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Aktuell Nahost

Radikale Islamistenmilizen dringen im Nordirak weiter vor

Mit der Eroberung von Mossul und der Provinz Ninive haben radikalislamische Aufständische der irakischen Regierung eine schwere Niederlage beigebracht. Nun erobern die Extremisten auch Teile der Provinz Salaheddin.

Die Milizen der sunnitischen Dschihadistengruppe "Islamischer Staat im Irak und Syrien" (ISIS) sind im Irak weiter auf dem Vormarsch. Am Abend teilten ein Brigadegeneral und ein örtlicher Regierungsvertreter mit, Rebellenkämpfer seien nun auch in Sinijah und Sulaiman Bek in der Provinz Salaheddin eingerückt. Nach viertägigen Gefechten hatten die ISIS-Kämpfer am Vormittag Mossul, die zweitgrößte Stadt des Landes, sowie die gesamte umliegende Provinz Ninive unter ihre Kontrolle gebracht. Nach Angaben des Nachrichtenportals Sumaria News drangen die Milizen auch in Gefängnisse ein und ließen mehr als 1400 Häftlinge frei. Zudem übernahmen sie demnach die Kontrolle über den Flughafen, mehrere Regierungsgebäude sowie zwei Fernsehsender.

Tausende Menschen flohen aus Mossul nach Norden in die angrenzenden Kurdengebiete (siehe Artikelbild), während die Armee auf ihrem Rückzug Munitions- und Treibstofflager in Brand setzte. Beobachter gehen davon aus, dass mehr als 3000 ISIS-Kämpfer in der Region Mossul aktiv sind. Die Zwei-Millionen-Einwohner-Stadt ist wichtigster Verkehrsknotenpunkt im Norden des Landes. Dort leben neben sunnitischen Arabern auch Kurden, assyrische Christen und Turkmenen. Die Ölfelder der Region zählen zu den wichtigsten im Irak. Später teilte die Polizei mit, auch Teile der angrenzenden Provinz Kirkuk seien in die Hände der Extremisten gefallen. Offenbar zogen sich auch dort die Sicherheitskräfte kampflos zurück.

Hochburg in Falludscha

Es ist das erste Mal, dass Rebellen im Irak eine ganze Provinz unter ihre Kontrolle brachten. Bereits seit Januar halten ISIS-Kämpfer die Stadt Falludscha sowie andere Teile der Provinz Anbar westlich von Bagdad besetzt. Dort liefern sie sich immer wieder heftige Gefechte mit Regierungstruppen. Die Gruppe macht sich dabei den langjährigen Machtkampf zwischen sunnitischen und schiitischen Muslimen im Irak zunutze.

Mit der Einnahme Mossuls ist die ISIS nun aber ihrem Ziel, die von ihnen beherrschten Gebiete in Syrien und Irak zu verbinden, offenbar einen großen Schritt näher gekommen. Die Organisation ist in beiden Staaten aktiv und hat die Errichtung eines islamischen Staates zum Ziel. ISIS verfolgt zwar eine ähnliche Ideologie wie das Terrornetzwerk Al-Kaida. Ihr Chef Abu Bakr al-Baghdadi ignoriert jedoch die Anweisung der international bekannteren Gruppe, die Kämpfe in Syrien einzustellen und sich auf den Irak zu konzentrieren. Im syrischen Bürgerkrieg hat die ISIS in den vergangenen Wochen große Gebiete unter ihre Kontrolle gebracht, überwiegend bei Kämpfen gegen andere Oppositionsgruppen.

Angesichts des Vorrückens der Aufständischen im Irak rief Ministerpräsident Nuri al-Maliki die Bevölkerung zum Widerstand auf. Wer sich freiwillig melde, werde von der Regierung bewaffnet, sagte er. Al-Maliki bat in einer Rede die internationale Gemeinschaft um Hilfe beim Kampf seines Landes gegen den Terrorismus. Der schiitische Politiker kündigte zudem an, die Ausrufung des Notstands zu beantragen. Darüber soll in einer Dringlichkeitssitzung am Donnerstag entschieden werden.

Kurden üben Kritik

Parlamentspräsident Osama Nudschaifi forderte den Präsidenten der irakischen Kurden auf, seine Peschmerga-Miliz nach Mossul zu schicken und die Stadt zurückzuerobern. Die Führung der kurdischen Autonomiegebiete im Nordirak warf der Zentralregierung in Bagdad Versagen vor. Ministerpräsident Nechirvan Barsani erklärte, Bagdad habe eine Zusammenarbeit von Armee mit den kurdischen Streitkräften verweigert.

Nach der Eroberung Mossuls sagten die USA der Regierung in Bagdad Unterstützung im Kampf gegen die Extremisten zu. Die ISIS stelle nicht nur eine Gefahr für die Stabilität des Irak, sondern für die ganze Region dar, sagte die Sprecherin des US-Außenministeriums, Jennifer Psaki. Washington unterstütze "eine starke Antwort, um der Aggression zu begegnen".

Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die Einnahme der Millionenstadt. Er rief die führenden Politiker des Iraks auf, sich angesichts der Bedrohung zusammenzuraufen.

kle/nis (afp, rtr, dpa)