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Afrika

Polenz: "Ich habe Erfahrung mit heikler Außenpolitik"

Die Bundesregierung setzt ein Zeichen. Zum ersten Mal ernennt sie einen Sondergesandten für die deutsch-namibischen Beziehungen. Ruprecht Polenz spricht im DW-Interview über seine schwierige Aufgabe.

Deutsche Welle: Herr Polenz, Sie haben den Auftrag, die Gespräche mit der namibischen Regierung fortzuführen. Wie wollen Sie das angehen?

Ruprecht Polenz: Momentan bereiten wir uns auf meinen ersten Besuch nach Namibia vor und auf die dortigen Gespräche mit meinem namibischen Gegenüber.

Wie fühlen Sie sich in der neuen Rolle?

Ich finde, dass es eine verantwortungsvolle und wichtige Aufgabe ist, und ich möchte gerne dazu beitragen, dass sie gut gelöst wird. Ich bin gespannt, was auf mich zukommt.

Warum wurden Sie als Sondergesandter ausgewählt?

Das müssen Sie Herrn Steinmeier fragen. Er hat mich angerufen und gefragt, ob ich dafür zur Verfügung stünde und ich habe ja gesagt. Ich glaube, dass er mich wegen meiner Erfahrung ausgewählt hat. Ich war seit fast zwanzig Jahren Bundestagsabgeordneter sowie von 2005 bis 2013 Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Bundestags. In der Zeit konnte ich sehr viel Erfahrung sammeln, unter anderem auch in heiklen außenpolitischen Situationen. Außerdem kennen wir uns schon sehr lange - auch deshalb vertraut mir der Außenminister diese schwierige Aufgabe an. Er traut mir zu, eine gute und diplomatische Lösung zu finden.

Gedenken an den Völkermord an den Herero durch die deutsche Kolonialmacht

Nachkommen der Herero erinnern den Völkermord am Rand der Omaheke-Wüste in Namibia

Viele Vertreter der Herero und Nama fordern eine offizielle Entschuldigung für den Völkermord an ihren Vorfahren. Ist der Moment dafür nun gekommen?

Im Dialog wollen wir ganz offen über das sprechen, was beide Seiten bewegt. Aber ich steige jetzt erst in bereits laufende Gespräche ein. Es ist noch zu früh, über einzelne Aspekte zu reden. Unser Ziel ist jedenfalls, eine gemeinsame Sprache zu finden, mit der wir über die deutsche Kolonialgeschichte sprechen - und vor allem über die Zukunft der Beziehungen zwischen Namibia und Deutschland.

Welche Akteure können die deutsch-namibischen Beziehungen mitgestalten?

Der direkte Ansprechpartner der Bundesrepublik ist natürlich die Regierung Namibias. Ich gehe davon aus, dass die namibische Regierung die Gespräche so führen will, dass die namibische Bevölkerung insgesamt einbezogen wird - und damit auch die Nachfahren derer, die unter der deutschen Kolonialherrschaft besonders gelitten haben. Ich selbst werde mich natürlich um einen umfassenden Eindruck bemühen. Ich war vorher noch nie in Namibia.

Stößt die gemeinsame Vergangenheitsbewältigung mit Namibia auch im Deutschen Bundestag auf Gehör?

Wir hatten zu verschiedenen Anlässen Debatten im Deutschen Bundestag, darunter mehrere Anträge von Fraktionen. Ich war da auch dabei. Deshalb ist es mir in den Gesprächen mit den namibischen Partnern wichtig, diese Debatten aus dem Bundestag wiederzugeben. Der Dialog kann nur dann erfolgreich sein, wenn jede Seite die andere gut versteht.

Namibia ist nach wie vor eines der Schwerpunktländer der deutschen Entwicklungshilfe. Welche Rolle wird die Entwicklungshilfe in ihren Gesprächen spielen?

Zwar habe ich nicht den Auftrag, quer über alle Ressorts zu sprechen, aber natürlich werden wir uns die Beziehung insgesamt anschauen. Ich stehe noch am Anfang und mein Gefühl sagt mir, dass sehr wichtig ist, die Gespräche in Ruhe und mit Gründlichkeit zu führen. Wir möchten das vorhandene Vertrauen weiter aufbauen. Deshalb wird es nicht nach jeder Gesprächsrunde Wasserstandsmeldungen von mir geben, und es wird auch nicht immer erzählt, wann ich mit wem telefoniere oder wen ich besuche. Wir wollen zu einem guten Ergebnis kommen, dafür braucht man auch ein bisschen Ruhe. Was nicht heißt, dass nicht gearbeitet wird.

Ruprecht Polenz war von 1994 bis 2013 CDU-Bundestagsabgeordneter und langjähriger Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages. Schwerpunkte seiner Arbeit waren bisher die Außen- und Sicherheitspolitik im Nahen und Mittleren Osten, insbesondere Iran, Türkei und der Nahostkonflikt.

Das Interview führte Theresa Krinninger.

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