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Kultur

Ramadan - Beten, Fasten, Teilen

Im Ramadan stellen gläubige Muslime ihren Tagesablauf, aber auch ihre Ernährung komplett um. Mit dem Erscheinen der neuen Mondsichel am Himmel beginnt der Fastenmonat Ramadan - und damit 30 Tage Enthaltsamkeit.

Ziel muslimischer Pilger während des Ramadan: Mekka

Ramadan in Mekka

Den Gebetsruf der Muezzine hören Muslime zu Beginn des Fastenmonats Ramadan mit anderen Ohren. Egal ob in Mekka, Medina, Hamburg oder New York – die Zeit des großen Fastens verlangt ihnen viel ab. Die Gläubigen in nördlichen Ländern müssen besonderes Stehvermögen aufbringen, denn gefastet wird zur Tageszeit, gegessen nur in der Nacht. Und Tageszeit meint von der ersten Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang. In Deutschland bedeutet das für den ersten Tag des Ramadan im Fastenkalender: zwischen 4.09 Uhr und 20.41 Uhr Essen und Trinken verboten.

Imam Ramazan Ucar aus Hamburg

Imam Ramazan Ucar aus Hamburg

Aber nicht nur das – auch Geschlechtsverkehr, Rauchen oder Kaugummis, die Zucker enthalten, seien nicht erlaubt, sagt Ramazan Ucar, Imam und Vorsitzender der Islamischen Gemeinden in Norddeutschland. Wenn man in den ersten Fastentagen aus Versehen ein Glas Tee trinke oder aus Gewohnheit in einen Apfel beiße, sei das aber nicht so schlimm. "Das nennt man dann ein Geschenk von Gott", schmunzelt Ucar. "Also vielleicht zwei-, dreimal im Monat kann das passieren. Denn jeden Tag bekommt man kein Geschenk von Gott."

Innere Reinigung – echte Solidarität

Das Einhalten des Fastenmonats Ramadan ist eine der so genannten fünf Säulen des Islam. Zu ihnen gehören außerdem das Glaubensbekenntnis, die tägliche Gebetspraxis, das Spenden von Almosen und die Pilgerreise nach Mekka. Was für den Fastenmonat wichtig ist, steht im Koran gleich am Anfang, in der 2. Sure.

Cetrum Moschee im Hamburger Stadtteil St. Georg.

Centrum Moschee in Hamburg

"Ihr Gläubigen", ist dort zu lesen, "Fasten ist euch vorgeschrieben, eine bestimmte Anzahl von Tagen." 30 Tage sind es genau, in diesem Jahr vom 21. August bis zum 19. September. Ausgenommen sind Alte und Kranke, Kinder und Reisende. Der Verzicht auf Nahrungs- und Genussmittel ist die eine Seite des Fastens, die der inneren Reinigung und dem Einüben der eigenen Spiritualität dienen soll. Die andere Seite betrifft das alltägliche Zusammenleben.

"Wir sollen uns mit den Armen dieser Welt beschäftigen," erklärt Ramazan Ucar. "Alle Muslime müssen an Bedürftige spenden – auch wenn sie selbst arm sind. Die bekommen dann was von anderen zurück – das wird dann sozusagen ausgeglichen."

Zeit der Versöhnung

Gemeinsam nach dem Abendgebet zu essen, ist eine Selbstverständlichkeit. Viele Gläubige laden Fremde in ein Restaurant ein oder kochen für sie bei sich zu Hause. Solidarisch sein, einander zuhören, sich auch miteinander zu versöhnen, wenn Streit in der Familie liegt – das sind die Chancen dieser heiligen Zeit.

Usbekistan Koranschule in Buchara Caption: Die Hand eines jungen Mannes liegt auf einem aufgeschlagenen Koran, aufgenommen in der Koranschule Miri Arab Madrassah in der usbekischen Stadt Buchara

Das Heilige Buch der Muslime

Zudem nutzen Muslime die "Sommerhitze", wie man das Wort Ramadan übersetzen kann, für die Lektüre des Korans. Sie kommen in der Moschee zusammen und lesen täglich 20 Seiten ihrer heiligen Schrift. Denn die Überlieferung erzählt, dass es eben in der Fastenzeit des Jahres 610 war, als der Koran dem Propheten Mohammed vom Erzengel Gabriel offenbart wurde.

Gemeinsam lesen, gemeinsam fasten, bei Anbruch der Dunkelheit das Fasten brechen und gemeinsam essen – das ist der heilsame Rhythmus, in dem sich die islamische Welt in den kommenden Wochen bewegt.

Autor: Matthias Lemme

Redaktion: Sabine Damaschke

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