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Pressestimmen

Reaktionen auf Spitzentreffen: "Peinlich" und "unbehaglich"

Eine Szene geht um die Welt: Donald Trump, der Angela Merkel den Handschlag verweigert - oder sie einfach nicht hört? In der internationalen Presse ist man sich uneinig. Für Merkel hingegen gibt es einhellig Lob.

"Peinlich" und "unbehaglich" - diese beiden Wörter nutzten viele Kommentatoren am Tag nach dem Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel bei US-Präsident Donald Trump in Washington.

Grund für diese Einschätzung ist vor allem eine rund 25-sekündige Situation im Oval Office während eines Fototermins: Angela Merkel blickt suchend zu Trump und fragt: "Wollen Sie einen Handschlag?". Die Frage bleibt unbeantwortet.

Das Treffen der beiden Spitzenpolitiker sei eine "unbehagliche Begegnung" gewesen, bei der die Körpersprache der beiden Beteiligten Bände gesprochen habe, schreibt die britische Tageszeitung "The Times" am Tag danach.

Das US-Magazin "Politico" zieht den direkten Vergleich zu der Begegnung Trumps mit dem japanischen Staatsoberhaupt Shinzo Abe Anfang Februar: "Präsident Donald Trump, der damit Schlagzeilen machte, als er mit Japans Ministerpräsident vor Reportern ganze 19 Sekunden lang die Hände schüttelte, schien die deutsche Kanzlerin Angela Merkel zu ignorieren."

Auch die nationalistische Tageszeitung Global Times in Peking erinnerte sich an vergangene Treffen Trumps und verglich die Fotos der Besuche des japanischen Premierministers Abe und des kanadischen Premiers Justin Trudeau - beiden gab Trump im Oval Office die Hand - mit dem von Angela Merkel. Der chinesische Kommentator zeigt sich erstaunt darüber, wie der US-Präsident die Bundeskanzlerin behandelte.

Die kolumbianische Zeitung "El Tiempo" zählte zudem, wie oft die Kanzlerin in der besagten Situation den Blickkontakt zu Trump suchte, ganze 16 Mal. "Die Situation wurde umso unbehaglicher, als dass die Journalisten den Händedruck verlangten, Merkel darauf hinwies und Trump abweisend so tat, als würde er sie gar nicht hören."

Alarabiya: "Zwischen den beiden herrscht Kälte"

Der saudische Sender "Alarabiya" mit Sitz in Dubai ist sich wie die Kolumbianer sicher, dass Trump Merkel seine Hand mit Absicht nicht gegeben hat und misst der Szene eine tiefere Bedeutung bei: "Zwischen den beiden herrscht offensichtliche Kälte. Der Grund ist vielleicht die Position der Kanzlerin gegenüber Trumps Einreisestopp", so der Kommentator des arabischen Senders.

In Russland griffen überwiegend Online-Medien die kuriose Situation auf und wie im Rest der Welt wird das Video von der Szene in den sozialen Netzwerken oft geteilt. Auf der Seite der staatlichen Nachrichtenagentur RIA-Novosti war die Nachricht über den ausgeschlagenen Handschlag über mehrere Stunden auf Platz eins der meistgelesenen Meldungen.

Video ansehen 00:25

Kein Handschlag?

Auch der Blick der Bundeskanzlerin auf Trumps Tochter Ivanka, die bei einer Gesprächsrunde mit den Vorständen deutscher Unternehmen neben ihr saß, findet in vielen Berichten Erwähnung. Russische Medien interpretieren Merkels Blick als Verwunderung über die Anwesenheit von Trumps Tochter, welche kein offizielles Amt im Weißen Haus bekleidet. Ähnlich sahen das am Tag des Treffens auch weltweit zahlreiche Nutzer in den sozialen Medien.

NYT: "Der Zerstörer gegen die Verteidigerin"

Doch ungeachtet dieser Situationen betonen die Kommentatoren einhellig die Bedeutung des Zusammentreffens: Die Begegnung zwischen dem US-Präsidenten und der Bundeskanzlerin sei bisher "die am genauesten beobachtete" in Trumps Präsidentschaft gewesen, schreibt beispielsweise die US-amerikanische Tageszeitung "The New York Times" und fügt hinzu: "Der große Zerstörer tritt der letzten Verteidigerin der liberalen Weltordnung gegenüber".

Ähnlich ordnete die liberale britische Tageszeitung "The Guardian" das Treffen ein: "Angela Merkel, Europas mächtigste, wertebezogene, Flüchtlinge willkommen heißende und Putin widerstehende Spitzenpolitikerin traf endlich Donald Trump, den potenziellen Zerstörer des Westens und der liberalen Demokratie."

Insgesamt wird Angela Merkel für ihre Haltung während des Treffens viel gelobt: Angela Merkel sei die sichtbar erfahrenere Politikerin gewesen, kommentierte die Warschauer Politologin Malgorzata Bonikowska im Polnischen Fernsehsender "TVP". "Merkel sprach frei und äußerte sich sehr klar, während Trump spontan eher unangemessene Kommentare von sich gab, wie etwa den Hinweis auf das Abhören Merkels durch amerikanische Geheimdienste in der Obama-Zeit", so Bonikowska.

USA Merkel und Trump suchen nach gemeinsamer Arbeitsebene | Merkel und Ivanka Trump (picture alliance/dpa/M. Kappeler)

"Was will die hier?" Dieses Foto zeigt Merkels vermeintliche Verwunderung über Ivanka Trump

Marek Ostrowski, langjähriger Auslandschef der liberalen polnischen Tageszeitung "Polityka", sieht sich nach dem Treffen in seinem Eindruck von Trump bestätigt: "Dieser Politiker ist zu impulsiv, ihn steuern schwer erklärbare Emotionen." 

Der britische "The Guardian" fasst es so zusammen: "Hier stieß eine ruhige, bedächtige und passionierte Europäerin mit einem Mann zusammen, dessen Unwissenheit über Außenpolitik bodenlos zu sein scheint und dessen Gehirn in 140 Zeichen langen Ergüssen von Vulgarität und Provokation zu funktionieren scheint."

Insgesamt sei es ein "eiskaltes Treffen" gewesen, schreibt die mexikanische Zeitung "Excelsior". "Ein Treffen, welches die "Meinungsverschiedenheiten in zentralen Themen wie Migration und Handel offenbarte."

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