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Sport

Adieu, Zizou!

Auf der Bühne des Berliner Olympiastadions hob sich am Sonntag zum letzten Mal der Vorhang für Zidane, einen der größten Fußballer aller Zeiten - trotz seines Abgangs mit Rot.

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Zinédine Zidane nach dem Halbfinalsieg gegen Portugal

Spätestens mit seiner unerwarteten Renaissance in den WM-Stadien von Stuttgart, Leipzig, Hannover, Frankfurt und München hat sich der dreimalige Weltfußballer endgültig auf Augenhöhe mit den größten Größen der Zunft wie Pele, Franz Beckenbauer, Johan Cruyff, Diego Maradona oder Landsmann Michel Platini gespielt. Sein 108. Länderspiel (30 Tore) war das 785. Wettbewerbsspiel (150 Tore) des scheidenden Kapitäns der "Equipe tricolore".

Schweigsamer Star ohne Allüren

Wenn nicht Freudentränen über den zweiten französischen WM-Titel nach 1998, dann wird es garantiert Abschiedstränen geben, wenn Zidane seinen Hut nimmt. Einer wie er war immer auch für das emotionale Element des Fußballs zuständig. "Er hat dem Fußball so viele schöne und unvergessliche Momente geschenkt", bedauerte Beckenbauer das endgültige Adieu jenes Mannes, der des "Kaisers" Weltmeisterschaft mit seinen immer noch vorhandenen Künsten so enorm bereicherte.

Die Geschichte des Zinédine Zidane wird in die Annalen der zweiten deutschen WM nach 1974 eingehen. Sie begann mit seinem Rücktritt vom Rücktritt, den er nach der EM-Pleite 2004 nach dem Viertelfinal-K.o. gegen Griechenland frustriert genommen hatte. Als in der Qualifikation Frankreichs WM-Teilnahme auf der Kippe stand, kehrte der Kapitän auf die Kommandobrücke des schlingernden Schiffes zurück. Auch ohne große Worte gab der schweigsame Star ohne Allüren sofort den Ton an und die Richtung vor. Keiner sprach die Parole so wild entschlossen aus: "Ich will noch einmal Weltmeister werden!"

Würdeloser Abschied zeichnete sich ab

Eine freche Formulierung angesichts der mühevollen Qualifikation. Es schien wie ein Sinnbild zu sein, als Zidane beim letzten WM-Test, dem 3:1-Sieg gegen China, bei der Ausführung seines vergebenen Elfmeters ausrutschte und auf dem Hosenboden landete. Auch der Stolperstart der "Bleus" in der Vorrunde (0:0 gegen die Schweiz und 1:1 gegen Südkorea) wurde eng verknüpft mit der Formschwäche des alternden Kapitäns.

Als ohne den gelb-gesperrten Spielmacher mit dem 2:0 gegen Togo der Einzug ins Achtelfinale perfekt gemacht wurde, wurde schon über seine Entbehrlichkeit spekuliert. Auch die Demütigung von Trainer Domenech, der ihn in der Nachspielzeit des Südkorea-Spiels vom Feld holte, wurde als Zeichen eines würdelosen Abschieds gedeutet.

Es ist unbewiesen, dass Domenech möglicherweise eine Trotzreaktion provozieren wollte. Wenn ja, dann war es fast genial, den Genius noch einmal zu Großtaten anzustacheln. Denn diese folgten auf dem Fuß. Der mit seinen glitzernden Kickstiefeln schon zum goldenen Hemmschuh abgestempelte Mann mit der Nummer 10 schwang gegen Spanien (3:1) wieder den Taktstock bei den als "Rentnerband" verunglimpften Franzosen. Bei der Entthronung des Weltmeisters Brasilien (1:0) war der Zauberer wieder auf der Höhe seiner Schaffenskraft. Der Ball, den er wie kaum ein anderer streichelte, war wieder sein Freund.

Der Black Out zum Ende

Als Zidane im Finale schließlich gleich am Anfang den Elfmeter genial verwandelte, schien alles auf das Happy End einer WEeltkarriere hinauszulaufen. Zidane lenkte das französische Spiel, hatte in der Verlängerung per Kopf sogar persönlich die Chance zur Entscheidung - bis die 110. Minute die Fußballwelt und vielleicht sogar ihn selbst schockierte - sein Black Out beim Kopfstoß gegen Mazeratti verlor vielleicht sogar das WM-Finale für Frankreich.(wga/sam)