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Fußball

Portugal ist Europameister

Der Außenseiter triumphiert, der Gastgeber im Tal der Tränen: Portugal gewinnt das EM-Finale, das eigentlich Frankreich dominiert. Nicht einmal die tragische Verletzung von Superstar Ronaldo kann die Portugiesen stoppen.

Die französischen Spieler standen oder saßen fassungslos auf dem Rasen, mit leeren Mienen, und schauten unglücklich zu den hemmungslos feiernden Portugiesen bei deren Siegerehrung. "Les Bleus" um Torschützenkönig Antoine Griezmann (6 Treffer) blieb der dritte EM-Titel nach 1984 und 2000 verwehrt. "Es gibt keine Worte, um das Gefühl zu beschreiben. Die Enttäuschung ist immens", sagte Nationaltrainer Didier Deschamps. "Es braucht Zeit, um das zu verarbeiten." Dabei hatte Frankreich die Partie über weite Strecken dominiert. Doch Gegner Portugal sicherte sich mit einem 1:0 (0:0) n.V. den EM-Titel, den ersten internationalen Triumph im portugiesischen Fußball. Und das ohne die Hilfe seines Ausnahmespielers und Kapitäns: Cristiano Ronaldo musste verletzungsbedingt früh ausgewechselt werden. Umso stolzer humpelte er später auf die Tribüne und reckte den silbernen Pokal in den Himmel von Paris.

Als einer der vier besten Gruppendritten war Portugal in die K.o.-Runde gekommen - mit drei Unentschieden. Es folgte das 1:0 n.V. im Achtelfinale und das 5:3 i.E. gegen Polen in der nächsten Runde. Erst im Halbfinale gelang der erste und einzige Sieg dieser EM innerhalb von 90 Minuten: das 2:0 gegen Wales.

Video ansehen 03:27

DW-Experte Thomas Berthold analysiert das EM-Finale

Im Endspiel brauchte die Elf von Fernando Santos ebenfalls 108 Minuten, bis Matchwinner Eder, der in der französischen Liga beim OSC Lille unter Vertrag steht, das entscheidende Tor erzielte. "Das war Wahnsinn. Wir haben gespürt, dass ganz Portugal hinter uns steht. Wir sind der glückliche, aber der verdiente Gewinner", sagte Eder und berichtete dem Fernsehsender ARD, dass Ronaldo ihm vor der Verlängerung gesagt habe, er solle den Siegtreffer erzielen.

Ronaldos Einsatz endet früh

Dabei hatte die Partie mit einem absoluten Alptraum für die Portugiesen begonnen. Es lief die 24. Minute, als sich auf dem Rasen des Stade de France in Paris ein Drama abspielte: Portugals Superstar Cristiano Ronaldo sank resigniert zu Boden und signalisierte: "Es geht nicht mehr." Er hatte es minutenlang versucht, weiterzuspielen, hatte sich bandagieren lassen, auf die Zähne gebissen, doch das Knie war zu stark beschädigt, die Schmerzen zu groß.

Cristiano Ronaldo sitzt verletzt auf dem Boden (Foto: picture alliance/dpa/S. Suki)

Früher Schock für Portugal: Stürmerstar Cristiano Ronaldo muss verletzt raus

Mit Tränen in den Augen band er seinem herbeigeeilten, besorgten Sturmpartner Nani die Kapitänsbinde um und begann daraufhin bitterlich zu schluchzen. Sein Traum, für Portugal und vor allem mit Portugal den ersten großen Titel bei einem internationalen Turnier zu gewinnen, endete früh und auf eine grausame Weise. Dimitri Payet hatte den portugiesischen Superstar bereits in der 8. Minute gefoult und mit voller Wucht dessen linkes Knie getroffen. Schiedsrichter Mark Clattenburg ahndete es nicht.

Bei jedem Ballkontakt war Ronaldo zuvor und danach ausgepfiffen worden, vom französischen Publikum, das erst zum Finale so richtig in EM-Stimmung geraten war. Es sah eine von Beginn an offensiv ausgerichtete französische Mannschaft, die gleich klarmachte, dass es den Titel unbedingt wollte - koste es, was es wolle. In der 10. Minute prüfte Antoine Griezmann erstmals Rui Patricio mit einem gefährlichen Kopfball. Der portugiesische Torwart parierte ebenso glänzend wie nach einem wuchtigen Torschuss vom quirligen Moussa Sissoko 34. Minute. Auf den wieder genesenden portugiesischen Abwehrchef Pepe kam viel Arbeit zu, aber Portugal hielt zur Halbzeit das 0:0.

Offene zweite Halbzeit

Frankreich Euro 2016 Finale Frankreich gegen Portugal

Artistisch wurde es für Portugal erst in der Verlängerung

"Allez les Bleus", schallte es Mitte der zweiten Halbzeit von den Rängen, gefolgt von der Marseillaise. Die Fans merkten, dass sie ihr Team unterstützen mussten. Obwohl die Portugiesen ohne Ronaldo harmlos spielten, trafen die Franzosen das Tor nicht. Griezmann setzte in der 66. Minute einen Kopfball freistehend aus sechs Metern über das Tor. Nationaltrainer Didier Deschamps konnte es nicht fassen. Später scheiterte Olivier Giroud bei seinem Abschluss aus spitzem Winkel am portugiesischen Tormann (75.).

Und plötzlich kam Portugal zu Chancen: In der 80. Minute konnte der französische Schlussmann Hugo Lloris den strammen Schuss Nanis nur nach vorne abwehren, wo Ricardo Quaresma stand und den Ball per Fallrückzieher erneut aufs Tor brachte. Eine Minute später schoss Nani knapp über das Tor. Es war der Startschuss für eine turbulente Schlussphase. Sissokos Weitschuss parierte Rui Patricio. Der war aber in der Nachspielzeit geschlagen, als der eingewechselte André-Pierre Gignac nur den Pfosten traf und ein Aufschrei durch das Stadion ging.

Ronaldo macht Mut

Frankreich Euro 2016 Finale Frankreich gegen Portugal Tor Eder (Foto.Reuters/M. Dalder)

Offensivstark, aber dieses Mal ohne Torglück: "Les Bleus"

Und dann ging es in die Verlängerung. Noch nie war ein EM-Finale nach 90 Minuten torlos geblieben. Aus der Kabine kam der bandagierte Ronaldo - mit einer ganz anderen Körpersprache als noch bei seiner Auswechslung, als er auf einer Trage heruntergebracht wurde. Aufrecht und ohne Krücken ging er zu seinen Teamkollegen, klopfte ihnen auf die Schulter, sprach ihnen Mut zu und setzte sich auf die Bank. Dort blieb er nicht lang, es hielt ihn nicht dort. Denn er musste tatenlos mit ansehen, wie sein Team Chance um Chance vergab. Pepe brachte aus Abseitsposition den ersten gefährlichen Kopfball aufs Tor. In der 104. Minute setzte dann Eder einen Kopfball-Aufsetzer in Richtung Lloris, der den Ball nicht festhalten konnte und zur Seite klärte.

Auch in der zweiten Halbzeit der Verlängerung hatte Portugal die Chancen: Erst schoss Raphael Guerreiro den Ball mittels eines umstrittenen Freistoßes an die Latte. In der 109. Minute war er dann drin - Eder hatte getroffen. Mit rechts, unten links. Unhaltbar. Und Ronaldo weinte schon wieder. Dieses Mal vor Freude.

Lesen Sie hier noch einmal alle Höhepunkte des EM-Finales in unserem DW-Liveticker nach:

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