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Europa

Hassprediger in London vor Gericht

Der britische Islamist Anjem Choudary muss sich wegen der Rekrutierung von Kämpfern für den sogenannten Islamischen Staat verantworten. Aus London berichtet Samira Shackle.

Es ist das erste Mal, dass

Choudary

offiziell wegen terroristischer Aktivitäten angeklagt wird. In Großbritannien ist er jedoch schon lange wegen seiner kontroversen Äußerungen bekannt. Die Gerichtsverhandlungen sollten zunächst am 12. Januar beginnen, doch sie wurden nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP auf März verschoben. Sie sollen drei bis vier Wochen dauern.

Die Anklage bezieht sich auf zahlreiche Einträge in sozialen Netzwerken zwischen dem 29. Juni 2014 und 6. März 2015. Darin ermutigten Choudary und sein Mitstreiter Mohammed Mizanur Rahman laut Anklage Muslime, dem IS zu folgen und in das von ihm errichtete Kalifat zu reisen. "Choudary war Gründungsmitglied der 1986 ins Leben gerufenen und seit 2006 verbotenen Gruppe 'Al-Muhajiroun'", erklärt Imran Awan, Direktor für Kriminalitätsstudien an der Birmingham City Universität. "Außerdem war er Anführer anderer islamistischen Gruppen wie 'Islam4UK'."

Mit seinen Verbündeten rief Choudary ständig neue Organisationen ins Leben, unter anderem auch die Gruppe 'Muslime gegen Kreuzzüge'. Sie wurde 2011 von der britischen Innenministerin Theresa May verboten.

Großbritannien erhöhte Terrorgefahr Rede Theresa May 24.11.2014 (Foto: REUTERS/ Toby Melville)

Großbritanniens Innenministerin Theresa May warnte bereits im November 2014 vor wachsender Terrorgefahr

Hassprediger und "Fernsehstar"

Nach Einschätzung von Experten baute Choudary seine Aktivitäten im Laufe der Jahre immer weiter aus. "Neben seiner Rolle als prominenter Anführer in Großbritannien dehnte er sein eigenes weltweites Netzwerk von Anhängern und Partnerorganisationen aus", meint Nick Lowles. Er leitet 'Hope not Hate', die größte Anti-Rassismus- und Anti-Extremismus-Bewegung in Großbritannien. Choudary hat seiner Einschätzung nach zur Verbreitung des Islamismus beigetragen. "Er hat einige der bekanntesten Terroristen beeinflusst und europäische und britische Muslime dazu motiviert, für den Dschihad in den Krieg zu ziehen."

Regelmäßig trat Choudary im britischen Fernsehen auf, darunter auch beim BBC-Flaggschiff "Newsnight". Seine

Auftritte

empörten viele britische Muslime, die danach regelmäßig klarstellen mussten, dass Choudary nicht für sie sprach. Der Islamist neigte zu großen Auftritten und haarsträubenden Statements. So marschierte bei einem Gedenken für die Opfer des Ersten Weltkrieges in London 2010 die von ihm gegründete Gruppe 'Muslime gegen Kreuzzüge' vor der Albert Hall auf, verbrannte Mohnblumen und sang "britische Soldaten sollen in der Hölle verbrennen".

Gebet Moschee in London (Bild: Joanna Impey)

Fatale Macht: Choudary überzeugte viele britische Muslime, in den Dschihad zu ziehen

Großes Netzwerk

"Choudary hat über 31.000 Anhänger bei Twitter ", erklärt Kriminalitätsexperte Imran Awan. Doch die virtuelle deckt sich nicht unbedingt mit der realen Anhängerschaft. "Als er für seine Kampagne nach Birmingham kam, schickte ihn die muslimische Gemeinde weg." Jedenfalls soll er zu einer Reihe verurteilter Terroristen Verbindungen gehabt haben. Dazu gehört Michael Adebolajo, der 2013 den britischen

Soldaten Lee Rigby

ermordete. Auch der britische Staatsbürger Abu Rumaysah, der im jüngsten IS-Propaganda-Video mitgewirkt haben soll, ist vermutlich ein enger Vertrauter Choudarys.

Weil er weltweit immer bekannter wurde, sei Choudary in immer extremere und gefährlichere Kreise vorgedrungen, die enge Verbindungen zu internationalen Terrorgruppen unterhielten, erklärt Extremismusexperte Lowles. Dazu gehöre auch Ansar al-Islam, die zu al-Kaida gehörende Gruppe aus dem Nordirak. Im August 2015 erklärte Choudary vor Gericht, dass seine Festnahme und die Anklage "politische Manöver sind, um muslimische Stimmen zum Schweigen zu bringen". Er bestand darauf, sich vor Gericht selbst zu verteidigen.

"Weil die Anti-Terror-Gesetze erweitert und neue Befugnisse durchgesetzt wurden, war es absehbar, dass er irgendwann verhaftet und angeklagt werden würde", meint Awan. "Choudary forderte für sich sogar den Märtyrerstatus, als die Organisation 'Muslime gegen Kreuzzüge' verboten wurde", ergänzt er.

Obwohl Choudary nicht müde wird, die Vorteile eines Scharia-Staates hervorzuheben und laut Ankage Muslime dazu auffordert, Großbritannien zu verlassen und für den Dschihad zu kämpfen, lebt er nach wie vor in Großbritannien. Britische Boulevardblätter betonen immer wieder gerne, dass er staatliche Unterstützung bezieht.

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