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Politik

Prodi siegt, Berlusconi zweifelt

Nun steht es endlich fest: Romano Prodi hat die Wahl gewonnen. Wie es politisch weitergeht, ist hingegen offen. Berlusconi plädiert für eine große Koalition.

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Prodi, der Sieger

Nach Angaben des Innenministeriums kommt Prodis Mitte-Links-Allianz auf 348 von 630 Sitzen im Abgeordnetenhaus, Berlusconis Mitte-Rechts-Lager auf 281 Mandate. Im Senat habe Prodi 158 Sitze gewonnen, Berlusconi 156. Zwar seien noch nicht alle Stimmen der Auslandsitaliener ausgezählt, an dem Ergebnis könnten die fehlenden Stimmen aber nichts mehr ändern, sagte ein Ministeriumssprecher.

"Zu viele dunkle Seiten"

Der Amtierende Ministerpräsident Silvio Berlusconi zeigte sich hingegen noch nicht willig, die Niederlage anzuerkennen. Die vorliegenden Ergebnisse hätten "zu viele dunkle Seiten" und müssten überprüft werden. Zur Überprüfung des Wahlergebnisses wurde im Regierungslager vor allem eine Untersuchung von rund 500.000 ungültigen Stimmen verlangt. Zugleich schloss Berlusconi eine Große Koalition nicht aus. "Niemand kann behaupten, er habe gewonnen", sagte er am Dienstag in Rom. Die bisher vorliegenden Ergebnisse sollten überprüft werden. Berlusconis Lager will eine gründliche Prüfung von bis zu einer halben Million Stimmen, die Berichten zufolge ungültig sind oder annulliert wurden.

Vorbild Deutschland?

Berlusconi sprach von einer "Spaltung des Landes". Beide Lager teilten sich jeweils etwa 50 Prozent der Stimmen. Es sei unverantwortlich, wenn Prodi jetzt Siegesfeiern veranstalte. "Wir sollten Deutschland als Beispiel nehmen, um die Kräfte zu vereinen", sagte er mit Blick auf eine Große Koalition. Dagegen gilt unter Experten in Rom eine solche Lösung als sehr unwahrscheinlich, vor allem wegen der tiefen politischen Differenzen zwischen beiden Lagern.

"Zum Schluss haben wir gewonnen, und nun ist es an der Zeit für Italien, eine neue Seite aufzuschlagen", rief Prodi vor jubelnden Anhängern in Rom aus. Prodi zeigte sich zuversichtlich, eine vergleichsweise stabile Regierung bilden zu können. "Wir haben eine Mehrheit in der Abgeordnetenkammer und im Senat erzielt, die es uns erlaubt, mit unserer Koalition fünf Jahre lang zu regieren", sagte er nach einer langen und chaotischen Stimmenauszählung rund 24 Stunden nach Schließung der Wahllokale.

In Rom hieß es, die Gespräche zur Regierungsbildung könnten erst nach der Wahl eines neuen Staatspräsidenten am 13. Mai beginnen. Der Nachfolger von Staatschef Ciampi werde den Wahlsieger beauftragen, das 61. Nachkriegskabinett zu bilden. Anschließend muss sich der Regierungschef in beiden Parlamentskammern einer Vertrauensabstimmung stellen.

Glückwünsche aus Frankreich

Prodi kündigte erste Leitlinien für seine künftige Außenpolitik an. In deren Zentrum werde er Europa rücken. Gleichzeitig wolle er sich auch um eine "konstruktive Beziehung zu den USA bemühen". Berlusconi gilt als einer der wichtigsten Verbündeten von US-Präsident George W. Bush. Gegen Massenproteste im eigenen Land hatte er Soldaten in den Irak entsandt. Prodi hat deren Abzug - in Abstimmung mit den Verbündeten - in Aussicht gestellt. Bei Prodi gingen bereits erste Glückwünsche aus dem Ausland ein. So gratulierten Frankreich und Luxemburg. (sams/mas)

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