Proteste im Iran: Arabische Staaten zwischen Sorge und Schadenfreude | Nahost | DW | 03.01.2018
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Nahost

Proteste im Iran: Arabische Staaten zwischen Sorge und Schadenfreude

Die Proteste gegen die Regierung im Iran - und vor allem die Reaktionen aus Teheran - werden im Westen besorgt beobachtet. Wie nehmen die Führungen arabischer Länder die Ereignisse wahr?

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Proteste und Gegendemonstrationen im Iran

Es sind die größten Unruhen im Iran seit den umstrittenen Präsidentschaftswahlen 2009: Seit Tagen gehen Demonstranten auf die Straße, um gegen die schwache Wirtschaft, Korruption, gestiegene Lebensmittelpreise und die Rolle des Irans in anderen Konflikten wie etwa dem Syrienkrieg zu protestieren.

Der Oberste Religionsführer des Landes, Ajatollah Ali Chamenei, reagierte auf die Proteste mit einer Erklärung, in der es heißt: "Die Feinde haben sich vereint und nutzen all ihre Mittel, ihr Geld, ihre Waffen, Politik und Sicherheitsdienste, um dem islamischen Regime Probleme zu bereiten."

Hoffnung auf schwindenden iranischen Einfluss

In vielen Ländern der Region sei dieser Protest zunächst ignoriert worden, sagt Sanam Vakil, Forscherin beim britischen Think Tank Chatham House. Aber nun, da die Proteste immer weiter Schlagzeilen machen, glaubt sie, dass die Politiker dort reagieren werden. Allein schon, um zu verhindern, dass auch in ihren Ländern Menschen auf die Straßen gehen.

Vakil sagt im Gespräch mit der DW, dass auch "der Iran klar machen will, dass die aktuellen Proteste nichts mit denen des Arabischen Frühlings gemeinsam haben".

Iran Teheran Proteste der Opposition (picture-alliance/dpa/Stringer)

Die aktuellen Proteste sind die größten im Iran seit der "grünen Revolution" 2009

Der Arabische Frühling begann 2011 in Tunesien, wo Menschen zunächst aus Unzufriedenheit mit ihrer wirtschaftlichen Lage demonstrierten. Die Proteste weiteten sich schnell in andere Länder wie Libyen, Ägypten und Syrien aus. In Tunesien, Libyen, Ägypten und dem Jemen wurden schließlich die machthabenden Regimes vom Volk gestürzt - ein Schicksal, dass die iranische Regierung natürlich vermeiden möchte.

Alle Golfstaaten außer Katar unterstützen die Proteste im Iran. Eine Regierungskrise käme ihnen gerade Recht, da sie mit dem Iran schon lange um die Vorherrschaft in der Region kämpfen. Sie hoffen, dass die Unruhen den Einfluss des Irans auf den sogenannten "Schiitischen Halbmond" schmälern - ein Begriff, der sich auf das vom Iran unterstützte Assad-Regime in Syrien, die Huthi-Rebellen im Jemen, die schiitische Hisbollah-Miliz im Libanon und die aktuelle irakische Regierung bezieht. 

"Diese Golfstaaten müssen aber auch aufpassen, weil sie die Proteste im Iran nicht wirklich unterstützen können, während sie gleichzeitig solche Vorgänge im eigenen Land verbieten", sagt Vakil.

Syrien Hezbollah und syrische Flaggen in Qalamoun (Reuters/O. Sanadiki)

Im Libanon und in Syrien unterstützt der Iran die Hisbollah-Miliz

Katar und die Türkei haben sich bereits gegen die Proteste ausgesprochen und sagen, dass sie von ausländischen Kräften organisiert werden. Die arabisch-sprachige Berichterstattung des TV-Senders Al Jazeera, die aus Sicht der Türkei und Katars häufig regierungsfreundlich ausfällt, unterstützt die Verschwörungstheorie, dass die Proteste im Iran das Ergebnis eines "Plans von außen" sind.

Widerstand wird nicht verschwinden

Mohammad Mohsen Abu al-Noor, ein ägyptischer Politikwissenschaftler, sagt, dass ein Großteil der schiitischen Bevölkerung im Libanon, Irak, Syrien und Jemen "die iranische Regierung vollständig unterstützt und dabei ignoriert, dass iranische Interessen mit den nationalen Sicherheitsbelangen ihrer eigenen Länder in Konflikt stehen könnten".

Nicht-Schiiten hingegen, so al-Noor, "hoffen, dass die Demonstrationen das Ende der schiitischen und iranischen Einflussnahme in den umliegenden arabischen Ländern bedeuten". Wie es jetzt weitergeht, hängt von der Reaktion der iranischen Regierung ab, sollten die Proteste nicht abreißen.

"Wenn die Regierung die Proteste mit aller Macht niederschlägt, könnte es einige Jahre lang ruhig werden", sagt Chatham-House-Expertin Vakil. Viele der Demonstranten hätten ursprünglich einmal die iranische Regierung unterstützt, so Vakil. "Diese Art von Widerstand, auch wenn sie zeitweise unterdrückt wird, verschwindet nie wirklich ."

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