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Bildung

Premiere vor vollem Haus

Nie sind die Kirchen beliebter als in der Advents- und Weihnachtszeit. Eine echte Herausforderung für Theologiestudenten, die ihre erste Weihnachtspredigt halten müssen.

Der Frost liegt wie Puderzucker über Dächern und Bäumen, als Mareike Maeggi an diesem Adventsmorgen zum Evangelischen Gemeindezentrum in Troisdorf fährt. Drinnen wird die Vikarin freudig von rund 50 Rentnern begrüßt. Die Tische sind weihnachtlich mit Kerzen geschmückt. Brötchen, Aufschnitt und Kaffee stehen für ein gemeinsames Frühstück bereit. Mareike Maeggi besucht den Männerkreis zum ersten Mal. Ihre Aufgabe: eine Adventsandacht für die Herrenrunde, die sich hier regelmäßig trifft.

Die Troisdorfer Vikarin Mareike Maeggi hält eine Andacht beim Adventsfrühstück der Rentner im Gemeindezentrum (Foto: Claudia Rometsch)

Adventsfeier mit der Männergruppe

Dies ist nur eine von vielen Premieren für Mareike Maeggi, seit sie im April Vikarin in Troisdorf wurde, einer kleinen Stadt zwischen Köln und Bonn. "Spannend und aufregend" sei diese Zeit, sagt sie, zumal sie sich auf viele verschiedene Aufgaben und Gruppen einstellen muss. Unter anderem unterrichtet sie auch erstmals Religion in einer Grundschule.

Herausforderung Weihnachtspredigt

Wie vielfältig der Pfarrberuf ist, wusste Mareike Maeggi bereits durch ihr Engagement in ihrer Heimatgemeinde in Wuppertal. "Aber es ist eben etwas ganz anderes, wenn man die Arbeit selbst tut", stellt sie nun fest. "Und im Advent und an Weihnachten hat das noch mal eine ganz neue Qualität für mich." Denn gerade zu dieser Zeit kämen besonders viele Leute in die Kirche um zuzuhören. Deshalb ist es Mareike Maeggi sehr wichtig, die Menschen zu erreichen.

Mareike Maeggi vor einem Flipchart (Foto: Claudia Rometsch)

Vorbereitung mit Flipchart: Mareike Maeggi vor ihrer Weihnachtspredigt

Einige Weihnachtspredigten, die sie selbst in der Vergangenheit gehört hat, seien allerdings etwas platt gewesen, sagt die Vikarin. Das soll ihr nicht passieren. Daher investiert Mareike Maeggi in diesen Wochen viel Zeit und Mühe in die Vorbereitung ihrer ersten Weihnachtspredigt. Im Mittelpunkt stehen bei ihr die Hirten an der Krippe. Auf einem Flipchart neben ihrem Schreibtisch hat sie den ersten Entwurf der Predigt notiert. Die wichtigsten Gedanken sind farbig markiert.

Nicht nur predigen, auch sparen

Pfarrerin zu sein lerne man nicht an der Uni, sagt Mareike Maeggi. Aber dafür sei das Vikariat als zweite Ausbildungsphase ja auch gedacht. "Das Großartige ist, dass man sich dabei die Zeit nehmen kann, die man braucht, um zum Beispiel Predigten zu schreiben." Unterstützung bekommt Mareike Maeggi im Seminar für pastorale Ausbildung, wo sie sich in Kursen zusammen mit 19 anderen Vikarinnen und Vikaren auf das Pfarramt vorbereitet.

Maeggis Mentor Pfarrer Dietmar Pistorius vor der Johanneskirche in Troisdorf (Foto: Claudia Rometsch)

Steht der Vikarin mit Rat und Tat zur Seite: Pfarrer Dietmar Pistorius

Dort lernen die künftigen Pfarrer weit mehr als zu predigen. "Heute gehört auch Projektmanagement mit in das Seminar", sagt Mareike Maeggis Mentor, der Troisdorfer Pfarrer Dietmar Pistorius. Als er selbst vor rund 20 Jahren sein Vikariat absolvierte, habe das noch keine Rolle gespielt. Die Vikare müssten sich heute viel mehr mit Struktur- und Spardebatten in der Kirche beschäftigen, beobachtet Pistorius.

Dringend gesucht: junge Pfarrer

Ob das ein Grund dafür ist, dass sich deutlich weniger junge Menschen für den Pfarrberuf interessieren? In der Zentrale der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Hannover glaubt man eher, dass die schlechten Aussichten auf eine Pfarrstelle in den Jahren um die Jahrhundertwende viele Interessenten vom Theologiestudium abgeschreckt hätten.

Inzwischen hat sich die Situation nach Beobachtung des EKD-Ausbildungsreferenten Joachim Ochel aber geändert. "Diejenigen, die heute studieren, haben vorzügliche Berufsaussichten", betont er. Denn in den kommenden Jahren gingen sehr viele der rund 20.000 evangelischen Pfarrer in Deutschland in den Ruhestand. Nachwuchs werde dringend gebraucht.

Theologiestudium besser als sein Ruf

Mareike Maeggi am Rednerpult im Evangelischen Gemeindezentrum (Foto: Claudia Rometsch)

Vom Studium in die Praxis: Mareike Maeggi fühlt sich gut vorbereitet

Das Studium der Evangelischen Theologie hat außerdem einen großen Vorteil: Es führt direkt zum Master-Abschluss. Die Studierenden müssten sich also nicht wie in anderen Fächern nach einem Bachelor neu für einen Master-Studiengang bewerben, erklärt Ochel. Außerdem sei es ein äußerst interessantes und vielseitiges Studium.

Mareike Maeggi kann das nur bestätigen. Sie möchte kein einziges Semester ihres Studiums missen. Jetzt gehe es darum, das erarbeitete Wissen in die Praxis umzusetzen, sagt sie. Ihre große Herausforderung: "In der Weihnachtspredigt etwas wirklich Wichtiges zu sagen, das die Leute im Herzen bewegt."

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