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Aktuell Deutschland

Pro-Erdogan-Demonstration in Köln geht friedlich zu Ende

Offiziell richtete sich die Großkundgebung am Rhein gegen die Putschisten in der Türkei - gehuldigt wurde vor allem dem Präsidenten. Es gab vier Gegendemos, auch eine von der rechtsextremen Partei Pro NRW.

Erdogan-Anhänger in Köln (Foto: Reuters)

Fahnenmeer rechtsrheinisch: Erdogan-Anhänger in Köln

Der türkische Sport- und Jugendminister Akif Cagatay Kilic sprach als Hauptredner zu den Demonstranten an der Deutzer Werft. Dort fand die Massenkundgebung statt - angemeldet von der Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD), die der türkischen Regierungspartei AKP nahesteht.

Der türkische Sportminister Akif Cagatay Kilic in Köln (Foto: dpa)

Erdogans Emissär: Der türkische Sportminister Akif Cagatay Kilic in Köln

Vorab erklärte Kilic vor Journalisten, die Veranstaltung sei als Signal der Geschlossenheit gegen die Putschisten zu verstehen. "Wir sind hier, weil unsere Landsleute in Deutschland für Demokratie und gegen den versuchten Militärputsch in der Türkei einstehen", so der Minister, der in der Bundesrepublik geboren wurde.

Demonstranten an der Deutzer Werft (Foto: dpa)

Unter dem Dach der türkischen Flagge: Demonstranten an der Deutzer Werft

Der frühere Leiter der Türkischen Redaktion der Deutschen Welle, Baha Güngör, sagte im Sender Phoenix, aus seiner Sicht hätten sich allerdings die Gewichte verschoben: Es sei keine Demonstration gegen den Putsch mehr, sondern eine Kundgebung "pro AKP und pro Erdogan".

Demonstranten von Köln gegen Rechts (Foto: dpa)

Köln gegen Rechts - das Bündnis demonstrierte gegen die Erdogan-Kundgebung und gegen Pro NRW

Nach Polizeiangaben hatten sich rund 20.000 Erdogan-Anhänger am Rhein versammelt. Die Polizei war mit

2700 Beamten im Einsatz

, um für einen friedlichen Ablauf der fünf Demonstrationen in Köln zu sorgen. Über dem Gelände der Großkundgebung auf der rechten Rheinseite kreiste ein Hubschrauber der Bundespolizei. Ein Wasserwerfer stand gut sichtbar auf der Deutzer Brücke bereit, weitere warteten in Nachbarstraßen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, der sich per Video zuschalten lassen wollte, durfte keine Botschaft an die Demonstranten richten - was Sportminister Kilic noch einmal beklagte. Das Bundesverfassungsgericht

hatte am Samstag ein entsprechendes Verbot bestätigt

. Auch andere Regierungsmitglieder in Ankara hatten die Entscheidung aus Karlsruhe kritisiert.

Polizeibeamte nehmen am Hauptbahnhof einen Demonstranten von Pro NRW in Gewahrsam (Foto: dpa)

Polizeibeamte nehmen am Hauptbahnhof einen Demonstranten von Pro NRW in Gewahrsam

Pro NRW-Kundgebung aufgelöst

Gegen die Erdogan-freundliche Kundgebung an der Deutzer Werft gab es an vier Orten der Stadt Gegendemonstrationen. Eine davon hatte die rechtsextreme Splitterpartei Pro NRW angemeldet - die Teilnehmer wollten vom Bahnhofsvorplatz durch die Innenstadt ziehen.

Doch weil die Polizei Waffen wie Quarzhandschuhe bei den Demonstranten fand und einige Teilnehmer stark alkoholisiert waren, lösten die Beamten die Versammlung auf. Zunächst weigerten sich mehrere Menschen, den Bahnhofsvorplatz zu verlassen. Sie wurden von der Polizei abgedrängt.

Infografik Erdogan Pro- und Contra Demos in Köln DEU

Auch auf dem Heumarkt in der Altstadt hatten sich Gegendemonstranten versammelt. Unter dem Motto "ErdoWahn stoppen - Für Demokratie und Menschenrechte in der Türkei" demonstrierten rund 650 Menschen. Zu dem Protestmarsch hatten Jusos, Julis, Linksjugend und Grüne Jugend aufgerufen. Mehr Teilnehmer hat das antifaschistische Bündnis "Köln gegen Rechts" mobilisiert. Am Rande dieser Demonstration kam es laut Polizei zu einer Auseinandersetzung zwischen rund 80 rechtsnationalen Türken und mehr als hundert kurdischen Teilnehmern. Mehrere Rauchbomben seien gezündet worden. Die Sicherheitskräfte konnten beide Lager trennen. Das Aktionsbündnis Köln gegen Rechts war weiter südlich, am Sachsenring, gestartet, um sowohl gegen die Pro-Erdogan-Kundgebung als auch gegen Pro NRW zu demonstrieren.

Am Abend - lange nach den Gegendemonstrationen - ging schließlich die Großveranstaltung an der Deutzer Werft friedlich zu Ende. Die Polizei dankte auf Twitter "für friedliches Verhalten" und wünschte den Teilnehmern "eine gute Heimreise".

jj/rb (dpa, afp, rtr)

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