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Aktuell Deutschland

Politik fordert Umsetzung der Frauenquote

Mit Blick auf die von Januar an gültige Frauenquote in Aufsichtsräten nimmt Berlin die Unternehmen in die Pflicht. "Wer die Frauenquote ignoriert, schneidet sich ins eigene Fleisch", erklärte Justizminister Maas.

"Nur wer geistig im vergangenen Jahrhundert stecken geblieben ist, glaubt an die Mär, es gäbe nicht genug geeignete Frauen", sagte der SPD-Politiker Heiko Maas in Berlin. Nie zuvor habe es eine Generation so gut ausgebildeter Frauen gegeben. Dies müsse sich "endlich auch in den Chefetagen widerspiegeln", forderte der Bundesjustizminister.

Auch Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig mahnte die Unternehmen in der "Süddeutschen Zeitung", die Vorgaben des neuen Gesetzes zu erfüllen. "Ich erwarte von den Unternehmen, dass sie es ernst meinen mit der von ihnen selbst so häufig gepriesenen Vielfalt in den Führungsetagen." Es gehöre "zum Einmaleins des Managements", sich strategische Ziele zu setzen - und "alles daranzusetzen, diese Ziele auch zu erreichen", ergänzte die ebenfalls der SPD angehörende Politikerin.

30-Prozent-Quote im Aufsichtsrat

Am 1. Januar 2016 tritt in Deutschland das "Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen" in Kraft. Börsennotierte, voll mitbestimmungspflichtige Unternehmen müssen bei der Neubesetzung ihres Aufsichtsrates künftig sicherstellen, dass mindestens 30 Prozent der Posten von Frauen besetzt werden. Wird dieser Anteil nicht erreicht, bleiben die Stühle unbesetzt.

Außerdem müssen diese Firmen sowie rund 3500 weitere Unternehmen Zielvorgaben für den Frauenanteil im Vorstand und in zwei weiteren Führungsebenen veröffentlichen. Werden sie vefehlt, hat dies allerdings keine Folgen.

Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" schaffen viele Firmen, für die künftig die Quote im Aufsichtsrat gilt, die gesetzlichen Vorgaben noch nicht. Im Schnitt liegt der Frauenanteil in den Kontrollgremien demnach bei 22 Prozent. Bei fast einem Fünftel liege der Anteil unter zehn Prozent.

Probleme in Familienkonzernen

Besonders schwer mit der Suche nach weiblichen Aufsichtsräten tun sich Familienunternehmen. Nur sechs von 20 familiengeführten Firmen, für die das Gesetz gilt, erfüllen die Vorgaben bereits, wie aus einer Untersuchung der Beratungsgesellschaft Kienbaum hervorgeht. Absolut gesehen, bräuchten die 20 Familienkonzerne noch 33 Frauen für ihre Kontrollgremien.

Während der Konsumgüterhersteller Henkel mit einem Frauenanteil von 44 Prozent im Aufsichtsrat "absoluter Spitzenreiter" sei, gebe es bei anderen Konzernen noch Nachholbedarf. Das Medizintechnik- und Gesundheitsunternehmen Fresenius und die Beteiligungsgesellschaft Porsche Automobil Holding haben demnach derzeit noch keine einzige Frau im Aufsichtsrat.

Bedenken der Männer

Nach einem Bericht des "Manager Magazin" gibt es bei männlichen Aufsichtsräten teilweise erhebliche Vorbehalte gegen Kolleginnen in den Kontrollgremien. Wie die Zeitschrift unter Berufung auf eine Untersuchung der Wirtschaftskanzlei Hengeler Mueller schreibt, ist jedes zweite männliche Aufsichtsratsmitglied der Meinung, die Suche nach geeigneten Kandidaten für den Aufsichtsrat werde durch die Geschlechterquote "erheblich schwieriger". Jeder vierte männliche Aufsichtsrat befürchtet demnach eine "Benachteiligung von Männern". Umgekehrt erwarten nur acht Prozent der weiblichen Aufsichtsräte, dass Männer durch die Quote benachteiligt werden.

wl/sti (dpa, afp, rtr)