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Sport

Provokation von Zidane zugegeben

Ein "Teilgeständnis" von Italiens Abwehrspieler Marco Materazzi hat Spekulationen um die Gründe für den Blackout von Frankreichs Fußball-Superstar Zinedine Zidane im WM-Finale etwas eingegrenzt.

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Rote Karte mit Nachspiel: Was passierte vorher?

"Er war unverschämt, da habe ich ihn beleidigt", sagte der 32 Jahre alte Verteidiger von Inter Mailand der "La Gazzetta dello Sport". "Ich habe Worte benutzt, die auf einem Fußballplatz ständig zu hören sind", sagte Materazzi und wies alle Schuld von sich. Damit hat der Italiener erstmals eine Provokation von Zinedine Zidane zugegeben. Im Finale der Fußball-Weltmeisterschaft in Berlin war der französische Superstar nach einem Kopfstoß gegen Materazzi mit der Roten Karte bestraft worden.

WM 2006 - Italien - Frankreich Marco Materazzi

Zidane hat angefangen: Italiens Marco Materazzi

Der Defensivmann der Squadra Azzurra betonte, dass Zidane mit dem Streit in der Verlängerung des Endspiels angefangen habe. Nachdem er Zidane für wenige Sekunden am Trikot gehalten habe, habe der ihm von oben herab in unverschämter Art und Weise gesagt, "wenn du mein Trikot wirklich willst, bekommst du es nachher", berichtete Materazzi. Daraufhin habe er den Franzosen beleidigt. Zidane absolvierte im WM-Finale das letzte Spiel seiner Karriere.

Aufklärung durch Lippenleser?

Weltweit wurde über den Auslöser des Blackouts gerätselt. Lippenleser des brasilianischen TV-Senders Globo kamen zu dem Schluss, dass Materazzi die Schwester von Zidane zwei Mal als Prostituierte bezeichnet haben soll. In Großbritannien wurde in den Zeitungen "Times, "Sun" und "Daily Mail" übereinstimmend spekuliert, dass der Italiener zu seinem Gegenspieler Zidane gesagt haben soll: "Alle wissen, dass du der Sohn einer terroristischen Hure bist." Dies jedoch bestritt Materazzi. "Ich bin ein Ignorant, ich weiß nicht mal, was ein islamischer Terrorist ist", sagte er. "Für mich ist die Mutter heilig."

Bei der EM-Quali: Frankreich gegen Italien

Zinedine Zidane und Jacques Chirac

Sicherheitsabstand: Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac (links) beim Körperkontakt mit "Zizou"

In der 110. Spielminute hatte Zidane für seinen brutalen Kopfstoß die 14. Rote Karte seiner Karriere gesehen. Frankreichs Trainer Raymond Domenech, der im Amt bleiben wird, unterstellte Materazzi, gezielt auf Zidanes Platzverweis hingearbeitet zu haben. Materazzi war einer der Hauptdarsteller des Finales in Berlin. Erst verursachte er den umstrittenen und von Zidane in der siebten Spielminute verwandelten Elfmeter, dann glich er in der 19. Spielminute per Kopf mit seinem zweiten WM-Tor für Italien zum 1:1 aus.

Trotz seines unrühmlichen Abgangs war Zidane der Spieler, dem die Fans beim Empfang am Montag (10.7.) am meisten zujubelten. Mit Rufen wie "Zizou a l'Euro" ("Zizou zur Euro") forderten sie den Kapitän der "Blauen" auf, auch an den Qualifikationsspielen für die Europameisterschaft 2008 teilzunehmen. In der Qualifikation trifft Frankreich unter anderem ausgerechnet auf Italien.

"Mensch mit großem Herzen"

Staatspräsident Jacques Chirac drückte dem Vize-Weltmeister in Paris seine Bewunderung aus. Die ganze Nation zolle der Mannschaft Respekt, sagte das Staatsoberhaupt. Chirac tröstete Zidane mit den Worten, dass er ein "Genie des Weltfußballs", aber zugleich auch ein Mensch mit einem großen Herzen sei. Wegen seines Engagements und seiner Überzeugung bewundere und liebe ihn Frankreich.

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WM-Held trotz Kopfstoß: Goldener Ball für Zinedine Zidane

Die Mehrheit seiner Landsleute hat Zidane den Blackout schon verziehen. Wie die Zeitung "Le Parisien" am Dienstag (11.7.) unter Berufung auf eine Meinungsumfrage schrieb, tragen 61 Prozent der Befragten Zidane seinen Kopfstoß gegen die Brust des Italieners Marco Materazzi nicht nach. Nur 27 Prozent wollen Zidane sein unsportliches Verhalten nicht nachsehen.

Riesige Zustimmung erfährt die Wahl Zidanes zum besten Spieler des Turniers. Dieser Entscheidung stimmten 78 Prozent zu. Trotz der Niederlage im Finale äußerten sich 61 Prozent zufrieden mit der Leistung der Nationalmannschaft. Auch in Spanien wird der zuletzt bei Real Madrid spielende Zidane hoch verehrt. Der 34-Jährige sei einer der Kandidaten für den spanischen "Sport-Nobelpreis", den Prinz-von-Asturien-Preis, hieß es am Dienstag. (ms)

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