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Weltgesundheitsorganisation

Posse um Ernennung von Robert Mugabe zum WHO-Botschafter

Simbabwes Präsident als "Goodwill"-Sonderbotschafter der WHO für Afrika, das klingt wie ein Witz, war aber ernst gemeint. Nach internationalen Protesten macht der neue WHO-Chef Tedros die Berufung Mugabes rückgängig.

Bildergalerie langjährige Herrscher Robert Mugabe (Getty Images/AFP/J. Njikizana)

Robert Mugabe im Dezember 2016 beim Parteitag seiner ZANU-PF-Partei

Dem Protest auf die jüngst erfolgte Ernennung Robert Mugabes hat die Weltgesundheitsorganisation WHO jetzt Taten folgen lassen. Der 93-jährige international umstrittene Langzeitpräsident ist nach nur wenigen Tagen seine Rolle als WHO-Sonderbotschafter wieder los. "Ich habe allen zugehört, die ihre Bedenken geäußert haben", teilte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus mit. Nach Rücksprache mit der Regierung Simbabwes sei man übereingekommen, die Berufung Mugabes zu widerrufen. Die aktuelle Entscheidung sei im Interesse der WHO. 

Empörung zeigt Wirkung

Robert Mugabe ist seit 1980 an der Macht und regiert Simbabwe mit harter Hand. Kritiker werfen ihm vor, dass er jegliche Opposition unterdrückt, Menschenrechte verletzt und Wahlen manipuliert. Sowohl die USA wie auch die EU haben Sanktionen gegen den Staatschef verhängt. Zahlreiche Gesundheitsfachleute, Menschenrechtsgruppen, Oppositionelle und Staaten reagierten empört auf die Ernennung und sprachen von einem "kranken Witz". Der kanadische Premierminister Justin Trudeau sagte, er habe die Nachricht zunächst für einen "Aprilscherz" gehalten.

Statt das Gesundheitssystem seiner Heimat aufzubauen, habe es Mugabe durch Korruption geschädigt, so die Organisation Human Rights Watch. Die Nichtregierungsorganisation UN-Watch bezeichnete Mugabe als "Tyrannen". Er habe sein einstmals wirtschaftlich starkes Land ruiniert und das nationale Gesundheitssystem entscheidend geschwächt.

Kopfschütteln hatte die Ernennung auch in Mugabes Heimatland ausgelöst. Dort ist die medizinische Versorgung äußerst schlecht. Nur ein Arzt komme auf rund 100.000 Patienten, sagte ein ehemaliges Regierungsmitglied der Deutschen Presseagentur. Im größten Krankenhaus des Landes würden die Kranken aufgefordert, mangels fließenden Wassers einen eigenen Eimer mit Wasser mitzubringen. Mugabe hingegen lasse sich ausschließlich im Ausland ärztlich behandeln. 

Tedros Adhanom Ghebreyesus (Picture alliance/dpa/M. Kappeler)

Dr. Tedros - Feuertaufe als WHO-Chef bestanden?

Lob einzig vom neuen WHO-Chef

WHO-Direktor Tedros hatte Mitte der Woche auf einer Gesundheitskonferenz in Montevideo (Uruguay) bekannt gegeben, dass Mugabe als "Goodwill"-Botschafter für chronische Krankheiten Afrika arbeiten werde. Er solle seine afrikanischen Amtskollegen beeinflussen, damit sie den Kampf gegen nichtübertragbare Krankheiten wie Krebs ernsthaft führen, betonte der Äthiopier Tedros. Er hatte die Ernennung Mugabes im Kurzmitteilungsdienst Twitter unter anderem damit begründet, dass Simbabwe "innovative Methoden zur Mobilisierung von Ressourcen" im Land gefunden habe. Davon könnten andere Länder in der Region lernen. Außerdem wolle sich Mugabe dafür einsetzen, dass seine Kollegen dem Kampf gegen chronische Krankheiten Vorrang einräumten.

Nach WHO-Angaben sterben jährlich 40 Millionen Menschen an den Folgen nicht ansteckender chronischer Erkrankungen. Der äthiopische Mediziner Tedros  ist der erste WHO-Chef aus Afrika. Er war am 1. Juli der Chinesin Margaret Chan im Amt gefolgt.

qu/uh (dpa, epd, APE, rtre)

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