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Kultur

So ist's recht

Niemand, der mit der deutschen Sprache zu tun hat, kommt am Duden vorbei. Pünktlich zum 175. Geburtstag seines Namensgebers, Konrad Duden, am 3. Januar 2004 flammt eine alte Debatte wieder auf: Wie schreibt man richtig?

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Wer weiß, wo man suchen muss, wird auch fündig

Wer sich nicht sicher ist, wie ein bestimmtes Wort im Deutschen geschrieben wird, wie die Mehrzahl heißt oder der Genitiv, der schlägt "im Duden" nach. Seit 1902 hat "der Duden" seinen festen Platz auf unzähligen Schreibtischen. Der Sprachwissenschaftler und Lehrer Konrad Duden gilt als Schöpfer der deutschen Einheitsrechtschreibung. Ihm ging es um eine möglichst einfache, leicht erlernbare Rechtschreibung. Sein "Vollständiges Orthographisches Wörterbuch der deutschen Sprache" ist - mit einigen höchst kontrovers diskutierten Abänderungen und Neuerungen - bis heute anerkanntes Standardwerk.

Widerstand gegen die Ordnung

Dudens Ansatz war ein ganz pragmatischer: Er wollte mit seinem Wörterbuch kein neues Regelwerk erfinden, sondern ein einheitliches Gerüst für die Rechtschreibung schaffen. "Schreibe, wie du sprichst", war das Prinzip. Denn Konrad Duden lebte in einer Zeit, in der die Verwirrung auf dem Gebiet der Orthografie erheblich größer war als heute. Jedes Amt, jeder Verlag, oft sogar jedes Gymnasium hatte seine eigenen Hausregeln. Die Preußen schrieben anders als die Sachsen, die Hamburger anders als die Bayern. Also stellte Duden Regeln zur deutschen Rechtschreibung zusammen und schuf in akribischer Fleißarbeit ein erstes Regel- und Wörterverzeichnis, das 1872 in Leipzig erschien.

Doch auf der ersten Orthografischen Konferenz 1876 zur "Herstellung größerer Einigung in der deutschen Rechtschreibung" scheiterten Konrad Duden und seine Mitstreiter am Einspruch des Reichskanzlers Otto von Bismarck gegen die Einheitsrechtschreibung. Dreißig Jahre später, auf einer Konferenz in Berlin, wurden seine Vorschläge von den Kultusministern der deutschen Bundesstaaten und Österreichs dann doch akzeptiert und 1902 per Bundesratsbeschluss als verbindlich für alle deutschen Länder erklärt. Österreich und die Schweiz schlossen sich an.

Immer noch Streit um die Schreibung

28.000 Stichwörter hatte die 1. Auflage des Duden und kostete eine Mark. Dank des Booms der Druckereien und Lektorate mit einem enormen Schub für Printprodukte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde das Wörterbuch bereits kurz nach seinem Erscheinen ein Bestseller. "Konrad Duden hat mit seinem schmalen Werk den Nerv der Zeit getroffen. Sein Erfolg war kein Zufall", meint der heutige Leiter der Duden-Redaktion beim Bibliographischen Institut & F.A. Brockhaus AG, Matthias Wermke. Inzwischen umfasst der Duden 120.000 Wörter und ist in seiner 22.Auflage erschienen. 20 wissenschaftliche Mitarbeiter und etwa zehn externe Kräfte, die sich auch um die Sprachberatung per Hotline kümmern, betreuen derzeit den deutschen Wortschatz in der Duden-Redaktion. Und wie zu Dudens Zeiten wird heftig gestritten über die Sprache - insbesondere seit der Einführung der Rechtschreibreform 1998.

"Kein schöneres Geburtstagsgeschenk könnten wir Konrad Duden machen, als das Rechtschreibchaos wieder zu beenden", erklärte der Schriftleiter der Zeitung "Deutsche Sprachwelt", Thomas Paulwitz. "Die einheitliche Rechtschreibung ist eine wichtige Voraussetzung für die Ausbildung der Lesekompetenz." Durch die Einführung der Rechtschreibreform seien jedoch unterschiedliche Ausprägungen der Reform entstanden: Die Nachrichtenagenturen und auch einige Verlage hätten nur einen Teil der neuen Regeln übernommen, Zeitungen wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" seien sogar bei der klassischen Schreibweise geblieben oder nachträglich zu ihr zurückgekehrt. Nur die Schulen und Behörden mühten sich, alle Regeln der Rechtschreibreform zu beachten. (arn)

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