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Kultur

Premieren, Partys, Palmen

Der Krieg im Irak ist (fast) vorbei, die Lungenseuche SARS (noch) weit weg in Asien: Beste Voraussetzungen also dafür, dass die 56. Filmfestspiele in Cannes wieder zum glamourösen Höhepunkt des Festivaljahres werden.

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Cannes lässt das Kino hochleben

Trotz Ängsten vor einem Terroranschlag strömen Stars, Paparazzi und Fans so zahlreich wie eh und je an die französische Riviera. Die Hotels sind ausgebucht, viele Stars haben ihr Kommen angekündigt, auch die in Cannes berühmt-üppigen Partys sind bereits geplant. Und so spricht nichts dagegen, dass das Filmfest auch diesem Jahr wieder seinen typischen Mix aus intellektuell anspruchsvollem Kino und Hollywood-Rummel bieten wird.

52 Produktionen, 24 Länder

Vom 14. bis zum 25. Mai 2003 konkurrieren 20 Beiträge im Wettbewerb um die Goldene Palme. Insgesamt werden in der "Offiziellen Auswahl" von Programmchef Thierry Fremaux 52 Produktionen aus 24 Ländern gezeigt. Hinzu kommen beim "Weltgipfel des Kinos" noch Dutzende von Filmen in unabhängigen Nebenreihen des Festivals und Hunderte von Vorführungen auf dem Internationalen Filmmarkt.

Für gewaltigen Rummel wird gleich nach der Eröffnung des Festivals die Uraufführung des geheimnisumwitterten "Matrix Reloaded" sorgen. Die Fortsetzung des Blockbusters "Matrix" soll in Cannes den globalen Medienkick zum weltweiten Kinostart bekommen - und damit natürlich auch für jene Bilder sorgen, die das bedeutendste Filmfestival braucht: Menschenmassen und Horden von Kameraleuten und Fotografen werden sich um die "Matrix"-Stars Keanu Reeves, Carrie-Anne Moss und Laurence Fishburne drängen, wenn sie die Stufen zum Palais erklimmen.

Lars von Trier

Lars von Trier nach seiner "Palme d' Or (Goldenen Palme) " für seinen Film "Dancer in the Dark" im Mai 2000.

Mit Spannung erwarten Kritiker auch die neuesten Werke von Lars von Trier und Peter Greenaway. Drei Jahre nach der Goldenen Palme für "Dancer In The Dark" kommt der dänische Provokateur von Trier mit "Dogville" und der Oscar-Preisträgerin Nicole Kidman als Star zurück an den Strandboulevard La Croisette. Mindestens genauso wie dem Film fiebern Freunde des Promi-Klatsches aber einer eventuellen Begegnung von Kidman mit ihrem Ex-Mann Tom Cruise entgegen, der mit seiner Freundin Penelope Cruiz anreist. Cruiz wird als wuschelköpfige Zigeunerin im außer Konkurrenz laufenden Remake des Films "Fanfan la Tulipe" zu sehen sein.

Koffer-Trilogie

Der britische Kinokünstler Peter Greenaway wird mit dem ersten Teil seiner Koffer-Trilogie "The Tulse Luper Suitcase" sicherlich wieder für einiges Rätselraten unter Cineasten sorgen. Kino-Veteran Clint Eastwood, mit 72 Jahren ältester Regisseur in der Konkurrenz, zeigt sein Drama "Mystic River" mit Sean Penn, Tim Robbins und Kevin Bacon.

Gesellschaftliche Themen prägen etliche der Beiträge im Wettbewerb, über dessen Gewinner unter anderem auch Hollywood-Star Meg Ryan als Mitglied der Jury unter dem Vorsitz des französischen Regisseurs Patrice Chereau entscheiden muss. Der Argentinier Hector Babenco ("Der Kuss der Spinnenfrau") beschäftigt sich in "Carandiru" mit der Gewalt in Brasiliens größtem und gefährlichstem Gefängnis. Gewalt an amerikanischen High-Schools ist das Thema von "Elephant" in der Regie von Gus Van Sant ("Good Will Hunting"). Jüngstes Talent in der Konkurrenz ist die 23 Jahre alte Iranerin Samira Makhmalbaf mit "A Cinq heures de l'apres-midi" ("Fünf Uhr nachmittags"), dem ersten Kinofilm, der nach dem Afghanistan-Krieg in Kabul gedreht wurde.

Wenders in Sondervorführung

Deutsche Regisseure sind im Wettbewerb seit 1997 nicht mehr vertreten. Doch seitdem ihnen Dieter Kosslick als Chef der Berlinale jedes Jahr ein großes internationales Festival-Forum bietet, hält sich das Murren über Cannes in Grenzen. In einer Sondervorführung zeigt Wim Wenders seinen neuen Musik-Dokumentarfilm "The Soul of A Man". Nach dem großen Erfolg mit "Buena Vista Social Club" hat er sich auf die Spuren des Blues gegeben.

In der Nebenreihe "Un certain regard" ist "September" von Max Färberböck zu sehen, ein Projekt über die Auswirkungen der Terroranschläge vom 11. September 2001 auf den Alltag in Deutschland. Außer Konkurrenz steht auch der Österreicher Michael Haneke ("Die Klavierspielerin") mit dem Drama "Le temps du loup" ("Die Zeit des Wolfes"). Kulturstaatsministerin Christina Weiss wird das Festival wie ihre Amtsvorgänger für politische Gespräche nutzen und zudem für die heimischen Produktionen im Ausland werben.

Hotel Carlton in Cannes

Das Wahrzeichen: Hotel Carlton in Cannes

Auf der Gästeliste des turbulenten Star-Karussells an der Cote d'Azur stehen auch Oliver Stone und Arnold Schwarzenegger, Lauren Bacall, Charlotte Rampling, Ewan McGregor, James Caan, Monica Bellucci und Toni Collette. Befürchtungen, der traditionell mit viel Prominenz besetzte Wettbewerb könnte durch einen Terroranschlag erschüttert werden, spielen die Organisatoren herunter. Gleichwohl haben sie mehrere tausend Sicherheitsleute engagiert, die neben 600 Polizeibeamten im Einsatz sein werden. Und um Besuchern die Angst vor einer Infektion mit dem SARS-Virus zu nehmen, haben sich Teilnehmer aus Asien bereit erklärt, sich nach der Ankunft in Frankreich einem Gesundheitscheck zu unterziehen.

Leibesvisitationen bei den Stars

Schon im vergangenen Jahr waren die Sicherheitsvorkehrungen so scharf, dass selbst den großen Stars Leibesvisitationen nicht erspart blieben. Der Polizei geht es dabei nach eigenen Angaben auch um die Abschreckung von Dieben, die mit den oft wohlhabenden Festival-Besuchern ebenfalls zahlreich nach Cannes kommen.

Festival-Präsident Gilles Jacob sorgt sich nach eigenen Angaben aber um etwas völlig anderes: Verspätet ankommende Filme und Absagen in letzter Minute. (sams)

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