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Wirtschaft

Radikaler Stellenabbau bei Hypo Real Estate

Bis 2013 sollen beim angeschlagenen Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate 1000 Stellen gestrichen werden. Zudem wird das Management umgekrempelt und die Bank neu ausgerichtet.

Ein Mann mit schwarzem Anzug geht am Haupteingang der Hypo Real Estate vorbei. Quelle: AP

Ein Neuanfang bei dem Immobilienfinanzierer soll her: Weniger Stellen, neue Führung

Das Münchner Kreditinstitut teilte am Samstag (20.12.2008) mit, man trenne sich mit sofortiger Wirkung vom ehemaligen Vorstandschef Georg Funke und dem früheren Vorstandsmitglied Bo-Heide Ottosen sowie von den amtierenden Vorständen Markus Fell und Frank Lamby. Gründe wurden nicht genannt.

Funke war am 7. Oktober als Vorstandschef zurückgetreten. Es hatte sich herausgestellt, dass die Probleme des Immobilienfinanzierers größer waren als von der Konzernspitze angegeben. Die Hypo Real Estate musste mit einer Milliarden-Bürgschaft der Bundesregierung vor dem Kollaps bewahrt werden.

Milliardenbelastungen aus der Finanzkrise, darunter auch durch Geschäfte der irischen Tochter DEPFA (Deutsche Pfrandbriefbank), hatten den Immobilienfinanzierer in die Existenzkrise gebracht.

Stellenabbau möglichst ohne Kündigung

Der Konzern kündigte zudem an, bis 2013 insgesamt 1000 Stellen zu streichen. In den kommenden drei Jahren seien es zunächst 800, zwei Drittel davon im Ausland. Die restlichen 200 Stellen würden dann in den darauf folgenden beiden Jahren wegfallen.

Merkel und Steinbrück vor Mikrofonen, im Hintergrund der Reichtag. Statement zur HRE-Krise im Oktober. Quelle: DPA

Durch das Eingreifen der Bundesregierung wurde die HRE vor der Pleite bewahrt

Die Konzernspitze strebe, so die Erklärung vom Samstag, "sozialverträgliche Lösungen im Einvernehmen mit den betroffenen Mitarbeitern" an und werde versuchen "betriebsbedingte Kündigungen, wenn möglich, zu vermeiden".

Vorstandschef Axel Wieandt sagte, mit den jetzt getroffenen Entscheidungen "schaffen wir seitens des Unternehmens notwendige Grundlagen für die mittelfristige Rückkehr der Gruppe als aktiver Marktteilnehmer". Ziel sei, die Hypo Real Estate zu einem führenden spezialisierten Immobilien- und Staatsfinanzierer in Deutschland und Europa mit pfandbrieforientierter Refinanzierung zu machen.

Keine Alternative

Laut Wieandt bleibt der HRE angesichts der veränderten Bedingungen an den Kapitalmärkten und des Abschwungs auf dem Immobilienmarkt nichts anderes übrig. Der Konzernumbau sei zudem eine notwendige Voraussetzung für die Unterstützung durch die Bundesregierung und den Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin). Mit diesem werde weiter über "weitreichende Unterstützungsmaßnahmen" verhandelt.

Der neue Konzernchef Wieandt. Quelle: DPA

Der neue Konzernchef Wieandt will HRE wieder zu einem "aktiven Marktteilnehmer" machen

Für das vierte Quartal wird wegen einmaliger Umstrukturierungskosten von insgesamt 400 Millionen Euro mit erheblichen Belastungen des Ergebnisses gerechnet. Für 2008 wird ein negativer Jahresabschluss erwartet. Durch die Zusammenführung der Hypo Real Estate Bank International und der DEPFA auf die Hypo Real Estate Bank würden bis 2011 die jährlich laufenden Kosten um rund 200 Millionen Euro und bis 2013 um rund 250 Millionen Euro reduziert.

Abarbeiten der Vergangenheit

Parallel zur Umstrukturierung und Neuausrichtung läuft die Abarbeitung der Vergangenheit, die zur Beinahe-Pleite der Bank mit führte. Am Dienstag hatte die Münchner Staatsanwaltschaft Büroräume der HRE sowie Privaträume und Büros von früheren Vorständen und des ehemaligen HRE-Aufsichtsratsvorsitzenden Kurt Viermetz durchsucht.

Inzwischen wurden Ermittlungen unter anderem wegen des Verdachts der unrichtigen Darstellung und der Marktmanipulation gegen alle Vorstände eingeleitet, die zwischen November 2007 und September 2008 im Amt waren. Auch gegen Viermetz wird ermittelt.

Ex-Vorstandschef Funke stehend vor Plakat mit Schriftzug Bilanzpressekonferenz. Quelle: DPA

Er gilt als einer der Hauptverantwortlichen für die Krise und muss gehen: Ex-Vorstandschef Funke

Nach Berichten der "Süddeutschen Zeitung" vom Freitag und Samstag wird die ehemalige Konzernspitze verdächtigt, Aktionäre und Öffentlichkeit ein Jahr über die wahre Lage der Bank getäuscht zu haben. Bereits seit September 2007 habe sich abgezeichnet, dass die HRE wegen der Finanzkrise mehr Geld habe abschreiben müssen. Ex-Vorstandschef Funke habe zwei Monate später trotzdem behauptet, die Bank sei "aus der jüngsten Marktkrise gestärkt hervorgegangen".

Ähnlich sei es, so die "Süddeutsche Zeitung", in diesem Jahr gewesen. Bei einer Bankenkonferenz in München am 25. September habe der Vorstand die Lage bei der irischen Pfandbrieftochter DEPFA als stabil bezeichnet. Kurz zuvor hätten Funke und Finanzvorstand Markus Fell jedoch bei der Deutschen Bank in Frankfurt wegen fehlender Refinanzierungsmöglichkeiten der DEPFA vorgesprochen. Man habe jedoch beschlossen, die schlimme finanzielle Situation des Konzerns als "Insiderinformation" zu behandeln. (hy)

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