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Kultur

Reaktionen zur Verhaftung Sentsovs

Der ukrainische Regisseur Oleg Sentsov ist offenbar vom russischen Geheimdienst verhaftet worden. Der Vorwurf lautet: Planung eines Terroraktes. Europäische Filmschaffende fordern seine sofortige Freilassung.

Nur wenig ist bislang bekannt über den Fall Oleg Sentsov. Der 37-jährige Regisseur soll am 11. Mai auf der Krim verhaftet worden sein – vom russischen Geheimdienst FSB. Ihm werde laut Medienberichten vorgeworfen, einen Terroranschlag geplant zu haben. Es drohen zehn Jahre Haft. Sentsov, geboren in Simferopol auf der Krim, ist in Deutschland kein Unbekannter. Vor zwei Jahren lief sein Film "Gaamer" auf mehreren Festivals, unter anderem auf dem goEast-Filmfestival in Wiesbaden, das vor allem Filme aus Mittel- und Osteuropa zeigt. Sein aktueller Film "Rhino" war bereits in Planung, doch die Dreharbeit mußten auf Grund der Ereignisse in der Ukraine verschoben werden. Finanziert wird der neue Film auch vom Medienboard Berlin-Brandenburg, das auf seiner Website zur Solidarität mit Sentsov aufruft.

Sentsov beteiligte sich an Demonstrationen

Menschen mit ukrainischen Flaggen auf dem Maidan (Foto: EPA)

Ukraine: Proteste auf dem Maidan-Platz im März 2014

Sentsov gilt als aktiver Unterstützer der pro-europäischen Bewegung in der Ukraine und ist immer wieder zu

Demonstrationen auf dem Maidan

nach Kiew gefahren, um gegen Janukowitsch und die Annexion der Krim zu protestieren. Die juristische Verteidigung Sentsovs soll Dmitri Dinse übernommen haben, der schon die Putin-kritische Band Pussy Riot als Anwalt vertreten hat. Sentsov soll inzwischen nach Moskau ausgeflogen worden sein, teilte die

European Film Academy (EFA)

mit. Die Institution vertritt die Filmindustrie in ganz Europa und fordert die sofortige Freilassung des Regisseurs. Die Meinungsfreiheit sei ein "essentieller Grundwert jeder demokratischen Gesellschaft".

Wenders: "Wir können das Bewusstsein mit Bildern beeinflussen"

Wim Wenders (Foto: DW/Christina Ruta)

Derzeitiger EFA-Präsident: der Regisseur Wim Wenders

Präsident der EFA ist der deutsche Regisseur Wim Wenders. Er zeigt sich angesichts der Verhaftung des Regisseurs ratlos. "Im Moment sind wir traurig und auch verzweifelt, weil uns hier die Hände gebunden sind. Was soll man von hier aus machen, außer zur Freilassung aufzurufen?", sagte er gegenüber der DW. "Wir können uns natürlich keine Kalaschnikows umschnallen und losziehen. Wir können auch nur Filme machen und das Bewusstsein mit Bildern beeinflussen. Wir sind keine Politiker." Dennoch glaubt Wenders, dass die Stimme der EFA Gewicht habe und auch in Russland gehört werde.

Andriy Khalpakchi, der künstlerische Direktor des Molodist International Film Festivals, das jährlich in Kiew stattfindet, findet dagegen deutliche Worte und vergleicht Putins Russland mit Stalins Russland. "Ältere Menschen verstehen das, weil es unter Stalin das Gleiche war: jemand konnte nachts an der Tür klopfen und ohne Durchsuchungsbefehl Leute mitnehmen", sagte Khalpakchi der DW.

Sinkevych: "Er hat für die Wahrheit gekämpft"

Julia Sinkevych (Foto: Michael Buckner/Getty Images)

Julia Sinkevych vom Odessa International Film Festival

Julia Sinkevych, Vorstandsmitglied des ukrainischen Odessa International Film Festivals, beschreibt Sentsov als einen sehr ruhigen Menschen, der großartige Filme gemacht habe und sehr talentiert sei. "Ich denke, seine einzige Schuld ist, dass er für die Wahrheit gekämpft hat", sagte sie am Rande des Filmfestivals in Cannes im Gespräch mit der DW. Es gäbe keinen wirklichen Grund für seine Verhaftung. Sinkevych vermutet, dass man andere Protestierende mit einem solchen Vorgehen einschüchtern wolle. "Die Situation ist nicht mehr in unseren Händen", kritisiert die Ukrainerin. "Das ist ein seltsames politisches Spiel. Ich kann nur hoffen, dass keine weiteren Personen mehr festgenommen werden und dass die Ukraine wieder ein friedliches Land wird."

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