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Asien

Reaktionen aus Asien auf Obamas Wahlsieg

In Asien ist die Wiederwahl Obamas weitgehend positiv aufgenommen worden. Ein Wechsel im Weißen Haus wurde nach Ansicht von Beobachtern in keiner der Hauptstädte als wünschenswert betrachtet.

Die chinesische Bevölkerung habe mit dem Wahlsieg Obamas gerechnet, sagte Professor Liu Xuecheng vom Chinesischen Institut für Internationale Studien gegenüber der Deutschen Welle. Seine Wiederwahl sei positiv für beide Länder. "Chinas führende Politiker kennen Obama jetzt vier Jahre lang. Wir kennen seine Außenpolitik, seine China-Politik, und wir kennen seine Art, Politik zu machen." Durch die Kontinuität im Amt sei es für China und die USA einfacher, weiterhin zusammenzuarbeiten, so Liu Xuecheng. Obwohl eine Reihe von Problemen im bilateralen Verhältnis fortbestünden, dürften diese Beziehungen stabil bleiben. Ein Wahlsieg Romneys hätte hingegen einen "Neustart" dieser Beziehungen erforderlich gemacht, so die Analyse des chinesischen Politikwissenschaftlers.

Verbundenheit mit Indonesien

Obama nahm 2010 eine Auszeichnung für das soziale Engagement seiner verstorbenen Mutter in Indonesien entgegen (Foto: AP)

Indonesien will seine speziellen Beziehungen zu Obama pflegen.

In Indonesien, in dessen Hauptstadt Jakarta Obama einige Jahre seiner Kindheit verbracht hat, ist der Präsident äußerst populär. In seiner ersten Amtszeit legte Obama großes Gewicht auf gute Beziehungen zu dem südostasiatischen Inselstaat mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit. Indonesische Beobachter hoffen auf eine Fortsetzung dieses "privilegierten" Status in den Außenbeziehungen der USA während Obamas zweiter Amtszeit.

Nach Ansicht von Philips J. Vermonte vom Zentrum für Strategische und Internationale Studien in Jakarta haben die USA sich vor Obama mit Indonesien nur im Kontext des "Krieges gegen den Terrorismus" beschäftigt. Das habe sich mit dem Amtsantritt Obamas 2009 geändert, als die USA begonnen hätten, Indonesien auch auf anderen Gebieten als Partner zu betrachten. "Die Amerikaner erkennen Indonesien jetzt als Führungsmacht in Südostasien an", so die Einschätzung Vermontes, der hinzufügt, dass das demokratische Indonesien mit den USA mehr Werte teile als mit vielen anderen Ländern der Region.

Auch in Myanmar haben pro-demokratische Parteien und Aktivisten den Wahlsieg Obamas begrüßt. Sie setzen darauf, dass dadurch der politische Reformprozess im Lande weitere Impulse erhält.

Schwieriger Partner Pakistan

Ehemaliges Versteck von Osama bin Laden in Abbotabad Pakistan (Foto: dpa)

Obamas Befehl zur Tötung Bin Ladens in seinem Haus in Abbottabad belastet das pakistanisch-amerikanische Verhältnis

Im Gegensatz zu Obamas Popularität in den Ländern Südost-Asiens ist sein Verhältnis zu den muslimischen Ländern Süd-Asiens schwieriger. Auch dort wurde seine Wahl 2009 als erster afro-amerikanischer US-Präsident mit großen Erwartungen begrüßt. In Afghanistan und Pakistan sah man in Obama den charismatischen Politiker, der andere Themen als den "Krieg gegen den Terror" ansprechen würde. Vor allem in Pakistan erhofften sich die meisten einen Neuanfang nach George W. Bush, der als den Muslimen wenig freundlich gesonnen empfunden wurde. Vor allem der massive Drohneneinsatz gegen Terroristen im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet mit seinen unvermeidlichen zivilen Opfern hat diese Sympathiewerte aber sehr schnell ins Gegenteil kippen lassen.

Farooq Sulehria, in London ansässiger Beobachter Pakistans, sagt weiterhin schwierige Beziehungen seines Heimatlandes mit den USA während Obamas zweiter Amtszeit voraus. "Ich sehe nicht, dass es zu einer tiefgreifenden Wende zum Besseren in den pakistanisch-amerikanischen Beziehungen kommen wird. Vor allem, weil Pakistan nicht zu einer Korrektur seiner Afghanistan-Politik bereit ist, und die steht im Widerspruch zu Obamas Zielen in der Region." Andererseits sehen Experten wie Wirtschaftswissenschaftler Shahram Azhar aus dem amerikanischen Amherst die Wiederwahl Obamas als einen "Glücksfall für die demokratischen Elemente in Pakistan." Die Obama-Regierung werde die pakistanische Zivilregierung weiterhin gegenüber der mächtigen Armeeführung stützen, ist sich Shahram Azhar sicher.

Blockade im Atomstreit mit Iran

Was Pakistans anderen Nachbarn im Westen, Iran, betrifft, so stehen die bilateralen Beziehungen ausschließlich im Zeichen des Atomkonflikts. Ob es in der zweiten Amtszeit Obamas zu bilateralen Gesprächen kommen wird, über die bereits im vergangenen Oktober spekuliert wurde, hängt vor allem von den inner-iranischen Entwicklungen ab. Der Teheraner Politikwissenschaftler Faja Zahed meint, vor dem Ende der Amtszeit Ahmadineschads im Juni 2013 würde sich wegen der Konfrontation zwischen Irans Präsident einerseits und geistlicher Führung andererseits nichts bewegen.

Afghanische Erwartungen

Vater und Sohn bei einem Haufen Weizen in Afghanistan (Foto: AP)

Auch die Landwirtschaft in Afghanistan braucht Aufbauhilfe

In Afghanistan schließlich wird Obamas Wahlsieg zumindest von Abgeordneten zurückhaltend positiv aufgenommen. So lobte der Abgeordnete Shagul Rezaie gegenüber der Deutschen Welle, dass viele Netzwerke und Ausbildungszentren der Extremisten in Obamas erster Amtszeit zerstört worden seien. Auch hätten die USA Druck auf Länder ausgeübt, die Extremisten in Afghanistan unterstützten. Er hoffe, so Rezaie, dass die internationale Gemeinschaft unter Führung Obamas ihre Zusagen für die weitere Unterstützung Afghanistans einhalten werde.

Konkretere Erwartungen hat Wader Safi, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Kabul, an die zweite Amtszeit Obamas: Erstens, verstärkte Bemühungen, noch vor dem Abzug der NATO-Truppen mit den Taliban am Verhandlungstisch zu Ergebnissen zu kommen, zweitens, die Einbindung Pakistans in solche Verhandlungen, drittens, Aufbauhilfe für die - außer beim Mohnanbau - brachliegende Landwirtschaft Afghanistans.

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