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Kultur

Rechtschreibregeln weltweit

Die deutsche Rechtschreibreform bewegt die Sprachhüter. Doch auch andere Länder haben mit veränderten Schreibregeln zu ringen. Zum Teil - wie bei Englisch, Spanisch oder Portugiesisch - über Staatsgrenzen hinweg.

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Schreiben will gelernt sein - aber was ist richtig?

In China gibt es seit 1954, fünf Jahre nach der kommunistischen Machtübernahme, ein Problem der Rechtschreibung. Damals veröffentlichte der Staatsrat die erste Liste der vereinfachten Schriftzeichen (Kurzzeichen), die dann auch in Schulen und im öffentlichen Leben statt der Langzeichen verwendet werden sollten.


Heute können nur noch wenige Chinesen traditionelle Langzeichen schreiben. Die meisten können sie aber aus dem Textzusammenhang lesen und verstehen. Durch das wirtschaftliche Zusammenwachsen von China, Hongkong und Taiwan werden seit einigen Jahren immer mehr Langzeichen reimportiert. Viele Hotelschilder sind damit geschrieben, was die Regierung in Peking nicht gern sieht. In Singapur werden dagegen die gleichen Kurzzeichen wie auf dem chinesischen Festland verwendet. Auch bei den Sinologen weltweit haben sich die Kurzzeichen durchgesetzt.

21 Staaten im spanischsprachigen Raum

Für die spanische Sprache wird die Rechtschreibung durch die Akademie der spanischen Sprache ("Real Academia Espanol" - RAE) geregelt. Das Wörterbuch der RAE wird in Zusammenarbeit mit 21 nationalen Sprachakademien herausgegeben und ist verbindlich für den ganzen spanischsprachigen Raum (Argentinien, Bolivien, Chile, Costa Rica, Dominikanische Republik, Ecuador, El Salvador, Guatemala, Honduras, Kolumbien, Kuba, Mexiko, Nicaragua, Panama, Paraguay, Peru, Philippinen, Puerto Rico, Uruguay, die USA und Venezuela).

Eine allgemeine Rechtschreibreform hat es in den vergangenen Jahren weder gegeben, noch ist sie geplant. Einzelne Wörter werden laufend angepasst, zum Beipiel "carné" statt des französischen Wortes "carnet" oder "güisqui" statt "Whiskey".

"Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder"

Portugiesisch ist in acht Ländern die offizielle Sprache (Angola, Brasilien, Guinea-Bissau, Kap Verde, Mosambik, Osttimor, Portugal, São Tomé und Príncipe) und somit - mit rund 220 Millionen Sprechern - eine der meistverbreiteten Sprachen der Welt. Portugiesisch verfügt nicht über eine einheitliche Orthographie, so veröffentlichen beispielsweise die Vereinten Nationen ihre Unterlagen in zwei Versionen.

Seit 1986 gibt es Bemühungen um eine Vereinheitlichung. Ein entsprechendes Rechtschreibungsabkommen wurde bereits im Dezember 1990 von der Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder (CPLP) verabschiedet. Seitdem harrt es der offiziellen Einführung – wegen fehlender Ratifizierung in einigen der Länder. Beim jüngsten Gipfeltreffen der CPLP-Länder Ende Juli 2004 sind die Staatschefs zu einer Übereinkunft gekommen, wonach das Rechtschreibungsabkommen nach einer noch festzulegenden Übergangszeit in allen CPLP-Ländern in Kraft treten soll. Das Abkommen lässt jedoch bei gewissen eingeführten Vokabeln weiterhin zwei verschiedene Schreibweisen zu.

Umfassendes russisches Regelwerk

Die russische Rechtschreibung wird von einem hohen akademischen Gremium behütet. Nach der Vereinfachung des russischen Alphabets 1918 wurde in den 1930er-Jahren eine akademische Kommission gegründet, die 1956 ein umfassendes Regelwerk herausgegeben hat. Seitdem beschäftigt sich eine Rechtschreibkommission am Institut für Russische Sprache der Akademie der Wissenschaften mit allen Änderungen und der Klärung von Streitfällen. Die Webseite www.gramota.ru ist die wichtigste Adresse für Fragen zur russischen Rechtschreibung. Allerdings entwickelt sich, wie auch in den anderen Sprachen, im Internet ein eigener russischer Sprachritus.

Neue Regeln? Im Englischen kein Thema

Weder die USA noch Großbritannien haben offizielle, staatliche Behörden, die mit der "Deutschen Gesellschaft für Sprache" oder der "Académie Française" vergleichbar wären. Generell werden Debatten über die Entwicklung der englischen Sprache nur unter Fachleuten geführt. Die Öffentlichkeit zeigt an solchen Diskussionen wenig Interesse. Rechtschreib-Reformen gibt es nicht.

Was es gibt, sind natürlich auch im Englischen Standardwerke, die mit dem deutschen Duden vergleichbar sind. In den USA blättern Studenten und andere Schreibwütige in erster Linie im "Columbia Guide to Standard American English" oder im "Chicago Manual of Style". Engländer schlagen häufig in "The New Fowler's Modern English" nach. Antworten auf sehr knifflige Fragen zur englischen Rechtschreibung sind allerdings eher im "Oxford English Dictionary" oder in "Webster's Dictionary" zu finden.

In der Vergangenheit gab es durchaus Versuche, eine Gesellschaft zu gründen, die sich offiziell mit der Entwicklung - und Bewahrung - der englischen Sprache befassen sollte. Jedoch schlugen sämtliche Versuche fehl. Selbst die berühmten Dichter Daniel Defoe und Jonathan Swift wollten eine "English Academy" ins Leben rufen - vergeblich. Heute wird Englisch in so vielen, auf der ganzen Welt verteilten Ländern gesprochen, dass wahrscheinlich niemand von neu-aufgestellten Regeln einer "Academy" Notiz nehmen würde.

Es gibt allerdings vereinzelte Organisationen, denen die reine, englische Sprache sehr am Herzen liegt. So zum Beispiel die "Plain English Campaign". Ihr geht es hauptsächlich darum, die englischsprachige Bevölkerung aufzurufen, Umgangssprache zu vermeiden. Viel Einfluss hat diese Organisation allerdings nicht. (kap)

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