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Aktuell Welt

Polen erinnert an den Aufstand im Warschauer Ghetto

In Polen gedenken Politiker des Aufstands im Warschauer Ghetto vor 70 Jahren. Es war der größte jüdische Aufstand gegen die Nazis in Europa. Für Präsident Komorowski war es ein heroischer Kampf um Menschenwürde.

Der polnische Staatspräsident Bronislaw Komorowski hat den Aufstand im Warschauer Ghetto vor 70 Jahren als "heroischen Kampf um Menschenwürde und Menschenrecht" gewürdigt. Der Aufstand sei auch eine "Anklage gegen die Gleichgültigkeit der freien Welt" gewesen, sagte er auf der zentralen Gedenkfeier am Denkmal der Ghettokämpfer in Warschau.

An der Zeremonie nahmen auch der israelische Bildungsminister Schai Piron, der Präsident des Europaparlaments, Martin Schulz, und Ex-Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth teil. Zu den Ehrengästen zählte außer Ghetto-Überlebenden auch Simcha "Kazik" Ratajzer-Rot, einer der wenigen noch lebenden Ghetto-Kämpfer. Der 89-Jährige lebt heute in Israel. In Berlin würdigte der Deutsche Bundestag die Opfer zu Beginn seiner Sitzung am Freitag mit einer Gedenkminute. Bundestagspräsident Norbert Lammert erinnerte an die Widerstandskämpfer: "Ihr Kampf für Menschenwürde ist und bleibt ein Vermächtnis für die nachfolgenden Generationen."

Video ansehen 01:28

Gedenken an Aufstand im Warschauer Ghetto

Auf Anordnung von Kardinal Kazimierz Nycz wurden zu Ehren der Widerstandskämpfer die Glocken der katholischen Kirchen im Hauptstadt-Bistum geläutet. Nach der offiziellen Gedenkfeier war ein Marsch zum Denkmal an dem Platz angesetzt, von wo aus die Nazis mehr als 300.000 Juden mit Zügen in die Gaskammern des Vernichtungslagers Treblinka transportierten.

Museum zur Geschichte der polnischen Juden

Zudem wird auf dem Gelände des ehemaligen Ghettos das neue Museum zur Geschichte der polnischen Juden eröffnet. Der Neubau befindet sich in der Nähe des Mahnmals, das an den Aufstand vor 70 Jahren erinnert. Das Gebäude wurde in sechs Jahren nach den Plänen der finnischen Architekten Rainer Mahlamäki und Ilmari Lahdelma errichtet. Den graugrünen Kubus durchzieht ein Riss, der an den Bruch in der Geschichte der jüdischen Gemeinschaft in Polen erinnert.

Polens Präsident Bronislaw Komorowski, dpa

Ganz Polen erinnert heute an den Warschauer Aufstand, hier Staatspräsident Komorowski

Die Initiative für das Projekt hatte Mitte der 90er Jahre die "Vereinigung des Jüdischen Historischen Instituts" in Warschau ergriffen, die neben Staat und Stadt Träger des Museums ist. Der Verein finanziert die Ausstellung mit umgerechnet 25 Millionen Euro aus Spenden, darunter fünf Millionen von der Bundesrepublik Deutschland. Das Gebäude kostete rund 50 Millionen Euro.

Hunderttausende Juden waren in Warschau zu Hause

Am 19. April 1943 waren die ersten Schüsse des Aufstands gefallen. Jüdische Aufständische kämpften gegen SS-Einheiten. Nach mehrwöchigen Auseinandersetzungen endete am 16. Mai der verzweifelte Kampf gegen die zahlenmäßig weit überlegenen Deutschen. Die deutschen Soldaten töteten während der vier Wochen andauernden Kämpfe rund 6.000 Aufständische sowie bei der Zerstörung des gesamten Ghettogeländes weitere 7.000 Menschen. Die Überlebenden des Aufstandes wurden in Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert und dort bis auf wenige Tausend ermordet.

Angeführt hatte den Kampf gegen die deutschen Nationalsozialisten die jüdische Widerstandsorganisation ZOB. Ihr Ziel war es, die noch verbliebenen etwa 56.000 Juden in Warschau zu retten. Ursprünglich hatten in der polnischen Stadt rund 400.000 Juden gelebt.

haz/sc/kle (dpa, kna, epd)

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