1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Fokus Osteuropa

Proteste in Griechenland: Akkumulierter Frust einer Generation

Die tagelangen Straßenproteste in Griechenland zeigen, dass sich im Land ein Berg von Problemen aufgestaut hat. Die Ursachen dafür sind vielfältig.

default

Eine Generation auf Konfrontationskurs

Auslöser für die tagelangen Straßenproteste war der Tod eines 15-jährigen Jungen. Er wurde durch Schüsse aus einer Polizeiwaffe getötet. Das Ausmaß der Wut in den nachfolgenden Protesten lässt sich aber nicht allein dadurch erklären. Hier kommt der akkumulierte Frust einer Generation zum Vorschein; Frust über Perspektivlosigkeit, schlechte Bezahlung und eine Bildungskrise. Jenseits des harten Kerns von Leuten, die sich selbst Anarchisten nennen, gebe es eine viel umfangreichere Mobilisierung, so die griechische Journalistin Kaki Bali. Es seien nicht nur Mitglieder der autonomen Szene an den Demonstrationen in Athen und anderen griechischen Großstädten beteiligt, sondern ganz normale Jugendliche gingen auf die Straße, um auf diese Weise ihren Protest gegen die Politik in Griechenland zum Ausdruck zu bringen.

„Es sind viele Jungen und Mädchen aus der Mittelschicht, die einfach mitmachen - einerseits weil sie sicher sind, dass die Polizei nicht einschreiten wird und andererseits, weil sie ihren Frust irgendwie richtig loswerden wollen“, erklärt Bali.

No-Future-Stimmung

Viele Jugendliche in Griechenland haben Angst, dass sie nach der Schule keinen Arbeitsplatz finden. Mit 28 Prozent hat Griechenland auch nach offiziellen Angaben die höchste Jugendarbeitslosigkeit in der EU. Viele Experten vermuten, dass die realen Zahlen weitaus höher liegen. Es habe sich eine „No future“-Stimmung ausgebreitet, sagt die Journalistin Bali. „Die griechische Jugend studiert, bekommt einen Hochschulabschluss und schreibt vielleicht noch eine Doktorarbeit. Trotzdem, die Chance, einen Job danach zu finden, ist sehr gering“, sagt Bali. Auch die Bezahlung sei in vielen Bereichen schlecht. Viele Akademiker müssten mit 600-700 Euro im Monat auskommen. Viele lebten mit 30 oder 35 Jahren noch bei ihren Eltern, weil sie sich eine eigene Wohnung nicht leisten können. Auch die bislang erfolglosen Versuche der Regierung, das Bildungssystem grundlegend zu reformieren, macht viele Jugendliche wütend. Die Unzufriedenheit über die Politik ist groß. Fast täglich berichten griechische Medien über Skandale und Korruptionsfälle, in die Politik und Wirtschaft verwickelt sind. Die griechische Öffentlichkeit empört sich immer wieder neu über Politiker, die sich bereichern. Die Vetternwirtschaft boomt.

Skandale und Korruption

Und das ist nicht alles, meint Professor Elias Katsoulis von der Athener Universität: „Seit Jahren wird die griechische Öffentlichkeit täglich mit Skandalen konfrontiert, die die führende Schicht des Landes betreffen. An erster Stelle stehen hier korrupte Politiker.“ Doch nicht nur viele Politiker seien korrupt, meint Katsoulis. Beinahe die gesamte Elite des Landes sei betroffen. Universitätsprofessoren beispielsweise würden als besonders korrupt eingeschätzt. Auch über Journalisten gebe es keine gute Meinung.

Die Verantwortung für diese Situation sieht Katsoulis in der Politik. Die regierende Partei Nea Demokratia und die oppositionelle sozialistische PASOK seien nicht in der Lage, die Situation zu meistern. Es gebe keinen politischen Grundkonsens über wesentliche Ziele. „Wenn eine Partei irgend etwas macht, egal was, wird die andere Partei – also die Opposition – dagegen sein. Die Parteien sind nicht in der Lage, aufeinander zuzugehen“, schließt Katsoulis.

Stamatis Assimenios

Die Redaktion empfiehlt