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Doping

Primera Division: Wada warnt vor Doping

Der Anti-Doping-Kampf im spanischen Fußball ist seit knapp einem Jahr fast wirkungslos. Die Welt-Anti-Doping-Agentur schlägt Alarm. Wegen fehlender Anpassung der Gesetze sind die Dopingproben international ungültig.

"Absurd", sei die aktuelle Situation, titelte die Zeitung "La Vanguardia". Denn theoretisch könne ein in der Primera Division des Dopings überführter Profi bei einem Champions-League-Spiel problemlos zum Einsatz kommen. Am Dienstag war immer noch keine schnelle Lösung für das Problem in Sicht, die Hauptverantwortlichen wollten keinen Kommentar abgeben. Schuld an der Situation ist die Politik. Die spanische Regierung hatte sich mit der Anpassung der nationalen Gesetze an den schon seit 2015 geltenden neuen Code der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) zunächst viel Zeit gelassen. Zwischen Ende 2015 und Oktober 2016 gab es dann aufgrund einer politischen Pattsituation in Madrid plötzlich zehn Monate lang keine reguläre Regierung mehr. Gesetze durften nicht mehr verabschiedet werden, auch die Dopinganpassung blieb liegen.

Nur international spielende Profis getestet

Während in anderen Sportarten Hilfe durch internationale Verbände geleistet wurde und Doping-Tests übernommen wurden, war dies im Fußball nicht der Fall. Die Europäische Fußball-Union (UEFA) teilte auf SID-Anfrage mit, ihr seien die Hände gebunden. Sie sei "nicht zuständig für Spieler und Partien auf nationaler Ebene".

Russland Doping (Reuters/S. Karpukhin)

Die WADA testete bisher nur 57 Spieler in Spanien

Auch die FIFA fühlt sich nur für internationale Spiele zuständig. Weiterhin getestet wurden und werden deshalb nur die Profis, die mit ihren Vereinen in den internationalen Wettbewerben vertreten sind. Pro Spiel in der Champions League und Europa League also mindestens zwei Spieler, bei Trainingsbesuchen werden normalerweise rund zehn Spieler zum Dopingtest gebeten. Die spanische Anti-Doping-Agentur (AEPSAD) wies darauf hin, dass in der aktuellen Saison trotz der fehlenden WADA-Befugnisse 57 Spieler getestet wurden. Zum Vergleich: Die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) führte in der Saison 2015/16 1912 Trainings- und Wettkampfkontrollen im deutschen Fußball durch.

"Das Fehlen von Kontrollen in einem Land, das über eine der wichtigsten Fußball-Ligen der Welt verfügt, und das über einen  Zeitraum von fast zwölf Monaten, ist alarmierend", sagte ein WADA-Sprecher. "Und es trägt auch nicht gerade dazu bei, das Vertrauen in sauberen Sport zu stärken, in einem Moment, wo dies so dringend nötig wäre." Der spanische Verband RFEF und die Profiliga
LFP gaben trotz Anfragen zunächst keine Stellungnahme ab. Seit dreieinhalb Monaten hat Spanien wieder eine voll funktionsfähige Regierung, die nationalen Gesetze wurden aber immer noch nicht angepasst.

Nur Nachtests könnten Dopingsünder überführen

Inigo Mendez de Vigo (picture-alliance/dpa/J. Mendez)

Sportminister Inigo Meéndez de Vigo

Sportminister Inigo Mendez de Vigo hat sich bisher noch nicht zu dem Vorfall geäußert. Dabei hatte der konservative Politiker im Sommer 2016 "Null Toleranz gegen Doping" angekündigt und dann im November die Anpassung der Gesetze an den WADA-Code als Priorität bezeichnet. Passiert ist seitdem jedoch nichts. Bei der AEPSAD hofft man unterdessen, dass die Anpassung "bis Ende Februar" dieses Jahres erfolgt. So lange werden Messi, Ronaldo & Co. weiter nur bei internationalen Einsätzen echten Dopingkontrollen unterzogen. Die Verabschiedung des nötigen "königlichen Dekrets" werde aber nicht mehr lange auf sich warten lassen, teilte die AEPSAD mit. Im Anschluss dürfte die WADA Spanien relativ schnell wieder die Lizenz erteilen. Ob in der Zwischenzeit der zu großen Teilen WADA-freie Raum im spanischen Fußball ausgenutzt wurde, können dann - soweit überhaupt möglich - nur Nachtests beweisen.

mf/ck (sid, dpa)

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