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Aktuell Europa

Rassismus-Welle nach dem Brexit

Die Zuwanderung nach Großbritannien müsse begrenzt werden - so lautete das Mantra vieler EU-Gegner vor dem Referendum. Nach dem Votum entlädt sich der Hass einiger Rassisten besonders heftig.

Demonstration der English Defence League in Großbritannien (Foto: picture alliance/dpa)

Die islamfeindliche English Defence League macht ihrem Ärger über die Zuwanderung von Muslimen Luft

Seit dem Referendum vor einer Woche habe die Polizei 331 Vorfälle gezählt, die unter die Kategorie "Hassverbrechen" fielen, berichtete die britische Tageszeitung "The Times". Damit hätten sich die Vorfälle mehr als verfünffacht. Zuletzt seien pro Woche durchschnittlich 63 Verbrechen registriert worden, hieß es.

Die Kriminalität richte sich vor allem gegen Migranten, erklärte die Vorsitzende des zuständigen Polizeirats, Sara Thornton. So hätten die Täter ausländische Mitbürger beschimpft, körperlich angegriffen und fremdenfeindliche Kommentare in den sozialen Netzwerken und auf Flugblättern verbreitet. Thornton betonte, die Polizei werde diese Entwicklung im Blick behalten. Bereits in der Vergangenheit habe es nach politischen Entscheidungen einen Anstieg von Hasskriminalität gegeben. Meist hätten sich die Zahlen jedoch schnell wieder auf das vorherige Niveau reduziert.

Appell der Kirche

Unterdessen appellierten führende britische Religionsvertreter - darunter das Oberhaupt der anglikanischen Kirche und der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz - an die britische Gesellschaft, die durch das Brexit-Votum entstandene Unsicherheit nicht zu kompensieren, indem man nach Sündenböcken suche. Angst dürfe nicht dazu führen, Fremden mit Misstrauen und rassistischen Vorurteilen zu begegnen, schreiben die Religionsführer in einem Brief an die "Times". Jeder Einzelne müsse versuchen, die Schuld nicht bei anderen zu suchen.

Proteste gegen Fremdenfeindlichkeit in Großbritannien (Foto: picture alliance/ZUMA Press)

Es geht auch anders: In London demonstrieren Menschen gegen Rassismus

Die seit 2012 ansteigende Migration beeinflusste viele Briten, bei dem Referendum über den Verbleib in der EU mit "Nein" zu stimmen. Das Prinzip der Freizügigkeit erlaubt es allen EU-Bürgern, in der gesamten Union nach Arbeit zu suchen.

Deutliche Worte aus Brüssel

"Das wird sich nicht ändern", stellte Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker in Bratislava klar. Am Rande von Gesprächen mit der slowakischen Regierung betonte Juncker, London müsse alle vier europäischen Grundfreiheiten akzeptieren, wenn es weiter von den Vorteilen des Binnenmarktes profitieren wolle. Soll heißen: Wenn die Briten weiterhin Zugang zum gemeinsamen europäischen Markt haben wollen, dürfen sie die Zuwanderung aus der EU nicht beschränken. Das ist für viele britische Wähler aber eine der Grundvoraussetzungen, die ihre Regierung in den Beratungen mit der EU über ihren Austritt aushandeln soll.

nin/rb (dpa, afp, kna)