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Kultur

Raus aus dem Jammertal

Die Zeiten des Wehklagens sind vorbei. Viele Vertreter der deutschen Filmbranche treten bei den Filmfestspielen in Cannes deutlich zufriedener auf als in den Jahren zuvor. Ist Cannes überhaupt noch das Maß aller Dinge?

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Ein Hoch auf den deutschen Film - wenn auch nicht in Cannes

Es gibt zwar viel Kritik am jahrelangen Ausschluss deutscher Filme vom Wettbewerb in Cannes, aber kein Jammern mehr. "Wir sind selbstbewusst", rief die deutsche Staatsministerin für Kultur, Christina Weiss, fast beschwörend beim offiziellen Deutschen Empfang. Auch die Schwächen des an diesem Sonntag (25. Mai 2003) endenden Festivals an der Côte d'Azur scheinen das neue deutsche Cannes-Gefühl zu beflügeln.

Neuer Mut statt trotziger Resignation

Schließlich sind den Organisatoren des Festival-Wettbewerbs in den vergangenen Jahren offensichtliche Fehlgriffe unterlaufen: Tom Tykwers "Lola rennt" etwa schaffte es nicht in die Auswahl, auch Caroline Link wurde ignoriert – dann aber im fernen Hollywood für "Nirgendwo in Afrika" mit einem Oscar gekrönt.

Filmfestival Cannes roter Teppich

Der berühmte rote Teppich

Der Stimmungswandel der Deutschen gegenüber Cannes hat mehrere Gründe: Beispielsweise polierte der Kassenerfolg "Good Bye, Lenin!" die nationale Statistik über die Besucherzahlen deutscher Produktionen auf. Und: Der Film fand bei der Berlinale gleich mehrere internationale Vertriebsfirmen. Überhaupt hat sich die Berlinale unter der Leitung von Dieter Kosslick rasch zu einem anerkannten internationalen Podium für deutsche Produktionen entwickelt. Verglichen mit Cannes in diesem Jahr war auch Berlin das Festival der Superstars. "Unsere Position in Cannes ist gut, weil die Berlinale so stark war", resümiert auch Christina Weiss. "Berlin wird als echte Konkurrenz wahrgenommen."

Das kann Dieter Kosslick, seit zwei Jahren Chef der Berlinale, nur freuen. "Die Deutschen waren hier noch nie so entspannt wie heute", sagte er. Das Berliner Festival habe gezeigt, dass deutsche Filme durchaus mit der Konkurrenz standhalten könnten.

Wenders, Wenders und noch einmal Wenders

Wim Wenders

Wim Wenders

Außerdem haben die Deutschen nach wie vor Wim Wenders zu bieten. Der renommierteste deutsche Filmemacher darf auch in diesem Jahr in Cannes wieder einen Film zeigen – wenn auch außer Konkurrenz. Für "The Soul of a Man" wird Wenders das begehrte Cannes-Siegel "Séléction Officielle" erhalten, und als Jury-Chef richtet er über den besten Debutfilm. Der Düsseldorfer Regisseur – Markenzeichen: dunkle Ray-Ban-Brille – kann auf 15 Festival-Teilnahmen in Cannes zurückblicken und gilt damit als Aushängeschild des deutschen Films.

Nicht zu vergessen ist, dass immerhin zwei deutsche Produktionen in den Nebenschauen des Festivals laufen. Eine davon ist "September". Der jüngste Streifen von "Aimée und Jaguar"-Regisseur Max Färberböcks handelt vom Leben in Deutschland nach den Anschlägen am 11. September 2001. In der Regisseur-Schau "La Quinzaine des Réalisateurs" steht für Deutschland "Kleine Freiheit" von Yüksel Yavuz auf dem Programm.

Unverkrampfte Erzählung

Der Film des kurdischstämmigen Deutschen zeichnet ein hartes Bild dessen, was Yavuz eine "Parallelgesellschaft" nennt: Unbeachtet von den Deutschen kämpfen zwei jugendliche Asylbewerber auf der Reeperbahn in St. Pauli einen aussichtlosen Kampf um Anerkennung. Yavuz glaubt, dass sein Streifen mit buchstäblich "auf der Straße gefundenen" Hauptdarstellern auch im Ausland auf Interesse stoßen kann. In Frankreichs Kino etwa wird das Thema Einwanderung schon viel länger und deutlich lockerer thematisiert.

Dass er die deutschen Farben in Cannes vertritt, findet Yüksel Yavuz aufregend und doch normal: "Ich denke schon, dass ich den deutschen Film repräsentiere, sagt Yavuz selbstbewusst. Sein Selbstbewusstsein scheint sich auf die anderen deutschen Filmleute übertragen zu haben.

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