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Wirtschaft

Hypo Real Estate darf weitermachen

Ein Zusammenbruch des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate ist ein zweites Mal in letzter Minute verhindert worden. Die Börsenkurse fallen trotzdem. Politiker fordern den Rücktritt des Banken-Chefs.

Bankenlogo über einem Steinbogen-Portal (Quelle: AP)

Überspannt Hypo Real Estate den Bogen?

Die Bundesregierung und die deutsche Finanzindustrie haben ein deutlich aufgestocktes Rettungspaket für den angeschlagenen DAX-Konzern Hypo Real Estate (HRE) vereinbart. Das Rettungspaket mit Kreditgarantien belaufe sich nun auf 50 Milliarden Euro, sagte der Sprecher des Bundesfinanzministeriums am Sonntagabend (05.10.2008) in Berlin. Der Finanzsektor werde der HRE-Gruppe neben den bereits zur Verfügung gestellten Kreditlinien in Höhe von 35 Milliarden Euro einen weiteren Liquiditätskredit in Höhe von 15 Milliarden Euro gewähren. An dem von Bund und Finanzsektor zugesagten Bürgschaftsrahmen von bis zu 35 Milliarden Euro ändere sich nichts. Bis zu einer Gesamthöhe von 14 Milliarden Euro trage der Finanzsektor 60 Prozent und der Bund 40 Prozent der möglichen finanziellen Belastungen, sollte die Garantie in Anspruch genommen werden.

Mit der von Bund und Finanzwirtschaft gefundenen Lösung werde das Institut stabilisiert und damit der Finanzplatz Deutschland in schwierigen Zeiten gestärkt, sagte der Sprecher des Bundesfinanzministeriums, Torsten Albig. HRE-Vorstandschef Funke erklärte: "Wir sind für die Unterstützung sehr dankbar." Die gefundene Lösung stelle sicher, "dass die Hypo Real Estate Group auch bei andauernder Finanzkrise über ausreichende Liquidität verfügt und weiterarbeiten kann".

Rücktritt gefordert

Politiker von Union und Grünen forderten Funke zum Rücktritt auf. Das Vertrauen zu Funke sei zerstört, sagte der Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Fritz Kuhn, der "Bild"-Zeitung. Ähnlich äußerte sich der finanzpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Otto Bernhardt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Sonntag versichert, sie werde nicht zulassen, "dass die Schieflage eines Instituts zu einer Schieflage des gesamten Systems führt". Verantwortliche würden zur Rechenschaft gezogen.

Das von Bundesregierung und Banken am vergangenen Wochenende ausgehandelte Rettungspaket für HRE war am Samstagabend geplatzt. Mehrere Finanzinstitute würden ihre Zusage, sich an einer Bürgschaft mit einer Gesamthöhe von 35 Milliarden Euro zu beteiligen, nicht mehr aufrechterhalten, teilte HRE mit. Die Nachrichtenagentur AFP erfuhr in Berlin, dass sich der Finanzbedarf der HRE allein bis Jahresende auf bis zu rund 50 Milliarden Euro belaufen könnte. Bis Ende 2009 war demnach sogar von einem Finanzbedarf von bis zu 100 Milliarden Euro die Rede.

Sorge um europäische Banken

Nach Bekanntwerden des neuen Milliardenlochs bei der HRE hatten Bundesregierung, Deutsche Bundesbank und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin sowie die Spitzenvertreter der deutschen Kredit- und Versicherungswirtschaft am Sonntag in einer langen Krisensitzung nach einer Lösung zur Rettung des Dax-Unternehmens gesucht. Es galt, bis zur Börsenöffnung in Asien am Montagmorgen eine Lösung zu finden.

Die vorläufige Rettung der HRE verstärkte in Asien jedoch eher die Sorge um die europäischen Banken. Hinzu kamen Zweifel an der Wirksamkeit des US-Rettungspakets für den Finanzsektor, das am Freitag das US-Repräsentantenhaus im zweiten Anlauf passiert hatte. Die Aktienkurse gingen in Asien am Montagmorgen auf Talfahrt, in Tokio erreichten sie bis zum Mittag (Ortszeit) ein Vierjahrestief: Der Nikkei-Index fiel um 3,60 Prozent. In Hongkong fielen die Kurse bis Mittag um 3,4 Prozent. (rri)

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