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Aktuell Asien

Polizei beendet gewaltsam Geiselnahme in Sydney

Das Geiseldrama dauerte fast 16 Stunden. Dann stürmten schwer bewaffnete Polizisten in der australischen Metropole ein Café mit etlichen Geiseln. Nach Polizeiangaben wurden der Kidnapper und zwei Geiseln getötet.

Als der Einsatz zur Stürmung des Gebäudes am zentralen Martin Place in Sydney begann, hörten Reporter der Nachrichtenagentur AFP vor Ort Explosionen und Schreie. TV-Bilder zeigten, wie sich bewaffnete Polizisten in voller Schutzmontur Zugang zu dem Café des Schweizer Schokoladenherstellers Lindt verschafften. Darin hatte der offenbar bewaffnete Geiselnehmer am Montagmorgen (Ortszeit) rund 20 Angestellte und Kunden in seine Gewalt gebracht.

Ein Polizeiroboter rollte ins Café (Foto: Reuters)

Ein Polizeiroboter rollt ins Café

Schon kurz nach der Erstürmung erklärte die Polizei des Bundesstaates New South Wales die Geiselnahme für beendet. Sie teilte später mit, der Kidnapper sei ums Leben gekommen. Zudem seien zwei Geiseln, ein 34-jähriger Mann und eine 38-jährige Frau, im Krankenhaus für tot erklärt worden. Vier weitere Menschen erlitten Verletzungen. Ein Spezialroboter zum Entschärfen von Sprengsätzen wurde in das Café gesteuert.

Bereits am Vormittag war drei Männern und zwei Frauen die Flucht aus dem Café gelungen. Kurz vor der Stürmung des Gebäudes in der Nacht rannten fünf weitere verängstigte Geiseln auf die Straße. Rettungskräfte kümmerten sich um sie.

Täter aus dem Iran

Zivilisten laufen mit erhobenen Händen vom Lindt Café weg (Foto: Getty Images)

Zivilisten laufen mit erhobenen Händen vom Lindt Café weg

Die Polizei hatte während der Geiselnahme Kontakt zu dem Täter aufgenommen, machte aber keine Angaben zu seinem Motiv. Nach einem Bericht des Fernsehsenders ABC handelt es sich um einen iranischen Kleriker namens Man Haron Monis. Dessen Rechtsanwalt Manny Conditsis sagte, man könne sicher sein, dass es sich nicht um die Tat einer islamistischen Gruppe handle. Es sei ein "zufälliger Einzeltäter", sagte er. "Das ist keine konzertierte terroristische Handlung. Es ist eine irregeleitete Person, die etwas Abscheuliches getan hat."

Der Iraner sei wegen sexueller Übergriffe in mehr als 40 Fällen sowie im Zusammenhang mit dem Tod seiner Ex-Frau wegen Beihilfe zum Mord angeklagt, berichteten Medien übereinstimmend. Er sei gegen Kaution auf freiem Fuß, erklärte sein Anwalt. Die Zeitung "The Australian" nannte Monis einen "selbsternannten Scheich", der beleidigende Briefe an Angehörige toter Soldaten geschickt habe. Der 49-Jährige lebte dem Bericht zufolge seit 1996 als Flüchtling in Australien.

Der mutmaßliche Geiselnehmer aus dem Iran in einer Archivaufnahme von 2009 (Foto: dpa)

Der mutmaßliche Geiselnehmer aus dem Iran in einer Archivaufnahme von 2009

Muslimisches Glaubensbekenntnis

Auf TV-Bildern war zu sehen, dass der Kidnapper ein Stirnband mit arabischen Schriftzeichen trug und mehrere Geiseln zwang, eine schwarze Flagge mit dem muslimischen Glaubensbekenntnis in die Fensterscheibe des Cafés zu halten. Auf der Fahne standen die Worte der sogenannten Schahada ("Es gibt keinen Gott außer Allah und Mohammed ist sein Prophet"), die auch von Islamisten wie der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) benutzt werden. Während der Geiselnahme verlangte der Täter, mit Premierminister Tony Abbott zu telefonieren. Der Sender Channel Ten telefonierte nach eigenen Angaben mit zwei der Geiseln. Diese berichteten, der Geiselnehmer habe ihnen gesagt, er habe vier Bomben versteckt, zwei im Café und zwei an anderen Orten der Innenstadt. Die Polizei bestätigte diese Darstellung zunächst nicht.

Der Vorfall löste kurz vor Weihnachten Terrorangst in Australien aus. Das Lindt-Café war den ganzen Tag von schwer bewaffneten Polizisten umstellt, umliegende Gebäude wurden evakuiert, die U-Bahn geschlossen. In dem Geschäftsviertel stehen das Parlament des Bundesstaates New South Wales und die Zentralbank. An der nahe gelegenen Oper wurde ein Konzert abgesagt. Hunderte Polizisten waren im Einsatz.

In Australien gilt seit September Terror-Alarmstufe drei von vier, was bedeutet: "Terroranschlag wahrscheinlich". Bei einer Großrazzia hatte die Polizei damals nach eigenen Angaben einen Anschlag vereitelt, bei dem ein beliebiger Passant auf der Straße entführt und enthauptet werden sollte. Australien beteiligt sich mit mehreren Hundert Elitesoldaten sowie mit Flugzeugen an der internationalen Allianz gegen den IS in Syrien und Irak.

kle/gmf (afp, dpa, rtre, ape)