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Filme

Randnotiz: Sind wir alle Afrikaner?

Das jedenfalls behauptete Meryl Streep bei einer Pressekonferenz auf die Frage, warum es keinen Afrikaner in der Jury gäbe. Gefundenes Twitter-Futter in den USA. Die deutsche Öffentlichkeit hingegen bleibt gelassen.

US-Schauspielerin Meryl Streep, Jury-Präsidentin der diesjährigen Internationalen Filmfestspiele in Berlin, Foto: REUTERS/Fabrizio Bensch

US-Schauspielerin Meryl Streep, Jury-Präsidentin der diesjährigen Internationalen Filmfestspiele in Berlin

Die Berlinale-Pressekonferenzen sind oft eher schräg als informativ. Die großen Sender und Zeitungen greifen die Stars in Einzelinterviews ab, auf der Massenveranstaltung sammeln sich Journalisten so vielfältig wie das Berlinale-Filmprogramm selbst. Manche Stars reagieren gekonnt und lässig auf noch so absurde Fragen, wie zuletzt Georg Clooney zu dem Eröffnungsfilm "Hail, Caesar!" über die Filmindustrie der 1950er Jahre. Ob er schon einmal einen Kommunisten getroffen hätte, fragte eine Journalistin: "Sind Sie eine? Ist diese ganze Veranstaltung hier sogar voll von Kommunisten?" Und die anwesenden Journalisten lachten.

Meryl Streep hingegen scheint sich auf eine Pressefrage um Kopf und Kragen geredet zu haben. "Warum sind keine Schwarzen in der Jury?", wurde sie bei der Vorstellung der Berlinale-Jury gefragt. Meryl Streep ist Präsidentin des siebenköpfigen, hochkarätigen Gremiums: Schauspieler Lars Eidiger aus Deutschland, Fotografin Brigitte Lacombe aus Frankreich, Schauspieler Clive Owen aus England, Regisseurin Malgorzata Szumowska aus Polen, Schauspielerin Alba Rohrwacher aus Italien und Allrounder Nick James aus England.

#MerylSoAfrican

Berlinale 2016 Premiere Hail, Caesar, Jury-Mitglieder auf dem Roten Teppich, Foto: Aurore Marechal/ABACAPRESS.COM

Frauen in der Mehrzahl: Berlinale-Jury 2016

Divers, aber doch alle weiß. Wie redet man sich da heraus? Meryl Streep gab sich weltoffen: "Was mir aufgefallen ist, ist, dass Menschlichkeit Teil jeder Kultur ist. Ursprünglich stammen wir alle aus Afrika". Setzte dann jedoch noch hinzu: "Wissen Sie, wir sind alle Berliner. Wir sind alle Afrikaner."

Die Verbreitung in den Sozialen Medien beschränkte sich auf die berüchtigte Tweetlänge und damit auf den letzten Satz. Statt einer differenzierten Auseinandersetzung folgte Häme. Unter dem Hashtag "MerylSoAfrican" sammelten sich Witze wie "Und nach der PK fuhr die blonde, weiße Millionärin in ihrem BMW zum veganen Lunch." Andere äußerten ernsthafter ihre Kritik: "Genetisch hat Streep Recht. Politisch und gesellschaftlich nicht." Und manche nahmen sich auch die nötige Zeit: "Meryl Streeps Zitat wurde aus dem Zusammenhang gerissen!"

"Gar nicht mitbekommen"

Meryl Streep, Berlinale-Jury-Präsidentin, und Dieter Kosslick, Berlinale-Chef, bei der Eröffnung, Foto: picture alliance/ZUMA Press

"Berlinale-Hammer" Streep mit Festivaldirektor Kosslick

Die meisten Tweets zirkulierten in den USA. Auch den Medien war die Kontroverse eine kurze Meldung wert. Die deutsche Öffentlichkeit hingegen blieb gelassen. Vielmehr: Sie bemerkte die Äußerung kaum. Ein Artikel über die Jury-Präsidentin in der Berliner Zeitung Tagesspiegel nannte Streep einen "Scoop" des diesjährigen Festivals, einen "Berlinale-Hammer". Fast schon verstört zeigt sich der Autor hinsichtlich der Pressekonferenz - nicht von Streep, sondern von dem Kollegen: Ob der Journalist die Quotenfrage nach fehlenden Schwarzen wirklich ernst gemeint haben kann?

Fragt man bei deutschen Festivalbesuchern, so weiß kaum einer von der vermeintlich skandalösen Bemerkung. "Habe ich gar nicht mitbekommen", so eine häufige Antwort. Und: "Diese Frage hätte man doch eher Leiter Kosslick fragen sollen und nicht die Jury, die über ihre eigene Auswahl nicht entschieden hat." Ein wirklicher Aufreger ist die Aussage wohl nicht.

Vielmehr scheint ein Hollywood-Streitthema über den Atlantik nach Berlin geschwappt zu sein. Seit Bekanntgabe der Oscar-Nominierungen, bei denen kein schwarzer Schauspieler ernannt wurde, wird in den USA kontrovers über Vielfalt in der Filmindustrie diskutiert, unter anderem unter dem Hashtag "OscarsSoWhite".

Diese Kontroverse, die derzeit stellvertretend für die Chancengleichzeit in den USA geführt wird, lässt sich nur bedingt auf die Berlinale übertragen. Das Filmfestival gilt als besonders vielfältig. Die diesjährigen 434 Filme stammen aus 77 Ländern, politische Themen wie Flucht haben einen besonderen Platz im Programm. Bemerkenswert ist vielmehr, dass in der Berlinale-Jury der Berlinale 2016 erstmalig Frauen die Mehrheit haben - und dass ebenfalls eine Frau den Vorsitz hat. Im Vergleich mit anderen internationalen Filmfestivals eine Besonderheit: "Ich setze mich sehr für die Gleichberechtigung ein. Unsere Jury ist ein Zeichen dafür", sagte Streep auf eben dieser Pressekonferenz. Es sei ungewöhnlich, dass in einem Gremium, das Entscheidungen trifft, Frauen die Mehrheit hätten. "Da liegt die Berlinale ganz weit vorne."

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