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Wirtschaft

"Ich schaffe das!"

Sie verstehen sich als mächtige Frauen und treffen sich zum mittlerweile vierten Mal zur Konferenz "Most Powerful Women" des Wirtschaftsmagazins Fortune. Aus London Manuela Kasper-Claridge.

Sie sitzt entspannt auf dem Podium im vornehmen Londoner Rosewood Hotel und scheint selbst ein wenig erstaunt darüber, dass sie ein Vorbild ist. Ein Vorbild für Frauen in Führungspositionen und ein Vorbild für erfolgreiches Management. Carolyn McCall ist Chefin der Airline Easyjet und sie hat das geschafft, was viele bei ihrem Amtsantritt 2010 für unmöglich hielten: Easyjet ist heute neben Ryanair der erfolgreichste Billigairline Europas. McCall hat die Umsätze in den letzten fünf Jahren verdoppelt. Easyjet fliegt mittlerweile 70 Ziele in Europa an.

Billig und pünktlich

EasyJet CEO Carolyn McCall

Carolyn McCall, Chefin von Easyjet

Wie hat McCall das geschafft? "Günstiges Fliegen muss nicht schlechter Service heißen, das war mir klar", erzählt sie. Deshalb setzte McCall alles daran, daß die Flugzeuge von Easyjet wieder pünktlich starten und landen und damit die Kundenzufriedenheit wächst. Bei ihrem Amtsantritt 2010 war das Image denkbar schlecht, die Kunden liefen scharenweise davon, buchten lieber bei anderen Fluglinien.

McCall war zuvor CEO der Guardian Media Group, war erfolgreiche Managerin, aber keine Luftfahrtexpertin. Dass die Aufgabe nicht leicht werden würde, war ihr klar. Easyjet machte Verluste und das Management war zerstritten. Trotzdem war die Managerin überzeugt, dass sie es schaffen könnte. "I can do it", sagte sie sich und trat den Chefposten an. Fünf Jahre später gilt sie als eine der erfolgreichsten Unternehmenschefinnen Großbritanniens.

Frauenpower

Die Frauen im Publikum hören ihr aufmerksam zu. Viele können ähnliche Geschichten erzählen. Von schwierigen Managemententscheidungen und vom Druck durch Anteilseigner oder Mitarbeiter. Es sind erfolgreiche Frauen in Führungspositionen, die nach London zur Konferenz "Most Powerful Women" gekommen sind, eingeladen vom US-Magazin Fortune. Bankerinnen, Unternehmerinnen, Anwältinnen, Beraterinnen überwiegend aus Europa, aber auch aus den USA, aus Indien, China oder dem Nahen Osten. Sie eint, dass sie in Ihrer Position eher die Ausnahme sind. Umgeben von Männern, die ihre männlich dominierten Netzwerke pflegen.

50 Milliarden und neun Kinder

Dass Frauen das auch können, zeigt Helena Morrissey anschaulich. Die zierliche Frau ist Mutter von neun Kindern und managt Newton Investment, einen 50 Milliarden britische Pfund (69 Milliarden Euro) Fonds. Sie ist entschiedene Gegnerin einer starren Frauenquote und hat dennoch Furore gemacht mit ihrer im Jahr 2010 gestarteten Initiative

30percentclub.org

. Mehr Frauen in die britischen Aufsichtsräte zu bringen ist das Ziel. Bis Ende 2015 sollte auf freiwilliger Basis mindestens eine 30-prozentige Beteiligung von Frauen bei den 100 größten britischen Aktiengesellschaften erreicht werden. "Aktuell haben wir erreicht, dass 23,6 Prozent Frauen in den Aufsichtsräten sind, vorher waren es nur 12,6 Prozent", erzählt Morrissey stolz. Die Initiative schlägt Frauen für Positionen vor, macht sie vor allem sichtbar. Denn oft ist nicht bekannt, das für eine Aufsichtsratsposition auch eine qualifizierte Frau zur Verfügung steht. Der "30%Club" hat heute Ableger in Südafrika, den USA, Irland und Hongkong. Mitglieder der Initiative sind neben Frauen zahlreiche Männer, die Führungspositionen bekleiden.

Aus dem Schatten des Vaters

Ana Patricia Botin

Ana Botin, Chefin der Banco Santander

Auch Ana Botin, Chefin der Banco Santander hat den Weg nach London gefunden, um sich mit anderen Frauen auszutauschen. Sie ist eine der einflussreichsten Bankerinnen Europas, stand lange im Schatten ihres mächtigen Vaters Emilio Botin. Als er 2014 starb, wurde sie vom Aufsichtsrat zur neuen Vorsitzenden berufen. Bis dahin hatte die Spanierin lange in der zweiten Reihe bei Banco Santander, dem zweitgrößten europäischen Finanzinstitut, gestanden.

Gleich zu Beginn überraschte Botin mit schnellen Entscheidungen. Sie wechselte Führungspersonal aus und verlangte bei Banco Santander eine neue Dynamik, da man sich nicht auf vergangenen Erfolgen ausruhen könne. Die Entscheidungen seien ihr letztlich nicht schwer gefallen, erzählt sie auf der Konferenz von Fortune. Sie habe ja schon viele Jahre in der Bank gearbeitet. "Veränderungen sind einfacher, wenn man von drinnen kommt", sagt Botin. Ihre größte Herausforderung sei es heute die richtigen Talente für das Unternehmen zu finden.

Auch das Image zählt

Als Tochter des Patriarchen Botin habe sie zudem schon früh gelernt, wie wichtig das Erscheinungsbild eines Managers innerhalb eines Unternehmens ist. "Am Anfang habe ich mich nur darauf konzentriert, einen guten Job zu machen, das reichte aber nicht", sagt Botin selbstkritisch. Die Frauen im Publikum nicken. Botins Erfahrungen werden wohl von vielen geteilt.

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