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Wirtschaft

Prozessauftakt gegen Daimler-Chrysler

Einer der spannendsten Prozesse in der Wirtschaftsgeschichte geht in die erste Runde: Der Automobilkonzern Daimler-Chrysler muss sich in den USA wegen angeblichen Betrugs verantworten.

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Klagt gegen Daimler-Chrysler: Kirk Kerkorian


Damit hatte Konzernchef Jürgen Schrempp nicht gerechnet. Dass er sich vor einem amerikanischen Bundesgericht ein Showdown mit dem Milliardär Kirk Kerkorian liefern muss. Vor drei Jahren hatte die Investmentfirma des früheren Chrysler-Großaktionärs Kirk Kerkorian eine Klage wegen Betrugs gegen Daimler-Chrysler eingereicht. Vor einer Woche dann hatte der zuständige Bundesrichter der Klage endlich statt gegeben. Am Montag (1.12.2003) beginnt die Verhandlung vor dem Bundesgericht der Kleinstadt Willington an der amerikanischen Ostküste.

Schrempp als Zeuge vorgeladen

Zwei Wochen soll die Gerichtsverhandlung dauern. Jürgen Schrempp wird wahrscheinlich in der zweiten Prozesswoche als Zeuge auftreten. Eine Entscheidung des Schwurgerichts wird allerdings erst im neuen Jahr erwartet, fast sechs Jahre

Jürgen Schrempp

Jürgen Schrempp

nach der Fusion. Damals, am 7.5.1998, hatte Jürgen Schrempp als Vorstandschef der Daimler Benz AG die Fusion mit dem Konkurrenten Chrysler aus Detroit perfekt gemacht. "Als gemeinsames Unternehmen wird sich unsere Wettbewerbssituation erheblich verbessern", so Schrempp damals. "Beträchtliche Synergien werden frei gesetzt, zusätzlich zu den Effizienzsteigerungen, die Chrysler und Daimler Benz, jeder für dich, schon eingeleitet haben", hatte der Konzernchef vorausgesagt.

Getarnte Übernahme?

Von einer Welt-AG war die Rede, von der Nummer eins in der Welt, einer Fusion unter Gleichen ("Merger of Equals"). Genau das aber bestreitet der ehemalige Chrysler-Hauptaktionär Kirk Kerkorian. Er wirft dem Vorstand der damaligen Daimler Benz AG vor, den Deal von Anfang an als Übernahme geplant und die Chrysler-Aktionäre belogen zu haben. Beweisstück Nummer eins: Schrempp hätte in einem Interview mit der britischen Wirtschaftszeitung "Financial Times" durchblicken lassen, dass er aus "psychologischen Gründen" den Umweg der Fusion genommen habe, um Chrysler anschließend in eine bloße Sparte des Konzerns zu verwandeln.

Kerkorians Investmentfirma besaß zum Zeitpunkt der Fusion 14 Prozent der Chrysler-Anteile. Bei einer offiziellen Übernahme hätte er einen deutlichen Aufschlag auf den Umtauschpreis seiner Aktien verlangt, und Daimler Benz hätte eine zusätzliche Prämie von zehn Milliarden Dollar zahlen müssen, so Kerkorian. In der Begründung seiner Klage heißt es, dass Kerkorian zurecht an eine Fusion unter Gleichen geglaubt und nur deshalb der Fusion zugestimmt habe. Daimler habe eine groß angelegte Kommunikationskampagne gestartet, um sein Vorhaben zu verschleiern, heißt es.

Ein Haufen "entlastender" Dokumente

Der Autobauer Daimler-Chrysler hatte dem Gericht vorab rund 250.000 Seiten mit Dokumenten vorgelegt, um eine mündliche Verhandlung zu verhindern. Noch im August hatte sich der Konzern mit einer Gruppe von Kleinaktionären außergerichtlich geeinigt und 300 Millionen Dollar gezahlt. Jetzt muss er vielleicht noch tiefer in die Tasche greifen. Der Kläger Kirk Kerkorian fordert bis zu drei Milliarden Dollar Entschädigung.

Dass die Deutschen im Unternehmen das Sagen haben, mag kaum jemand bestreiten. Die Anwälte von Daimler-Chrysler argumentieren aber, dass Kerkorian schon früh hätte erkennen können, wer die Akzente nach der Fusion setzen würde - zumal es seine Investment-Firma war, die erste Details über die Fusion an das "amerikanische Wall Street Journal" weitergegeben hatte.

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