, dass Doppelstrukturen oft beabsichtigt seien. Zudem habe es seit dem 11. September 2001 keine gravierenden Terroranschläge mehr gegeben.

"Ich werde nicht lange genug leben, um über alles unterrichtet zu werden"

Das US-Verteidigungsministerium Pentagon aus der Luft(Foto: AP /US Air Force, Andy Dunaway)

Pentagon: Hier laufen viele Fäden zusammen - aber nicht alle

Die Vereinigten Staaten von Amerika verfügen über 16 Spionagebehörden mit einem geschätzten Jahresetat von rund 40 Milliarden Dollar. Nach dem Bericht der "Washington Post" gibt es in den USA insgesamt 1.271 staatliche Organisationen und 1.931 Privatfirmen, die sich mit der Terrorbekämpfung, der inneren Sicherheit und dem Sammeln von geheimem Material beschäftigen. Sie seien auf rund 10.000 verschiedene Standpunkte im gesamten Land verteilt. 854.000 Mitarbeiter gelten als "Top-Secret"-Geheimdienst-Mitwisser. Wie die Zeitung schreibt wurden sie alle vor ihrer Beschäftigung genauestens überprüft und haben nun Zugang zu Dokumenten der höchsten Sicherheitsstufe. Rund 50.000 Berichte würden pro Jahr erstellt, viele davon aber gar nicht erst gelesen. Zwei Drittel des gesamten Geheimmaterials fließe im US-Verteidigungsministerium zusammen. Doch laut "Washington Post" gibt es dort nur eine Handvoll Mitarbeiter, die Einblick in alle Unterlagen haben darf. Sie werden "Super User" genannt. Einer von ihnen wird mit dem Satz zitiert: "Ich werde nicht lange genug leben, um über alles unterrichtet zu werden."

Geheimdienste blockieren sich gegenseitig

Das mehrere Meter große CIA-Logo auf dem Boden wird von einem Mitarbeiter gereinigt (Foto: EPA/DENNIS BRACK/BLACKSTAR/POOL)

Der Geheimdienst CIA - einer von vielen

Während es in vielen Bereichen heißt "Konkurrenz belebt das Geschäft", sieht es im Fall von Geheimdiensten laut Experten genau andersherum aus. Dort blockiere sich Konkurrenz eher gegenseitig. Raymond Tanter, ein ehemaliger Mitarbeiter im Sicherheitsstab des Weißen Hauses sieht denn auch eher die Gefahr, dass gegeneinander gearbeitet wird: "Wenn man 16 Sicherheits- und Geheimdienste unter den Dächern von verschiedenen Organisationen und Ministerien hat, ist Rivalität vorprogrammiert." Diverse Geheimdienstpannen sind innerhalb kurzer Zeit an die Öffentlichkeit gelangt. So gab es in den letzten sieben Monaten zwei Anschlagsversuche in den USA, auf die die Geheimdienste nicht vorbereitet waren. Angeblich waren sie von dem versuchten Autobombenanschlag auf dem New Yorker Times Square im Mai dieses Jahres völlig überrascht worden. Auch der missglückte Anschlag auf ein US-Passagierflugzeug über Detroit Weihnachten 2009 zeigte Sicherheitslücken auf. Präsident Barack Obama verlangte daraufhin drastische Reformen.

"Top Secret America"

Zwei Jahre lang haben rund 20 Journalisten der "Washington Post" an dem dreiteiligen Bericht über die US-Geheimdienste gearbeitet. Der erste Teil ist am Montag (19.07.2010) unter dem Titel "Top Secret America" erschienen.

Autor: Marco Müller (dpa, afp, ap)
Redaktion: Anne Herrberg

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