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Protest in Hamburg

Polizei greift vor G20-Gipfel hart durch

Es kommt wie befürchtet: Die Demonstration von G20-Gegnern unter dem Motto "Welcome to Hell" wird gestoppt, bevor sie richtig begonnen hat. Jenny Witt war unter den Demonstranten in Hamburg.

Den ganzen Tag hielt Hamburg den Atem an. Schon 24 Stunden vor Beginn des G20-Gipfels verstummte der Verkehrslärm in der Innenstadt. Eine merkwürdige Stille verbreitete sich. Nur ab und zu unterbrach ein Polizeihubschrauber die Ruhe in den leeren Straßen.

Aber fast alle Anwohner wussten, dass dieser Zustand nur bis zum Abend andauern dürfte - bis zur "Welcome to Hell"-Demonstration. Es war der erste große Test für die Polizei. Ihr war klar, dass sich der sogenannte schwarze Block versammeln würde - der extremistische, gewaltbereite Teil der antikapitalistischen Bewegung. "Beteiligt Euch lautstark, wütend und kämpferisch", stand auf dem Flyer der Organisatoren. 

Die Festung

Schon vor Tagen hatten Hundertschaften der Polizei in den Wohnstraßen an den Hamburger Messehallen, wo die Gipfelteilnehmer tagen werden, Position bezogen. Viele Gebiete sind abgesperrt. Hunderte Polizeiwagen bilden eine massive Barriere rund um die zwei Sicherheitszonen. Auch Wasserwerfer stehen schon seit Wochenbeginn in Hamburgs Straßen. Das Stadtzentrum ist in eine Festung verwandelt worden, ganz im Gegensatz zu den Absichten des Senats.

Polizisten in Hamburg (DW/J. Witt)

Großeinsatz für die Polizei

Im Laufe des Donnerstags wurde die Atmosphäre im Zentrum zunehmend angespannt und klaustrophobisch. Anwohner und Touristen fotografierten Anti-G20-Graffiti und zugenagelte Läden. Auf einigen Hauptstraßen entstanden lange Staus, entweder durch Absperrungen oder Polizeikonvois von bis zu 30 Fahrzeugen, die Staatsoberhäupter begleiteten.

Aber am Nachmittag versammelten sich Tausende auf dem Fischmarkt, direkt am Elbufer. Unter ihnen waren Familien, Rentner, einige Kinder und viele junge Menschen. Einige waren schwarz gekleidet, aber die meisten sahen nicht aus wie stereotypische Demonstranten.

Der Treffpunkt

Der Fischmarkt wurde zu einem Konzertort, einem Transparente-Workshop, einem großen Treffpunkt. Es gab Ansprachen, Essen und Musik - meist aus der linken Rapszene. Auf einmal brauste ein Schlauchboot mit sechs Personen und einer großen Anarchistenflagge am Kai vorbei, kreiste dreimal und verschwand wieder. Die Menge jubelte.

Dirk Mirkow (DW/J.Witt)

Dirk Mirkow

Dirk Mirkow, der sich als "bewaffneter Aufstand" verkleidet hatte und ein Spielzeuggewehr über der Schulter trug, sagte, er sei aus vielen Gründen zum Protest gekommen. "Das fängt ja an beim Klimawandel, der von Trump geleugnet wird, oder dass die acht reichten Männer so viel Besitz besitzen, wie die ärmste Hälfte der Weltbevölkerung - das allein sind ja Gründe genug."

Eine Frau, die ihren Namen nicht nennen wollte, betonte, der Gipfel sollte nicht in Hamburg stattfinden. "Ich habe nicht den Eindruck, dass da inhaltlich viel rauskommt." Drohende Ausschreitungen machten ihr aber keine Sorgen, sagte sie. "Das sind ja Dinge, die herbeigeredet werden. Ich glaube, wenn die Polizei sich im Hintergrund halten würde, würde wirklich nichts passieren." Der Mann neben ihr ergänzte: "Ich erwarte Provokation von Seiten der Polizei. Auch von den Demonstranten, sicher, aber ich bin hier um das Versammlungsrecht zu verteidigen."

Rund um den Fischmarkt war mittlerweile ein enormes Polizeiaufgebot zu sehen. Wagen und Wasserwerfer reihten sich aneinander und säumten die Straßen. Als ungefähr 100 bewaffnete Polizisten in Einsatzuniformen plötzlich durch die Menge schritten, spannte sich die Stimmung sofort an. Es gab verbale Auseinandersetzungen, aber noch keine Gewalt.

Die Eskalation

Die Demonstration kam in Bewegung. Mehrere hundert schwarz gekleidete Autonome setzten sich an ihre Spitze. Viele hatten sich vermummt. Sie kamen ungefähr 400 Meter weit, bis zu einer Fußgängerbrücke, die über die Hafenstraße führt. Dort war Schluss. Sechs Wasserwerfer warteten mit Blaulicht. Die Polizei versperrte den Weg - genau wie es viele erwartet hatten.

Demonstration Welcome to Hell (DW/J. Witt)

Der "schwarze Block"

Der Einsatzleiter forderte über Lautsprecher die vermummten Demonstranten auf, ihre Gesichter zu zeigen - sonst würden polizeiliche Maßnahmen ergriffen. Die Autonomen kamen der Aufforderung nicht nach. 

Mehr Polizisten erschienen von allen Seiten. Unter den Demonstranten war zunehmende Nervosität zu spüren, vor allem als sich Polizeikräfte in schwarzen Uniformen mit Pfefferspray-Kanistern unter die Zuschauer auf dem Fußweg mischten. "Die sehen aus wie Darth Vader", meinte ein Mann. Die Eskalation war nur eine Frage der Zeit. Viele verließen die Hafenstraße durch kleine Seitenstraßen, aber Hunderte blieben auf der Demonstration.

Schließlich flogen Feuerwerkskörper und Flaschen in Richtung vorrückende Einsatzkräfte, die ihrerseits Wasserwerfer und Pfefferspray einsetzten, um die Demonstranten auseinanderzutreiben. Viele Umstehende flüchteten vor dem Gewaltausbruch. "Die wollten den Aufzug nie ins Zentrum lassen", sagte ein Demonstrant auf der Brücke hoch über dem Polizeiaufgebot. "Das werden drei heiße Tage in Hamburg."

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